Verkehr

«Es besteht keine Gefahr, dass die Sihl durch die Arbeiten verschmutzt wird»

Ab Samstag ist der Sihltunnel für sieben Wochen in beiden Richtungen gesperrt. Wie werden Arbeiter und Passagiere vor Lärm und Staub geschützt? Die Projektleiterin erklärt.

Martina Winkler ist Projektleiterin Fahrbahnerneuerung. Foto: PD

Martina Winkler ist Projektleiterin Fahrbahnerneuerung. Foto: PD Bild: PD

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Diesen Sommer erneuert die Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn (SZU) für 9,4 Millionen Franken die Fahrbahn im Sihltunnel. Was wird gemacht?
Martina Winkler: Zwischen Selnau und HB wird ein neues Fahrbahnsystem eingebaut. Dafür müssen die Gleise und Schwellen ausgebaut und der Beton, in den diese eingegossen sind, muss herausgefräst werden. Anstelle von Kunststoffschwellen werden heute LVT-Blöcke verwendet, wobei LVT für Low Vibration Track steht. Die Blöcke bestehen aus einem Betonblock, einer elastischen Einlage sowie einem Gummischuh und sind von Füllbeton umgeben. Sie sind heute Standard und wurden auch im Gotthard-Basistunnel verwendet.

Was merken die Fahrgäste?
Der Fahrkomfort wird leicht verbessert. Denn wir reduzieren die Neigung in den Kurven und verlängern die Weichen. Dadurch werden die Fliehkräfte optimiert. Insgesamt wird das Fahrerlebnis etwas ruhiger. Viel wird es allerdings nicht ausmachen, fahren doch die Züge maximal 60 km/h schnell. Aber der erhöhte Fahrkomfort ist nur ein Nebeneffekt. Die Erneuerung ist nötig, weil die Gleise mit 30 Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben.

Ab Samstag ist der Tunnel für sieben Wochen in beiden Richtungen gesperrt. Die Erneuerungsarbeiten haben aber im Mai begonnen. Was wurde bereits gemacht?
Wir haben seit Mai in den nächtlichen, vierstündigen Betriebspausen die Fahrleitung und die Sicherungsanlagen angepasst. Bis jetzt sind wir im Zeitplan.

Wie sieht der Zeitplan für die sieben Wochen aus?
Der Tunnel ist ja zweigleisig. Wir erneuern ein Gleis nach dem anderen. So können wir immer eines als Logistikgleis nutzen.

Es gibt zwei intensive Phasen, in denen Beton gefräst wird.
Ja, die eine gleich am Anfang der Tunnelsperre, vom 14. bis zum 19. Juli, die andere vom 4. bis zum 9. August.

Es ist vorgesehen, dass wir an den Wochenenden nicht arbeiten. Sollte es zu Verzögerungen kommen, sind diese unsere Reservezeit.

Wie schützen Sie die Arbeiter und die Passagiere vor Lärm und Staub?
An der Station Selnau werden die Passagiere die Arbeiten mitbekommen. Darum verlegen wir die intensivsten Phasen in die Nacht, wenn keine Züge fahren. Zusätzlich benetzen wir das Material direkt beim Abfräsen, sodass der Staub gleich gebunden wird und möglichst wenig davon in die Luft gelangt. Eine Baulüftung sorgt zudem dafür, dass der Staub, den wir trotz allem nicht verhindern können, über einen Schacht an der Gessnerallee ins Freie gedrückt wird.

Ein Teil des Sihltunnels verläuft unter der Sihl. Wie reell ist die Gefahr, dass sie verschmutzt wird?
Die Gefahr besteht nicht. Der Sihltunnel ist ein geschlossenes System. Das Wasser mit dem Betonstaub wird längs des Tunnels gesammelt und läuft über das Schmutzwassersystem in Richtung Abwasserreinigungsanlage. Von dort wird es in die Kanalisation gepumpt.

Der Zeitplan der Gleisarbeiten ist straff. Haben Sie eine gewisse Marge?
Es ist vorgesehen, dass wir an den Wochenenden nicht arbeiten. Sollte es zu Verzögerungen kommen, sind diese unsere Reservezeit.

Es werden nur 800 Meter der 1,4 Kilometer langen Tunnelfahrbahn erneuert. Warum nicht gleich alles?
Die Erneuerung der weiteren 600 Meter zwischen Selnau und dem Portal auf der Seite Giesshübel ist für 2023 vorgesehen. Die Etappierung hat logistische Gründe. Wir warten zuerst die Umstromung der Uetlibergbahn ab. Diese fährt zurzeit noch mit Gleichstrom und kann nicht auf den Gleisen der Sihltalbahn fahren.

Die SZU rechnet mit weiter steigenden Passagierzahlen und plant verschiedene Ausbauschritte, unter anderem eine durchgängige Doppelspur. Wie wichtig ist das Puzzleteilchen Erneuerung Sihltunnel?
Es ist der erste Grossumbau und damit ein Schlüsselprojekt.

Erstellt: 10.07.2019, 10:33 Uhr

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