Wädenswil

Verwaltungsrat bewahrt Wädi-Bräu vor dem Aus

Die Wädi-Brau-Huus AG ist vorerst gerettet. Doch an der Versammlung gingen die Wogen hoch.

Den Emotionen zum Trotz: Geschäftsführer Christian Weber konnte sich am Donnerstag an der Wädi-Brau-Huus-Generalversammlung durchsetzen.

Den Emotionen zum Trotz: Geschäftsführer Christian Weber konnte sich am Donnerstag an der Wädi-Brau-Huus-Generalversammlung durchsetzen. Bild: Patrick Gutenberg

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Ohne einen Tropfen Bier war die Stimmung schon auf dem Höhepunkt. Allerdings im negativen Sinn: Die Aktionäre der Wädi-Brau-Huus AG schossen an der Generalversammlung aus allen Rohren. «Affentheater», «Muppet-Show», Drohung mit strafrechtlichen Schritten – der Verwaltungsrat musste sich einiges anhören. Schon vor der Versammlung gab es einen Antrag auf Verschiebung und Ansetzung einer ausserordentlichen Generalversammlung.

Emotional seien die Versammlungen der Brauerei schon immer gewesen, sagten Aktionäre. So etwas hatte aber keiner erwartet. Einige standen schon während der Versammlung auf und verliessen die Kulturhalle Glärnisch, bevor es zur Abstimmung gekommen war. Grund für die schlechte Stimmung war die finanzielle Schieflage. Die AG ist überschuldet. 2018 schloss sie mit einem Verlust von 480'000 Franken ab. 162 Aktionäre waren zu Beginn der Versammlung anwesend. Immer wieder meldeten sich Votanten und forderten einen Abbruch der Übung, etwa weil man zu wenig über die finanzielle Lage wisse – erfolglos.

Auf Lohn verzichtet

Emotional zeigte sich auch Geschäftsführer Christian Weber. Er, der am meisten Geld in die Wiederbelebung des Wädenswiler Biers gesteckt hatte, überraschte mit der Aussage, seit ­August 2018 keinen Lohn mehr bezogen zu haben. Oder Braumeister Sebastian Fleck, der die Aktionäre in deutlichen Worten aufforderte, dem Verwaltungsratspräsidenten Jörg Rüegg einen würdigen Abschied zu gewähren.

Die Verantwortlichen auf dem Podium gaben zu, Fehler gemacht zu haben. Die Brauerei ist überschuldet, das hat die Revisionsstelle klipp und klar festgestellt. Doch man sei auf einem guten Weg. Mit dem Vorschlag, die Aktien komplett zu entwerten und neue Aktien zu einem viel höheren Preis anzubieten, käme wieder genug Kapital zusammen, um die Überschuldung abzuwenden und die Brauerei zu retten. Käme der Antrag nicht durch, müsste die Bilanz deponiert werden.

Verwaltungsrat in Überzahl

Schon vor der Versammlung war klar, dass die mindestens angestrebten 610'000 Franken zusammenkommen würden. Von den Kleinaktionären sprach sich am Donnerstag keiner öffentlich für eine Aktienzeichnung aus. Knapp über eine Million Franken Aktienkapital hat sich der Verwaltungsrat als Höchstziel gegeben. Ein Aktionär war allerdings unzufrieden, als ihm Christian Weber nur emotionale Gründe für eine Aktienzeichnung geben konnte. Lange vor der eigentlichen Abstimmung wurde deutlich, dass der Verwaltungsrat nicht auf die Hilfe der Kleinaktionäre angewiesen sein würde. Von 510'376 Stimmen vereinigte er 444'909 auf sich.

Nach rund drei Stunden Debatte fielen die Abstimmungen deutlich aus. 96 Prozent waren gegen eine ausserordentliche Versammlung. Die Entwertung der Aktien und die anschliessende Erhöhung wurden mit je 88 Prozent angenommen. Die zwei Dutzend noch Anwesenden spendeten Applaus. Die anderen waren da längst mit ihren Gutscheinen für Gratisbier ins Brauhaus weitergezogen.

Erstellt: 27.06.2019, 20:33 Uhr

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