Adliswil

Er will mit seiner Kunst Frieden schaffen

Der 80-jährige Künstler Theo Dannecker kehrt für seine aktuelle Ausstellung «Eine Baustelle für den Frieden» in seine alte Heimat Adliswil zurück.

Theo Dannecker stammt aus einer Adliswiler Handwerkerfamilie. Doch für ihn war schon früh klar, dass er Künstler werden will. Nun gibt er Einblick in seine 60-jährige Schaffenszeit.

Theo Dannecker stammt aus einer Adliswiler Handwerkerfamilie. Doch für ihn war schon früh klar, dass er Künstler werden will. Nun gibt er Einblick in seine 60-jährige Schaffenszeit. Bild: Moritz Hager

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Am Mittwochabend eröffnet Theo Dannecker seine aktuelle Ausstellung. Unter dem Titel «Eine Baustelle für den Frieden» präsentiert er Kunstwerke: von Kreidezeichnungen in Glaskästen über Gips oder Lehm-Skulpturen bis hin zu Acrylmalereien und verschiedenen Objekten.

Dass er, der in Adliswil aufgewachsen war, Künstler werden will, war für den heute 80-Jährigen schon früh klar: «Als ich in der fünften Klasse war, zeichnete ein Künstler im damals neu erbauten Schulhaus Kronenwiese die Arche Noah auf die Wand.» In jeder Pause sass der kleine Theo Dannecker neben dem Künstler und beobachtete dessen Schaffen fasziniert. «Da wusste ich, ich will auch malen.»

Doch zuerst musste Dannecker, der aus einer Handwerkerfamilie stammt, eine Ausbildung machen. So wurde er Tapezierer und Dekorateur. Doch sein Wunsch, sich der Kunst zu widmen, blieb. Nachdem er etwas Geld gespart hatte, absolvierte er darum die Kunstgewerbeschule in Zürich. Danach reiste er in der Weltgeschichte herum. Irgendwo traf er dänische Kunststudenten, die ihm rieten, sich an der Kunstakademie in Kopenhagen zu bewerben. Der Adliswiler bekam ein Stipendium und lernte dort das Handwerk der Bildhauerei. Aus jener Zeit ist in der Ausstellung nun zum Beispiel eine Skulptur aus Gips zu sehen. Er habe die 25'000 Jahre alte Skulptur Venus von Willensdorf als Vorbild genommen, erklärt Dannecker.

Badewanne, Treppe, Korridor

Heute wohnt und arbeitet er in Zürich. Dass für seine aktuelle Ausstellung in der Galerie Kunst Zürich an seinen Geburtsort Adliswil zurückkehrt, freue ihn. Die Ausstellung ist in verschiedene Teile gegliedert. So sieht der Besucher im ersten Raum Werke aus Danneckers frühesten Schaffenszeit als Künstler. In einem anderen Raum zeigt er, wie er in seiner privaten Malschule während 45 Jahren unterrichtete.

Auffallend ist, dass sich Theo Dannecker mit seiner Kunst immer wieder dem Thema Krieg widmet. In all den Jahren habe er eine Entwicklung durchgemacht und sich gefragt, was er als Künstler zum Frieden beitragen könne. «Wie können wir Frieden schaffen?», fragt Dannecker. Seine Antwort: «Wir müssen lernen, uns selber und unsere Mitmenschen besser zu verstehen und voneinander lernen», sagt er.

Eine spezielle Geschichte erzählen die Bleistiftzeichnungen im hintersten Raum. Darauf zu sehen sind zum Beispiel eine Badewanne, viele verschiedene Rohre, ein Treppenhaus oder ein langer Gang. Die Bilder hängen nicht einfach in einem Bilderrahmen an der Wand. Sie sind in schwarzen Kästen mit einer Glasscheibe oben drauf.

Entstanden sind sie in Dublin, wo Dannecker mit einem Solex-Motorrad aus der Schweiz hingereist war. «Ich steckte in einer künstlerischen Krise, wusste einfach nicht mehr, was ich machen sollte», erinnert er sich. So fing er an, aus dem Bauch heraus zu zeichnen. Entstanden sind eben diese Bleistiftzeichnungen in den Kästen. Speziell daran ist, dass der Künstler erst einige Zeit später realisierte, dass all diese Zeichnungen Erinnerungen, Erlebnissen und Orten seiner Kindheit entspringen. Die Treppe und die Badewanne stammen beispielsweise aus seinem Elternhaus. Und der lange Korridor zeigt den Gang in einem Kinderspital, in dem Theo Dannecker als Neunjähriger war.

Dannecker, Picasso, Schiller

Ein weiterer Höhepunkt in seiner Ausstellung dürfte sein Bild mit dem Namen «Besuch im Atelier» sein. Darauf zu sehen sind der Künstler selber, wie er ein Bild malt, sowie viele andere Personen aus verschiedenen Zeitepochen. «Das sind alles Menschen, die mich künstlerisch beeindruckt und beeinflusst haben und die wie ich gegen Krieg waren», erklärt Dannecker. Zu sehen sind etwa der Chinese Menzius aus dem Jahr 300 vor Christus, der Künstler Pablo Picasso, der Dichter Friedrich Schiller, der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi oder die Künstlerin Käthe Kollwitz.

Den Weg seines langen künstlerischen Schaffens hat Theo Dannecker auch in einem Buch – respektive in drei Büchern – dokumentiert. Diese sind an der Ausstellung ebenfalls zu sehen und können gekauft werden.

Buchvernissage, heute, 18.30 Uhr, Eröffnungsrede und Erläuterungen zum Buch im Schulhaus Brugg. Ab 19.30 Uhr Ausstellungsvernissage, Galerie Kunst Zürich Süd, Zürichstrasse 1, Adliswil. Öffungszeiten: 4. bis 27. Oktober, donnerstags und freitags, 16-20 Uhr, samstags, 11-16 Uhr, Sonntag, 21. Oktober, 16-18 Uhr mit Apéro.

Erstellt: 03.10.2018, 15:13 Uhr

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