Bezirksgericht Horgen

Er kann das Betrügen einfach nicht lassen

Ein 59-Jähriger lebt in der Schweiz auf zu grossem Fuss. Seine Geldprobleme löst er mit Betrügereien. Seinem beachtlichen Strafregister hat er eine neue Verurteilung wegen Betrugs und versuchten Betrugs hinzugefügt. Er verspricht Läuterung.

Der «Hochstapler Nimmersatt» stand am Dienstag vor dem Richter in Horgen.

Der «Hochstapler Nimmersatt» stand am Dienstag vor dem Richter in Horgen. Bild: Keystone

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«Hochstapler Nimmersatt», der «frechste Hochstapler der Schweiz»: Der «Blick» fand in der Vergangenheit klare Worte, wenn es um den 59-jährigen Schweizer geht. Und tatsächlich scheint er noch nicht satt zu sein: Am Dienstag stand der Mann schon wieder vor Gericht – natürlich wegen Betrugs. In der Vergangenheit hatte er sich etwa als Milliardär ausgegeben, der einen 39-Millionen-Jet kaufen wollte.

Der Horgner Gerichtspräsident zählt mehrere Vorstrafen auf. Überrascht sagt er, dass der 59-Jährige seine Betrügereien teilweise startete, als er noch im Vollzug war. Eine Entschuldigung für seine Taten habe er nicht, gibt er zu. Er versucht zu erklären, wie es zu seiner kriminellen Karriere gekommen ist. Früh ist er nach Brasilien ausgewandert. Dort sei er nie kriminell geworden, betont der Mann. In der Schweiz schon. Er habe auf zu grossem Fuss gelebt. Mit seinen Betrügereien habe er seinen Lebensstil finanziert.

Zwei Jahre habe er in Brasilien im Gefängnis bleiben müssen, weil die Auslieferung in die Schweiz nicht geklappt hat, sagt er in Horgen. Diese Zeit habe ihn verändert. Er spricht von Folterungen durch das Wachpersonal, einer kriminellen Organisation hinter Gittern. In der Schweiz angekommen, kriegt er sein Leben nicht auf die Reihe. Es kam zu «zu vielen Verurteilungen wegen Blödsinn», wie es der Beschuldigte ausdrückt.

In Schwyz und Luzern wurde er schon zu Freiheitsstrafen verurteilt. In Horgen soll es nicht anders sein. Der Urteilsvorschlag sieht eine dreijährige Freiheitsstrafe vor. Darin einberechnet ist eine Reststrafe von fast zwei Jahren, die er nun noch absitzen soll.

Teure Autos erwünscht

Im Bezirk Horgen hat er eine Garage übers Ohr gehauen. Der Beschuldigte gab an, sich für teure Range Rover zu interessieren. Er sei Geschäftsmann und brauche für seine neue Firma drei Wagen. Für einen unterschrieb er den Kaufvertrag. Da die Lieferung eine Weile dauern sollte, verlangte der 59-Jährige einen Mietwagen. Standesgemäss einen Jaguar. Er fragte gar nach, ob er den Wagen kaufen könne.

Doch keine zehn Tage später tauschte er den Jaguar bei einer Garage im Zürcher Oberland gegen einen Mini und liess sich den Mehrwert von 15 000 Franken auszahlen. Möglich war das offenbar, weil ihm der Verkäufer einen Fahrzeugausweis auf seinen Namen ausgestellt hatte. Der Oberländer Garagist konnte also davon ausgehen, dass der Beschuldigte der Besitzer des Jaguars war.

Etwa zur gleichen Zeit versuchte der Hochstapler einen Mitarbeiter einer Zuger Immobilienfirma um den Finger zu wickeln. Er sei Geschäftsmann und habe Kontakte zu brasilianischen Investoren, die Hotelanlagen in der Schweiz und Liechtenstein kaufen wollten. Eine Masche, die er schon früher benutzt hatte. Es kam zu ernsthaften Gesprächen mit einem Hotelier. Der Mitarbeiter der Immobilienfirma zog aber die Reissleine, weil er ­herausfand, dass der angebliche Geschäftsmann auf einer schwarzen Liste der schweizerischen Vereinigung für Unternehmensfinanzierung steht.

Zurück nach Brasilien

Das Gericht erhebt den Vorschlag zum Urteil. Bei dieser Vorgeschichte müsse die Reststrafe abgesessen werden, meint der Gerichtspräsident. Der 59-Jährige will nach Verbüssung der Strafe den Schaden bei der Garage begleichen und zurück nach Brasilien gehen. Zahlen könne er schon, es warte ein Millionenerbe auf ihn. Damit habe er übrigens damals auch die bestellten Autos zahlen wollen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 08:55 Uhr

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