Adliswil

Er kam, sah und kommunizierte

Harald Huber blickt zurück: Während seiner knapp 12-jährigen Amtszeit als Stadtpräsident von Adliswil hat er die Kommunikation professionalisiert und wollte damit Vertrauen schaffen. Genau dieses war zu Beginn seiner Amtszeit ein grosses Problem.

Harald Huber freut sich auf mehr Freizeit, in der er wieder mehr Sport machen und auf Reisen gehen will.

Harald Huber freut sich auf mehr Freizeit, in der er wieder mehr Sport machen und auf Reisen gehen will. Bild: David Baer

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Geduldig posiert er auf der Bahnhofbrücke für das Zeitungsfoto. «Grüezi Herr Huber», grüssen ihn einige Adliswiler beim Vorbeigehen. Andere nicken ihm freundlich zu, deuten an, ihn zu erkennen. Und wieder andere bleiben an diesem Juni-Vormittag zum Plaudern einen Moment stehen. Denn sie kennen ihn persönlich, Harald, ihren langjährigen Stapi. «Alles Gute», wünschen sie ihm.

Elf Jahre und acht Monate war Harald Huber Stadtpräsident von Adliswil. Nun ist Schluss. Zu den Erneuerungswahlen im letzten Frühling ist der FDP-Mann nicht mehr angetreten. Huber tritt zurück und verabschiedet sich damit nach total 24 Jahren von der politischen Bühne in Adliswil. Nächste Woche übernimmt das Präsidium sein Nachfolger Farid Zeroual (CVP).

«Das ist mir gelungen»

Die Begegnungen, die Gespräche mit der Bevölkerung, das habe er immer geschätzt. So erzählt es Harald Huber nun nach dem Fototermin. In einem Büro im Stadthaus hält der 70-Jährige Rückschau auf seine Amtszeit. «Mir war immer wichtig, dass mich die Leute direkt ansprechen können, egal worum es ging.» Das schaffe Nähe zwischen Stadtregierung und Bevölkerung. Und sowieso: «Eine gute Kommunikation war eines meiner Hauptanliegen.»

So hat Huber beispielsweise den «Stadtbrief» ins Leben gerufen. Das mittlerweile vierseitige Informationsbulletin landet alle zwei Monate in den Adliswiler Haushalten und liefert News aus der Stadtverwaltung. «Der Stadtbrief ist etwas, das mir gelungen ist.» Von Stolz spricht Huber aber nicht. Das würde nicht zu ihm passen. Denn sich und seine Leistungen in den Vordergrund zu stellen, war und ist nicht sein Ding. Huber spricht lieber von «wir», vom Stadtrat als Team.

Seit dem 21. Oktober 2007 war er der Chef dieses Teams. Im zweiten Wahlgang hatte er sich durchgesetzt. Dem Stadtrat gehörte er damals erst wenige Monate an, nachdem er in stiller Wahl den Sitz von Thomas Heiniger (FDP) erhalten hatte. Heiniger seinerseits wurde in den Zürcher Regierungsrat gewählt.

Dringend nötige Kropfleerete

Als Harald Huber das Steuer übernahm, steckte Adliswil im Sumpf. «Die Lage ist ernst», warnte er damals das Parlament in seiner Antrittsrede. Die finanzielle Situation der Stadt erinnere ihn an das Adliswil der Dreissigerjahre, als die Stadt «am Rand des Ruins» stand. Zur misslichen Situation im Jahr 2007 kamen Spannungen zwischen den Politikern hinzu. «Der Stadtrat und der Gemeinderat schoben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu», erinnert sich Huber. Dass es so nicht weitergehen konnte, war für ihn klar.

In der Folge hat Huber mehrere runde Tische einberufen. Sie dienten als Kropfleerete. Stadträte, Gemeinderäte und Parteipräsidenten diskutierten zusammen, wie die Finanzmisere überwunden werden könnte. «Wir fanden dabei wieder näher zusammen. Das war entscheidend für die danach folgende konstruktive Zusammenarbeit», erinnert sich Harald Huber. Auch da sei das offene Kommunizieren wichtig gewesen für das Vertrauen. In diesem Fall für jenes zwischen den politischen Gremien.

Wichtig waren für Huber auch Grossprojekte, die die Stadt während seiner Amtszeit umgesetzt hat, wenn auch weitgehend abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit. Zum Beispiel die Einführung von Globalbudgets in allen Verwaltungseinheiten. Oder die Eingliederung der Schule in die Verwaltung. Das seien extrem lange Prozesse gewesen.

Hubers Kampf fürs Strassenfest

Andere grosse Adliswiler Projekte wurden während Hubers Regierungszeit rechtlich oder politisch ausgebremst: die Überbauung des Stadthausareals, die Stadthauserweiterung, die Entwicklung des Gebiets Dietlimoos-Moos. Auch der neue Bushof kommt später als gehofft zustande. Bei all diesen Projekten wird also nicht Harald Huber das Eröffnungsband durchschneiden können. Doch das störe ihn nicht. «Es kommt nicht darauf an, wer etwas einweiht. Wichtiger finde ich, dass man Ideen hat und diese auf den richtigen Weg bringt.»

Nicht auf den Weg, sondern – wortwörtlich – auf die Strasse gebracht hat Harald Huber das Albisstrassenfest im Stadtzentrum. Dass dieses seit der Einweihung der neuen Albisstrasse 2010 alle zwei Jahre durchgeführt werden kann, verlangte Hubers vollen Einsatz. «Alle Bewilligungen zu erhalten, benötigte einen langen behördlicher Kampf mit dem Kanton.»

An diesem und anderen Festen werden die Adliswiler ihren Ex-Stapi auch in Zukunft antreffen. Am gesellschaftlichen Leben werde er als neuer Präsident des Vereins Kulturschachtle ja sowieso weiterhin aktiv teilnehmen, sagt er. Beschäftigen wird ihn auch das Amt als Verwaltungsratspräsident der SZU weiterhin. Aber mehr Freizeit wird es auf alle Fälle geben. «Diese werde ich vor allem für mehr Sport, zum Beispiel Tennis und Squash, und für Reisen mit meiner Frau nutzen.» Wohin die Reisen gehen, ist noch offen. Klar ist: Posieren wird er künftig vor allem für Ferienfotos. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.06.2018, 14:44 Uhr

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