Elektromobilität

EKZ bezweifeln Notwendigkeit weiterer E-Tankstellen

Die Zahl der Elektroautos steigt. Entsprechend spriessen auch Ladestationen ins Feld. Im Kanton Zürich würde man erwarten, dass die EKZ dabei führend sind. Doch stattdessen drängen mehrere ausserkantonale Anbieter auf den Markt.

Ladestationen, wie hier in Adliswil, werden momentan durch die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke eingerichtet. Die EKZ halten sich hingegen zurück.

Ladestationen, wie hier in Adliswil, werden momentan durch die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke eingerichtet. Die EKZ halten sich hingegen zurück. Bild: Manuela Matt/Keystone

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In immer mehr Gemeinden am Zürichsee befinden sich Tankstellen für Elektroautos. Das scheint logisch, nimmt doch die Zahl der Elektroautos stetig zu. Anbieter sind Private, Gemeinden oder grosse Stromanbieter.

Auffällig ist, dass gerade im Kanton Zürich viele auswärtige Stromproduzenten um den Markt kämpfen. Mit easy4you (Alpiq), Move (Groupe E) und Evpass (SAK) haben sich die Stromanbieter in Wädenswil, Richterswil und Adliswil am linken Ufer breitgemacht. Im Bezirk Meilen stehen solche Ladestationen in Küsnacht, Zollikon, Stäfa und Oetwil. Keine einzige E-Tankstelle betreiben hingegen die lokalen EKZ in den Bezirken Meilen und Horgen.

Ganze Schweiz abdecken

Stark zugenommen haben zuletzt die Ladestationen der SAK. Sie haben im Sommer in Zusammenarbeit mit dem Hotel Ibis in Adliswil eine E-Tankstelle eingerichtet. Erst kürzlich haben die SAK im Parkhaus Opéra in Zürich mehrere Ladestationen eingerichtet. Weitere befinden sich seit längerem in Winterthur und Zürich. Kein Zufall, denn die SAK haben ein langfristiges Ziel: «Das Netz soll dereinst die ganze Schweiz abdecken», sagt Alexandra Asfour, Leiterin E-Mobilität. Bis 2019 sind allein in der Ostschweiz 230 Ladestationen geplant. Die Orte werden gemäss Asfour häufig in Zusammenarbeit mit Gemeinden ausgesucht. So sind in den letzten Jahren im Linthgebiet etliche Stationen entstanden, etwa in Weesen, Gommiswald oder Benken.

«Eine reine E-Tankstelle kann heute kaum rentabel betrieben werden.»Noël Graber, Mediensprecher EKZ

Ein weiteres Kriterium ist die Nachfrage. Nur wo Interesse der Parkplatzbesitzer bestehe, werde auch eine Station eingerichtet, erklärt Alexandra Asfour. Als feindliches Eindringen in fremdes Gebiet sehen die SAK die Stationen im Kanton Zürich nicht. «Wenn wir Stationen in fremden Versorgungsgebieten aufstellen, reichen wir beim entsprechenden Energieversorgungsunternehmen eine Installationsgenehmigung ein», stellt die Leiterin ­E-Mobilität klar.

Zu Hause aufladen

Angesichts der Expansionsstrategie der SAK erscheint die Reaktion der EKZ überraschend. Sie sehen zurzeit keinen Grund, so viele E-Tankstellen wie möglich einzurichten. «Man fährt mit einem E-Mobil immer weniger an einen spezifischen Ort – also eine Tankstelle –, um dort zu laden», sagt Mediensprecher Noël Graber. Vielmehr würden die Autos dort geladen, wo sie lange stehen. Das könne zu Hause sein oder im Büro. Es lohne sich also nicht, für Pendler Tankstellen einzurichten.

Doch auch die EKZ verfügen über mehrere E-Tankstellen. Diese liegen an Standorten, die vor allem für Langdistanzen genutzt werden, etwa an Autobahnraststätten. Dass die SAK und andere Unternehmen auf EKZ-Gebiet E-Tankstellen einrichten, scheint kein Problem zu sein. Der Bau unterliege dem freien Wettbewerb, sagt Mediensprecher Noël Graber.

Frage der Finanzierung

Beide Medienstellen geben an, dass sie sich stark mit dem Thema auseinandersetzen. Die Zürcher Elektrizitätswerke sehen aber ein finanzielles Problem. «Eine E-Tankstelle lässt sich heute kaum rentabel betreiben», meint Noël Graber. Die EKZ konzentrieren sich momentan auf ein anderes Produkt, den Lichtmast, der gleichzeitig eine Ladestation ist, den sogenannten Smart Tower. Ein solcher wurde kürzlich in Wädenswil eingerichtet.

Bei den SAK ist hingegen offensichtlich alles auf die Ladestationen ausgerichtet. Sie arbeiten eng mit Green Motion zusammen, einem Unternehmen aus Lausanne, das Ladesysteme für Elektrofahrzeuge konstruiert. Die Frage der Finanzierung beantworten die SAK mit einem Blick in die Zukunft. Sie gehen von einem «langfristigen Payback der Investitionen» aus. Soll heissen, dass das jetzt investierte Geld irgendwann wieder hereingeholt wird. Wann das sein wird, bleibt offen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.10.2017, 16:38 Uhr

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