Regionalwirtschaft

«Einkaufstourismus und Importe setzen den Markt unter Druck»

Die Kern & Sammet AG stösst in Wädenswil an ihre Grenzen. Der neue Geschäftsführer des Tiefkühlbackwaren- Spezialisten, Jörg Rickli, stellt eine baldige Weichenstellung über den zukünftigen Sitz der Firma in Aussicht.

«Können uns nicht nur am Faktor Preis messen»: Neuer Geschäftsführer der Kern & Sammet AG, Jörg Rickli, will Qualitätsanspruch hoch halten.

«Können uns nicht nur am Faktor Preis messen»: Neuer Geschäftsführer der Kern & Sammet AG, Jörg Rickli, will Qualitätsanspruch hoch halten. Bild: Michael Trost

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Jörg Rickli, Sie sind seit einem Monat neuer Geschäftsführer von Kern & Sammet: Welchen Eindruck haben Sie in dieser Zeit vom Unternehmen gewonnen?
Jörg Rickli: Da ich ja bereits zuvor in der Branche gearbeitet habe, brachte ich natürlich ein Aussenbild von der Kern & Sammet AG mit, als ich hierher kam. Das Bild hat sich bestätigt: Die Firma steht solid da, schreibt Gewinne, ist seit einiger Zeit stark im Wachtum begriffen und besitzt meiner Meinung nach viele Chancen am Markt, die es auszunützen gilt.

Wie soll die Wachstumskurve in Zukunft aussehen?
Wir verfolgen auch weiterhin ein organisches Wachstum, also aus eigener Kraft. Das Wachstum soll zudem stetig und gesund sein, ohne grosse Sprünge, aber mit einer leicht veränderten Kundenstruktur. Neu dazu kommt etwa der Online-Bereich.

Wie gut ist das Unternehmen im Markt positioniert?
Die Firma hat ein klares Profil geschaffen: Wir setzen — im Gegensatz zu unseren Ursprüngen, als teils auch noch Frischprodukte verkauft wurden — heute voll und ganz auf die Herstellung von Tiefkühlbackwaren. Wir gelten in der Branche als die kreative Alternative, mit zukunftsweisenden Innovationen. Wir sind mehr und mehr mit unserer eigener Marke unterwegs, vor allem im Konditoreibereich. Hier sind wir sehr gut positioniert, im Detailhandel, aber auch in der Gastronomie.

Heisst gut positioniert, das Wachstum auch in Zukunft selbstständig und unabhängig bestreiten zu können?
Dem ist so. Wir wollen uns auch in Zukunft als selbstständiges Familienunternehmen mit eigener Leistung behaupten. Bei uns wird es nie eine günstige Massenproduktion geben. In der Schweiz gibt es aber ohnehin nur einige wenige ganz Grosse, wie Coop oder die Migros. Dann kommt schon der KMU-Bereich, und da fühlen wir uns wohl.

Ist der Markt für Tiefkühlbackwaren in der Schweiz, auf den Sie ausgerichtet sind, überhaupt noch ein Wachstumsmarkt?
Nein, der Markt ist gesättigt. Die Produktionskapazitäten nehmen zu, es findet eine Verdrängung statt. Dazu hat auch der Einkaufstourismus zugenommen. Handkehrum ist der Import von Tiefkühlbackwaren ebenfalls gestiegen. Von daher ist der Markt tatsächlich unter Druck. Aber wir als Kern & Sammet sind in einer Nische zuhause, wir sind flexibel und bewegen uns mit einer hohen Geschwindigkeit am Markt. Neuerdings kommt für uns auch der «to go»-Bereich dazu, die Unterwegs-Konsumation. Wir können uns nicht ausschliesslich am Faktor Preis messen. Das ist nicht unsere Welt.

Worin lag für Sie der grösste Reiz, die anspruchsvolle Führungsaufgabe bei Kern & Sammert zu übernehmen?
Der Hauptgrund lag sicher im soliden Agieren der Firma. Kern & Sammet hat nicht nur ein klares Profil, sondern auch einen hohen Qualitätsanspruch. Da gibt es keine Kompromisse. Uns bieten sich Möglichkeiten, die viele unserer Konkurrenten nicht haben, indem wir unter unserem eigenen Label auftreten. Darüberhinaus können wir aber unsere Produkte auch unter den Eigenmarken unserer Kunden anbieten. In der Gastronomie etwa begegnet man unserem Firmennamen kaum. Zudem besteht bei unserer Belegschaft eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen. Die Personalfluktuation ist tief.

Wie lange werden Sie dem jetzigen Standort in Wädenswil noch die Treue halten?
Kurzfristig wird sich daran nichts ändern. Wir bekennen uns grundsätzlich zu unseren Lokalitäten in Wädenswil. Schliesslich sind wir hier auch ein wichtiger Arbeitgeber. Allerdings machen wir uns über unsere Zukunft schon auch Gedanken und prüfen Alternativen. Am jetzigen Standort stossen wir mit unseren Kapazitäten bald an unsere Grenzen.

Und was geschieht mittel- bis langfristig? Man hört immer wieder vom Umzug aufs Rütihof-Areal in Wädenswil...
Wir müssen uns allein schon aus strategischen Gründen bereits heute Gedanken über die nächste zeitliche Ebene hinaus machen. Eine Option besteht darin, hier an Ort und Stelle zu bleiben. Das würde entsprechend hohe Investitionen nach sich ziehen. Die andere Variante besteht darin, an einem neuen Ort einen Neubau zu realisieren. Meine Erfahrung, auch aus früheren Projekten heraus, zeigt, dass wir den Fächer öffnen müssen. Das Rütihof-Areal ist deshalb nur eine von mehreren Möglichkeiten.

Was sind die anderen Optionen?
Die sind — im Gegensatz zum Rütihof — nicht spruchreif. Deshalb kann ich noch nicht viel dazu sagen. Das Ziel ist, innert nützlicher Frist zu wissen, wohin uns die Reise führen wird.

Bis wann sollen hier Entscheidungen getroffen werden?
Die Pläne sollen innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre konkretisiert werden, damit wir mit einem zeitlichen Vorlauf handeln können. In dem Bereich entsteht schnell ein Zeithorizont von vier bis fünf Jahren bis zur Realisation.

Erstellt: 09.03.2017, 14:47 Uhr

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