Bezirksgericht Horgen

Eine verhängnisvolle Liebe zum Auto

Wegen eines Unfalls und einer Tempofahrt gerät ein Adliswiler mit dem Gesetz in Konflikt.

Mit neun Monaten Gefängnis bedingt kommt ein junger Sihltaler davon. Er war in Zürich mit 99 km/h unterwegs. Damit schrammt er knapp am Raserdelikt vorbei.

Mit neun Monaten Gefängnis bedingt kommt ein junger Sihltaler davon. Er war in Zürich mit 99 km/h unterwegs. Damit schrammt er knapp am Raserdelikt vorbei. Bild: Symbolbild/Keystone

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Sie wollten nur ein wenig mit den Autos herumalbern. Doch der nächtliche Schabernack auf dem Parkplatz des Wildnisparks resultierte in einer Kollision und drei Strafverfahren – zwei wegen Irreführung der Rechtspflege und eines wegen Versicherungsbetrugs. Einer der beiden Lenker, ein 19-Jähriger aus dem Sihltal, steht am Montag vor Gericht. Er und die Insassen des anderen Wagens kannten sich.

Nach der Kollision habe man gemeinsam beschlossen, den Schaden selber zu bezahlen. Die Kollegin sollte der Polizei sagen, ein Unbekannter sei am Unfall beteiligt gewesen. Vermutlich hat sie dann doch zugegeben, dass er der Verursacher der Kollision war, was ihm das Strafverfahren eingebrockt hat. Er selber hatte da den Schaden längst diskret reparieren lassen.

Wieso sie überhaupt auf die Idee gekommen seien, das Ganze zu verheimlichen, fragt der Richter. «Jemand hat mir gesagt, dass man den Lernfahrausweis nach zwei Unfällen verliert. Egal, ob man schuld ist oder nicht», sagt der Beschuldigte. Da er schon einmal unverschuldet verunfallt sei, habe er das nicht riskieren wollen. Schliesslich brauche er das Billett für seinen Job.

Beinahe ein Raser

Überhaupt fällt die grosse Liebe des jungen Mannes zum fahrbaren Untersatz auf. Sie hat ihm, mittlerweile im Besitz eines richtigen Fahrausweises, noch ein zweites Strafverfahren eingebrockt. In der Galerie der Wasserwerkstrasse in Zürich hatte er ordentlich Gas gegeben. Die Polizei mass 99 km/h in der 50er-Zone. Ein Stundenkilometer schneller und der 19-Jährige hätte als Raser gegolten. Dann wäre ihm der Ausweis nicht für sechs Monate entzogen worden, sondern mindestens für zwei Jahre.

Die Schnellfahrt ereignete sich um zwei Uhr morgens. Er sei mit seinem Lieblingswagen, einem Mercedes E-Klasse, gefahren, sagt der Beschuldigte. In der Galerie habe er hören wollen, wie der Motor so tönt, wenn man Gas gibt. Er sei halt jung. Der Wagen hat fast 600 PS, das sei sehr schnell gegangen mit dem Tempo. Wie er sich ein solches Auto leisten könne, das sei ja auch für ihn selber zu teuer, fragt der Richter. Es gehöre einer Kollegin, die habe es von der Arbeit gehabt, antwortet der junge Mann, der eine Lehre im handwerklichen Bereich abgeschlossen hat. Die Polizisten hätten ihm dann klargemacht, wie gefährlich sein Verhalten war.

Froh um blaues Auge

Heute sei er sicher, dass das nicht wieder vorkommen werde. Er nimmt auch am Lernprogramm Start teil, das risikobereiten Verkehrsteilnehmern die Gefahren aufzeigt. Die Taten versucht er gar nicht abzustreiten, er sei «recht froh», mit einem blauen Auge davonzukommen. Das blaue Auge sind neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Busse von 500 Franken, von der Staatsanwältin so gefordert und vom Gericht bestätigt.

Der Richter ermahnt den Beschuldigten am Ende noch mal eindringlich. Er soll die Strafe spüren. Das seien keine Kavaliersdelikte mehr. Für einen Ersttäter sei die Strafe eine grosse Hypothek. Und der 19-Jährige sei nur knapp an einer viel härteren Strafe vorbeigeschrammt. Ob er etwas gelernt hat, wird sich bald zeigen. Nächste Woche erhält er den Fahrausweis zurück. Ein Moment, auf den der 19-Jährige schon lange wartet. Die nächsten zwei Jahre muss er sich zurückhalten. Sonst droht der Gang ins Gefängnis – und der Abschied vom Billett.

Erstellt: 12.08.2019, 16:55 Uhr

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