Sihlwlad

Eine «Leiche» wirft sich in Pose

Die Proben für das Freilichttheater «Der Wolf im Sihlwald» nähern sich dem Endspurt. Der Sihlwald wird zum ­Tatort eines Mordes. Die Zuschauer sind live dabei, wenn ab dem 6. Juli drei Wölfe umgehen und ein Unwetter einen riesigen ­Felsbrocken an das Ufer der Sihl katapultiert.

Tatort Sihlufer: Das Freilichttheater im Wildnispark inszeniert erstmals ein Kriminalstück — inklusive einer Druidin und Wolfsmensch.

Tatort Sihlufer: Das Freilichttheater im Wildnispark inszeniert erstmals ein Kriminalstück — inklusive einer Druidin und Wolfsmensch. Bild: André Springer

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Flirrende Hitze liegt über dem Besucherzentrum Sihlwald, jeder Schritt sendet Schweissbäche über den Rücken, die Luft scheint zu stehen. Er aber zieht sicheinen Pelz über den Kopf und klettert ins Gebälk. Über den Köpfen der Schauspielcrew klettert, schnauft, heult er wie ein ­betrunkener Berserker.

Der Schauspieler unter dem Pelz ist nicht der einzige Wolf, der in den nächsten Wochen im Sihlwald sein Unwesen treibt. Deren Rollen im neuen Freilichttheaterstück sollen aber an dieser Stelle noch nicht erörtert werden, denn sie sind von entscheidender Bedeutung zur Auflösung des Mordfalls. Nur so viel: «Wahnsinnig heiss» sei es unter dem Wolfskostüm.

Dennoch sind sich die Crewmitglieder des Freilichttheaters einig: Für einmal unter freiem Himmel zu arbeiten, ist eine Wohltat. «Sonst sitzen wir in dunklen Kellern; hier aber mitten in der Natur», schwärmt David Hohl, Komponist der Hintergrundmusik.

Optische Signale einstudieren

Seit über sechs Wochen probt das Ensemble rund um Peter N. Steiner, Leiter des Turbine-Theaters und Hauptdarsteller im neuen Sihlwald-Krimi, schon im Naturschutzzentrum. Die Uraufführung rückt näher: Am 6. Juli feiert «Der Wolf im Sihlwald» Premiere. Der Zürcher Krimiautor Stephan Pörtner schrieb das Stück dem Sihlwald «auf den Leib».Ein Theater im Hier und Jetzt.

Eine besonders grosse Herausforderung ist für Regisseur René Schnoz die Aufteilung des Stücks auf zwei Flussseiten. Heute steht das Einstudieren der «optischen und akustischen Signale» über den Fluss hinweg auf dem Programm. «Wenn also die Druidin vom Pferd steigt, dann ist das ­euer Zeichen zum Einsatz», so klingt eine Regieanweisung, welche René Schnoz mit dem Megafon den Crewmitgliedern durchgibt.

Pferde, Feuer und Wölfe

Aber nicht nur ein Pferd trabt auf die Bühne. «Es wird ein visuell attraktives Stück: Ein Pferd, Wölfe und eine Feuershow sind zu sehen», sagt Schnoz. Vergleiche mit Karl’s kühne Gassenshow seien anzitiert worden – was er aber für etwas übertrieben halte.

Am Sihlufer ist seit wenigen Tagen ein riesiger Felsbrocken zu sichten. Obwohl aus Pappmaché, sieht er verblüffend echt aus. «Am meisten überrascht hat mich die inspirierende Wucht des Steins», sinniert Steiner mit Blick über die Sihl. Um den mysteriösen Felsblock, von einem Unwetter zutage gefördert, ereignet sich Suspektes – unter anderem ein Mord. Die Leiche liegt jetzt zu Beginn des Probennachmittags neben dem Stein im prallen Sonnenlicht, dahinter spazieren Besucher durch, jemand nähert sich dem Opfer barfuss.

Wer ist hier Statist, wer nur zufälliger Passant? Genau diese Frage ist intendiert. «Die Natur und das Schauspiel sollen sich möglichst authentisch mit­einander verbinden», schildert Schnoz seine Vision des Stücks. Auch während der Vorführungen sind die Waldwege bis auf wenige Minuten frei zugänglich.

Kunst und Natur in Einklang

Auch die Hintergrundmusik ist darauf ausgelegt, dies zu unterstreichen. David Hohl und Moritz Widrig äufneten vier Klangwelten: Jazzrhythmen zur Unter­malung der Kapriolen des Ex-Kommissars Henry Kummer, mystische Trommelwirbel und Suspense-Töne. Die Komponisten arbeiten zudem mit Naturklängen wie Vogelgezwitscher und Rauschen des Flusses, diesie vor Ort aufgenommen haben. Sie werden eingesetzt, um die Grenzen zwischen Fiktion und Natur noch mehr verschwimmen zu lassen. «Die Klänge intensi­vieren das surreale Zusammenspiel von Natur und Kunst», erklärt Hohl.

Derweil wechselt Steiner zwischen seinen Einsätzen als Hauptdarsteller die alten Plakate in den Rahmen aus. Gewellte, sonnengebleichte Artworks der letzten Aufführung vor einem Jahr weichen den frisch gedruckten Postern von «Der Wolf im Sihlwald». Noch folgt ein Wohnwagen und dann ist die Location bereit für die Besucher des Freilichttheaters.

Die Premiere von «Der Wolf im Sihlwald» findet am 6. Juli statt. 19 Vorstellungen finden bis am 30. Juli statt. Vorverkauf: www.turbinetheater.ch oder Tel.: 0900 441 441. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.06.2017, 16:34 Uhr

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