Richterswil

Eine Küche aus Rollatoren 

Beat Meier baut in seiner Freizeit Rollatoren zu Küchengeräten um. Die heissen dann beispielsweise Bierator, Kafiator oder Kochator. Seine Küche auf Rollen will er der Öffentlichkeit an einem Fest im Sommer vorstellen. 

Die vier Männer präsentieren den «Kafiator» und die restlichen Rollatoren-Hybride. Von links: Walter Fedrizzi, Fritz Kirchmeier, Beat Meier, Adolf Travnicek.

Die vier Männer präsentieren den «Kafiator» und die restlichen Rollatoren-Hybride. Von links: Walter Fedrizzi, Fritz Kirchmeier, Beat Meier, Adolf Travnicek. Bild: Sabine Rock

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Die einen sammeln Kaffeerahmdeckelchen, die anderen waten durch Moorlandschaften, um Vögel zu beobachten, und wieder andere rennen sich jeden Samstag die Lunge aus der Brust: Hobbys sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie ausführen. Und dennoch gibt es immer wieder Erstaunliches zu entdecken, wie beispielsweise die Freizeitbeschäftigung von Beat Meier aus Richterswil. Der 71-Jährige wandelt Rollatoren in Haushaltsgeräte um. Meier, ein rüstiger Mann, ist aber noch weit davon entfernt, auf eine Gehhilfe angewiesen zu sein. Wie also kam er zu diesem Hobby?

Begonnen habe das Ganze letzten Sommer, erzählt Beat Meier, der gemeinsam mit seiner Frau Rosita das Richtibistro führt. Eine Bekannte fragte ihn, ob er nicht jemanden kenne, der einen Rollator gebrauchen könnte. «Nachdem ich das Gerät mehrere Wochen mit einem «Zu verschenken»-Schild draussen stehen hatte und sich niemand meldete, überlegte ich, was ich damit anfangen könnte», so Meier. Da sei ihm das Foto eines Rollators in den Sinn gekommen, der zu einem Grill umgebaut worden war. Da Meier nicht einfach Bestehendes kopieren wollte, kam er auf die Idee, die herrenlose Gehhilfe zu einer fahrbaren Kaffeemaschine umzubauen. 

Gehhilfe mit Weinfass

Auf den ersten Blick ist der «Kafiator» gar nicht als Rollator auszumachen. Ein grosser roter Sonnenschirm ist über das schulterhohe Gefährt gespannt, darunter befindet sich eine vollautomatische Kaffeemaschine. Angebaut an diese sind zwei Schubladen für Löffel, Zucker und zusätzliche Pappbecher. Erst bei genauerem Hinschauen sind die beiden Handgriffe mit den Bremsen erkennbar, welche sich seitlich der Kaffeemaschine befinden und das Hantieren und Umherfahren mit dem Kaffeemobil ermöglichen. Strom bekommt die Maschine durch ein langes Kabel, das unten im Körbchen liegt. 

Nach demselben Schema sind auch die vier weiteren Rollatoren-Hybride aufgebaut: Ein «Kochator», mit eingebauter Herdplatte, ein «Bierator» mit Zapfhahn und kleinem Abstelltisch, der «Bain Marieator» verfügt über drei beheizbare Wasserbecken zum Warmhalten von Speisen. Die jüngste Kreation ist der «Weinator», bei dem Wein direkt vom Holzfass ausgeschenkt werden kann. 

Event mit Rollator-Fahrlehrer

Bei seinem Hobby wird Meier von zwei Freunden, Walter Fedrizzi und Adolf Travnicek, unterstützt. Die zwei pensionierten Schönenberger bezeichnen sich als Tüftler und haben hier im Stall ihres Bekannten Fritz Kirchmeier eine Werkstatt eingerichtet. Die Männer haben ihre Rollatoren-Küche schon an mehreren Anlässen getestet. Mit Erfolg: Bei den Passanten würden die ungewohnten Geräte auf grosses Interesse stossen. «Sie zücken ihr Telefon und fotografieren die Rollatoren», erzählt Meier.

«Mit unseren umgebauten Rollatoren wollen wir das Tabu brechen, das sie oft umgibt.»Beat Meier

Erst einmal sei es zu einer negativen Rückmeldung gekommen: «Jemand meinte, wir würden uns über das Gerät und seine Funktion lustig machen.» Diesen Vorwurf weist Meier aber entschieden zurück, im Gegenteil: «Mit unseren umgebauten Rollatoren wollen wir das Tabu brechen, das sie oft umgibt. Gerade unter Männern herrscht oft eine Scham, sich in der Öffentlichkeit mit der Gehhilfe zu zeigen.» Damit sich das ändert, veranstalten Meier und seine Freunde am 1. Juni ab zehn Uhr auf dem Wysshusplatz in Richterswil ein Rollatoren-Treffen. Gemeinsam mit einem Rollatoren-Fahrlehrer bieten sie den Besuchern einen Hindernisparcours und eine Service-Station. Für das kulinarische Angebot sorgt, wie sollte es anders sein, die Rollatoren-Beiz.

Zur Freude des Ehemannes 

Bis es so weit ist, sollen noch fünf weitere Rollatoren umgebaut werden. Einer davon, ein «Grillator», ist bereits in Arbeit. «Für unsere Projekte nehmen wir keine neuen Modelle, sondern kaufen sie aus zweiter Hand oder bekommen sie geschenkt», erzählt Meier. Auf diese Weise habe er schon spezielle Erfahrungen gemacht. Einmal erhielt Meier einen Anruf einer älteren Frau, die ihm den Rollator ihres verstorbenen Mannes vermachen wollte. Als sie ihn fragte, was er damit denn vorhabe, erzählte ihr Meier nach kurzem Zögern, dass er einen Bierhahn darauf montieren wolle. Was für eine schöne Idee, antwortete die Witwe, daran hätte ihr Mann Freude gehabt. 

Erstellt: 09.03.2019, 09:33 Uhr

Richterswil in neuer SRF-Serie

Beat Meier ist auch im TV zu sehen. Im neuen SRF-Format «Mini Schwiiz, Dini Schwiiz» präsentiert er «sein» Richterswil.

In der Sendung zeigen fünf Schweizerinnen und Schweizer ihr
Dorf oder ihr Stadtviertel. Der jeweilige Gastgeber muss den anderen Besuchern seinen Ort möglichst originell über die drei
Kategorien Freizeit, Tradition und Kulinarik vorstellen.

Beat Meier tritt mit Richterswil als einzige Seegemeinde gegen vier Ortschaften aus dem Zürcher Oberland an. Die Sendung wird nächsten Montag auf SRF 1 ausgestrahlt. Im Preisig-Kulturkeller findet ein öffentliches Public
Viewing statt. (ngr)

Public Viewing, Montag, 11. März,
Apéro ab 17.30 Uhr, Sendestart
18.15 Uhr. Preisig-Kulturkeller,
Dorfbachstrasse 9, Richterswil.

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