Wädenswil

Eine Dernière, die noch gar keine richtige war

Am Sonntag hat die Harmonie Wädenswil ihr Frühlingskonzert in der reformierten Kirche gegeben – zum letzten Mal unter der Leitung von Domenico Emanuele. Ganz verabschiedet hat sich der Dirigent indes noch nicht von seinen Musikern.

Domenico Emanuele gibt nach fast 20 Jahren den Dirigentenstock der Harmonie Wädenswil ab.

Domenico Emanuele gibt nach fast 20 Jahren den Dirigentenstock der Harmonie Wädenswil ab. Bild: Sabine Rock

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«Keine Trauerfeier» soll es geben, sagte Domenico Emanuele. Sonntagnachmittag kurz nach 16 Uhr war es da in der reformierten Kirche Wädenswil. In den nachfolgenden gut eineinhalb Stunden erfüllten indes immer wieder feierlich-getragene, ja gar wehmütige Melodien das Gotteshaus. Es waren dies Melodien, die die Harmonie Wädenswil anlässlich ihres Frühlingskonzerts vortrug.

Die Musiker spielten unter der Leitung von Emanuele – zum letzten Mal nach 17 Jahren undnach gut 100 Auftritten. Das Abschiednehmen erfolge zum besten Zeitpunkt, meinte der Dirigent in seinen einleitenden Worten vor Beginn des Konzerts: Dann nämlich, wenn das Zusammenwirken so gut sei, dass die Trennung ein bisschen wehtue. Und dennoch solle nun sein letztes Konzert in Wädenswil keine traurige Sache sein – eben keine Trauerfeier.

Persönliches Programm

So unterbrachen denn auch immer wieder beschwingte, fröhliche oder heroisch anmutende Passagen diejenigen Klänge, die eine ernste und ruhige Stimmung zum Ausdruck gaben. Auf rasante Weise geschah dies mitunter innerhalb ein und desselben Stückes, wie etwa in «Nuovo Cinema Paradiso», einem Filmmusiktitel, arrangiert nach Ennio Morricone: Die getragen-festliche Eröffnung unterstützte der Trommelwirbel, um dann, geradezu unvermittelt, in Lebhaftigkeit und Energie umzuschlagen. Das Wechselspiel wiederholte sich und gipfelte schliesslich in einem Finale mit Anklängen an die Zirkusmusik. Hierbei stellte das Orchester seine Agilität und musikalische Versiertheit unter Beweis.

Er habe, erklärte Emanuele, für das Abschiedskonzert ihm persönlich wichtige Stücke zusammengestellt. Morricones Werke – neben dem erwähnten war auch «L’arena» dabei – bildeten mit Michel Colombiers «Emmanuel» den Kern des Konzerts. «L’arena» gehörte zu der wehmütigen Sorte: Soli von Sopranino-Blockflöte und Trompete agierten in einem sehnsuchtsvollen Dialog mit dem Orchester und dem leisen, rhythmisch begleitenden Paukenschlag, der an Ravels Bolero erinnerte. Elena, die Tochter des Dirigenten, beeindruckte hierin mit ihrem Flötensolo, wie auch Beat Lattmann an der Trompete.

Grosses Spektrum

Bei «Emmanuel» liess es sich der Dirigent dann nicht nehmen, selber zur Trompete zu greifen. Mit der Violinistin Hanna Landolt und dem Pianisten Stefan Jimmy Muff entstand wiederum eine Interpretation mit feierlich-getragener Note, die im Spiel des Orchesters seine Antwort fand.

Die Offenheit der Programmgestaltung gegenüber Instrumenten ausserhalb des Blasmusikbereichs machte die Passion der Beteiligten für das Musizieren deutlich. So offenbarte sich im Gesamtblick über die neun vorgetragenen Werke eine breit abgestützte Virtuosität des Orchesters und seiner Gäste: Vom jazzigen «A Quarter Past Seven» des Wädenswiler Komponisten Silvio Veronesi bis zum «Marsch aller Märsche», dem Florentiner Marsch, reichte das Spektrum des Konzerts. Letztgenanntes Stück spielte die Harmonie als bejubelte Zugabe.

Zuvor fand die «Klezmer Fantasy» des Zürcher Komponisten Marcel Saurer grossen Anklang beim zahlreich erschienenen Publikum. Dieses Stück war denn auch eines, in dem voller Energie Lebensfreude zum Ausdruck kam. Hierbei trat Klarinettist Mario Anderegg als Solist hervor; ihm galten denn auch die Begeisterungsbezeugungen in besonderem Mass.

In einer kurzen Ansprache lobte Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) das Wirken Emanueles, die Zuschauer ihrerseits verabschiedeten sich mit frenetischem Applaus, der definitiv nichts mit einer Trauerfeier gemein hatte. Ein guter Abschluss sei das Konzert gewesen, die Emotionen habe er im Griff behalten können, sagte Emanuele am Ende. Dies vielleicht auch, weil er sich noch nicht ganz von der Harmonie verabschiedet hat: am Zürcher Sechseläuten wird er den Verein nochmals leiten – dann zum letzten Mal. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.03.2018, 14:51 Uhr

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