Thalwil

Eine Ausstellung vom historischen Porträt bis zum Selfie

«Tête-à-Tête» heisst die neue Ausstellung im Ortsmuseum Thalwil. Gezeigt werden historische Porträts und brandaktuelle Köpfe, die sich in der Gemeindepolitik engagieren. Rund 80 Personen kamen zur Vernissage am Mittwoch.

Kuratorin Brigitta Gabban gibt den Gästen an der Vernissage einen Einblick in die Entwicklung des Porträtierens im Laufe der Zeit.

Kuratorin Brigitta Gabban gibt den Gästen an der Vernissage einen Einblick in die Entwicklung des Porträtierens im Laufe der Zeit. Bild: Sabine Rock

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Der Thalwiler Peter Lüthy zeichnet in den Gemeindeversammlungen regelmässig Porträts von Politikerinnen und Politikern. Er fokussiert dabei auf das Typische und arbeitet die Wesensmerkmale der Personen heraus. Diese kleinen Werke brachten Brigitta Gabban und Christina Enderli-Fässler, die beiden Kuratorinnen des Ortsmuseums Thalwil, auf die Idee für die derzeitige Ausstellung «Tête-à-Tête».

Gerade jetzt vor den Wahlen flattern ja wieder viele Köpfe, Profile und Porträts in die Briefkästen, die sich dann drinnen in der guten Stube ein kunterbuntes Stelldichein geben. Die Ausstellungsmacherinnen wollten die Köpfe, welche die Welt oder zumindest das Dorf verändern wollen, einmal auf originelle Art zusammenbringen.

Historische undzeitgenössische Werke

Brigitta Gabban informierte zu Beginn der Vernissage vom Mittwochabend in ihrer kurzen Einführung in die Ausstellung über die Entwicklung der Personendarstellung: Die Porträtmalerei gibt es seit der Antike, wobei sie aber seit dem 17. Jahrhundert stark an Bedeutung gewonnen hat. Seit dem 19. Jahrhundert ergänzt die Porträtfotografie die Malerei. Noch nie wurden aber so viele Porträts gemacht wie in der heutigen Zeit: Millionen von Selfies werden tagtäglich geknipst und verschickt.

Das Ortsmuseum setzt laut Gabban bewusst sowohl auf historische wie auch auf zeitgenössische Werke in Malerei, Fotografie oder Skulptur. Unabdingbar sei weiter, dass die Künstler wie die Porträtierten alle einen Bezug zu Thalwil haben. Bei den Exponaten präsentiert sich alte Kunst problemlos neben neuen Werken. Eindrücklich sind die Bilder von Männern, Frauen und Kindern aus verschiedenen Schichten. Und – ohne die Genderdiskussion strapazieren zu wollen: Es fällt auf, dass noch vor wenigen Jahren bedeutend mehr Männer als Frauen porträtiert wurden.

LokalgeschichtlicheBedeutung

In der Ausstellung werden viele Porträts mit lokalgeschichtlicher Bedeutung aus dem Fundus des Museums gezeigt. Zu sehen sind überwiegend Industrielle und Fabrikanten aus der Textilindustrie, etwa die Herren Schwarzenbach, Weidmann oder Heer. Sie prägten Thalwil in ihrer Zeit. Es gab damals aber fast keine Porträts von Angestellten und Arbeitern. Weniger begüterte Personen hatten schlicht nicht die finanziellen Mittel, um sich porträtieren zu lassen.

Eine der wenigen Ausnahmen ist das Bild des Männerchors Gattikon, das im Treppenhaus im 1. Stock zu sehen ist: Gezeigt werden in einem Bild aus dem Jahr 1925 insgesamt 114 kleine Porträtbilder von sonntäglich herausgeputzten Vereinsmitgliedern, die handschriftlich mit Namen versehen sind. Dabei zählte Gattikon damals nur rund 600 Einwohner. Notabene: Heute sind es 2500 Einwohner, und 17 Mitglieder singen im Männerchor.

Eindrücklich ist weiter das Bild in Öl auf Karton aus dem Jahr 1934, das «Kegelbrüder des Kegelclubs Thalwils» zeigt. Fotograf Francesco Hässig und Brigitta Gabban steuerten zudem 22-jährige Werke bei, die im Rahmen des Events «KreuzKunstQuer» entstanden.

Künstler porträtierteVernissagegäste

An der Ausstellung geht es aber auch um die Gegenwart: Gezeigt werden ehemalige Gemeindepräsidenten, die letzte Gemeindepräsidentin sowie die «Köpfe», die bei den Erneuerungswahlen vom kommenden April gewählt werden möchten. Damit die Spiesse gleich lang bleiben, wird keine Parteizugehörigkeit genannt. Weiter wird ein Glücksrad zum ulkigen Wahlbarometer, und die Selfies machen ebenfalls Spass.

Schliesslich faszinierte Robert Honegger: Der Künstler und Gerichtszeichner aus Oberrieden skizzierte an der Vernissage Gäste in kurzer Zeit und wenigen Strichen. Auch dieses spezielle Tête-à-tête faszinierte das Publikum im Ortsmuseum in Thalwil. Ortsmuseum, Alte Landstrasse 100, Thalwil. Öffnungszeiten: Sonntag, 18. März, 25. März, 15. April, 22. April und 6. Mai, jeweils von 14 bis17 Uhr. Donnerstag, 12. April, 18 bis 21 Uhr (mit Nachtessen im Café International). Finissage: Sonntag, 13. Mai, 14 bis 17 Uhr. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2018, 17:13 Uhr

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