Wädenswil

Eine alte Lagerhalle schafft Platz für mehr soziale Arbeitsplätze

Das «Soziale Netz Bezirk Horgen» hilft Menschen in schwierigen Lebenssituationen, wieder Halt zu finden. In den letzten Jahren hatte der Verband so grossen Zulauf, dass er einen neuen Standort brauchte.

In der Aamüli wurden früher Fenster hergestellt. Seit kurzem arbeiten hier rund 30 Personen in der Holzproduktion.

In der Aamüli wurden früher Fenster hergestellt. Seit kurzem arbeiten hier rund 30 Personen in der Holzproduktion. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Grosse Baumstämme liegen vor der Lagerhalle in der Aamüli in Wädenswil oberhalb der Autobahn nahe der Horgner Grenze. Mitarbeitende des Zweckverbandes «Soziales Netz Bezirk Horgen» (SNH) grüssen, suchen ein Werkzeug und verschwinden wieder. In der Halle verläuft noch einiges improvisiert. Erstaunlich ist dies nicht. Denn das Netzwerk, das unter anderem Menschen in schwierigen Lebenssituationen bei der sozialen und beruflichen Integration hilft, ist erst vor kurzem in die Lagerhalle eingezogen. So sind die Betriebsabläufe am neuen Ort noch nicht ganz eingespielt.

Mit dem Einzug in die Aamüli hat das SNH, das im ganzen Bezirk Horgen aktiv ist, einen neuen Standort gefunden. Dieser wurde nötig, weil andere Arbeitsorte wie jenes in der Hinteren Rüti in Wädenswil oder auf dem alten Stäubli-Areal in Horgen ausgelastet sind. Die rund 30 Frauen und Männer arbeiten in der Aamüli vor allem in der Holzproduktion in den Arbeitsbereichen «Mobile Werkstatt» und «Garten» des SNH.

Steigende Anzahl Klienten

Dass sie in der Aamüli ein Arbeitsort fanden, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: Früher wurden in dieser Lagerhalle mit einfachem Standard Fenster hergestellt. Vor rund einem Jahr wurde die Produktion aber eingestellt. Das Haus stand leer. Es wurde zur Gewerbebrache. SNH-Geschäftsleiter und Horgner Gemeinderat Beat Nüesch sagt dazu: «Wir wurden sofort aktiv und bemühten uns, die vakante Liegenschaft anzumieten, da wir in der Hinteren Rüti in Wädenswil und im alten Stäubli-Areal in Horgen platzmässig an unsere Kapazitätsgrenze stiessen».

«Wir wurden sofort aktiv und bemühten uns, die vakante Liegenschaft anzumieten.»Beat Nüesch,
Geschäftsleiter SNH und FDP Gemeinderat

Der Grund für diesen Engpass ist die wachsende Anzahl an Teilnehmenden in den Programmen der beruflichen und sozialen Integration. Konkret: Im Jahr 2016 belegten 475 Teilnehmende die zur Verfügung stehenden 123 Jahresarbeitsplätze. Bis ins Jahr 2018 stieg die Zahl der Klienten auf fast 760, was einer Steigerung um annähernd 60 Prozent entspricht. Ihnen konnten 172 Arbeitsplätze angeboten werden. In den Zahlen sind die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aller Programme, also Gemeinde- und Kantonsprogramme, Programme der beruflichen und der sozialen Integration sowie Programme im Gruppen- und Einzeleinsatz enthalten. Die Zahl der Teilnehmenden steigt laut Nüesch aufgrund der Ausweitung der kantonalen Programme mit Zuweisungen durch das RAV weiter an.

Fokus auf dem Brennholz

Bei den Programmen wurde die Brennholzproduktion sowohl umsatz- wie mengenmässig erhöht. Diese ist aber ein stark saisonales Geschäft: Die Baumstämme werden aus der Region angeliefert, zersägt und zu meterlangen Spälten verkleinert. Anschliessend werden sie in grossen Beigen aufgeschichtet und bis zur vollständigen Trocknung während zwei bis drei Jahren gelagert. Der Zuschnitt, beziehungsweise die Spaltung in 25- und 33-er «Brennholzschittli» wird in trockenem Zustand ausgeführt. Die meiste Arbeit findet in den Wintermonaten statt, wenn in den Kundengärten und auf dem Beerenfeld in der Hinteren Rüti weniger Arbeiten anfallen.

Die Verarbeitung fand bisher in einer zugigen, ungeheizten Halle statt, was in Wintermonaten oft problematisch war. Auch der Platz für die Lagerung der Holzbeigen wurde in der Hinteren Rüti knapp. Durch die Verschiebung in die 1,3 Kilometer entfernte Aamüli sind diese Probleme nun gelöst.

Die neuen Gewerbe- und Lagerräume sind gross: Allein der Unterstand und das darüber liegende Lager weisen eine Fläche von rund 350 Quadratmetern auf. Dazu kommt die frei stehende ehemalige Fensterfabrik mit weiteren 800 Quadratmetern, die sich für verschiedene gewerbliche Nutzungen eignet. Laut Beat Nüesch sind am neuen Ort auch Synergien möglich. Er sagt: «Da die Teams der Arbeitsbereiche ‘Mobile Werkstatt’ und jene des ´Gartens´ jetzt am gleichen Ort arbeiten, können sie sich bei hohem Auftragsdruck gegenseitig aushelfen». Das werde die Abläufe optimieren. In der Aamüli seien auch Lagerkapazitäten für eine weiter ansteigende Produktion vorhanden.





Erstellt: 23.01.2020, 15:48 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!