Bezirksgericht Horgen

Showeinlage vor Polizei wurde ihm zum Verhängnis

Ein 23-jähriger Schweizer wird zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er floh mit seinem Töff vor der Polizei. Auf einem Computer wurden später Videos mit seinen Tempofahrten gefunden.

Auf dem Hinterrad fahrend passierte der Raser eine Polizeipatrouille. Ein Manöver, das für den 23-Jährigen gravierende Folgen hatte.

Auf dem Hinterrad fahrend passierte der Raser eine Polizeipatrouille. Ein Manöver, das für den 23-Jährigen gravierende Folgen hatte. Bild: Symbolbild/Keystone

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Mitten im Feierabendverkehr beschleunigt ein Motorradfahrer beim Bahnhof Horgen. Er fährt auf dem Hinterrad, ein sogenannter Wheelie, Richtung Zürich und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 85 Kilometern por Stunde. Eine Patrouille der Kantonspolizei verfolgt ihn. Der Töfffahrer bremst auf der Höhe des Grob-Areals brüsk und will wieder Richtung Zentrum fahren. Die Polizisten versuchen ihn zu stoppen und stellen das Auto in den Weg. Der 23-Jährige weicht aus und braust davon.

Dieses Manöver kommt den jungen Schweizer teuer zu stehen. Denn wenige Tage später steht die Polizei vor seiner Haustür. Sie macht einen brisanten Fund: Auf der Festplatte seines Computers sind diverse Filmchen gespeichert, auf denen der begeisterte Töfffahrer bei rasanten Fahrten zu sehen ist. Die Dateien tragen Namen wie «horgeberg ufe», «über seedamm» oder «bös all überhole». Mal filmte ein Kollege, mal trug der Fahrer eine GoPro-Kamera.

Nicht weniger als 38 Tempoüberschreitungen können dem jungen Mann so nachgewiesen werden. Auf 17 Fahrten ist es zu den Delikten gekommen, häufig in der näheren Umgebung von Horgen, aber auch in den Kantonen Zug und Schwyz. Die Limiten überschritt der 23-Jährige regelmässig um 30 bis 40 km/h. Zweimal war er gar mit über 100 innerorts unterwegs. Einen Teil der Fahrten hat er gemacht, obwohl ihm zu dem Zeitpunkt der Fahrausweis entzogen worden war, bei anderen war er ohne Fahrzeugausweis und Haftpflichtversicherung unterwegs.

Reue vor Gericht

Am Mittwoch stand der 23-Jährige vor dem Bezirksgericht Horgen. Sein Verteidiger hatte sich mit dem als «Raser-Jäger» bekannten Staatsanwalt Jürg Boll bereits auf einen Urteilsvorschlag geeinigt: Happige 18 Monate Freiheitsstrafe bedingt sowie eine ebenfalls bedingte Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 80 Franken. Eine Busse von 500 Franken soll er bezahlen.

«Ich bin froh, dass mir die Augen geöffnet wurden».Beschuldigter

Vor Gericht gab sich der sportliche junge Mann reuig. «Ich bin froh, dass mir die Augen geöffnet wurden», sagt er in Anspielung auf das Verfahren. So richtig erklären könne er sich nicht mehr, was ihn damals geritten hatte. Er sei unvernünftig gewesen, die Taten gefährlich. «Das war sehr dumm, man kann es nicht anders sagen», meint er rückblickend. Die Faszination für Motorräder hat er nicht verloren, er arbeitet in der Branche. Doch selber fahren, das liegt derzeit nicht drin. Den Fahrausweis hatte er zum Tatzeitpunkt nur auf Probe, danach wurde er annuliert. Das heisst, der 23-Jährige muss wieder bei null beginnnen, mit einem Lernfahrausweis.

Obwohl er diesen bereits wieder hätte anfordern können, hat er das nicht getan. Erst wolle er das Ende des Verfahrens abwarten. Der Gerichtsvorsitzende wies den Schweizer darauf hin, dass ihn auch ein verkehrspsychologisches Gutachten erwarte, bevor er wieder fahren kann. Der Vorsitzende sagte, das Gericht habe sich einen Teil der Fahrten angesehen. Es sei zu sehr gefährlichen Situationen gekommen, etwa mit Gegenverkehr. Heute sehe er das auch so, meint der Beschuldigte.

Hoffen auf solide Zukunft

In Zukunft will der 23-Jährige sich weiterbilden, einen guten Job finden, den Fahrausweis machen, alles sehr solide Wünsche. Von den damaligen Kollegen treffe er nur noch einen regelmässig. Dessen Namen will er dem Gericht nicht verraten, da er wohl bei den Videos mitgewirkt hat.

Das Gericht sieht den Urteilsvorschlag angesichts der gefährlichen Fahrten als angemessen an. Der Vorsitzende geht davon aus, dass die Strafe etwas bewirken wird. Zwei Jahre lang darf sich der junge Mann nichts erlauben. Den definitiven Fahrausweis wird er bis dann kaum in der Hand halten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.03.2018, 16:29 Uhr

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