Sportförderung

Schon Primarschüler fehlen für Sporttrainings im Unterricht

Sportförderung und Schulsystem unter einen Hut zu bringen ist extrem schwierig. Die Schulen haben unterschiedliche Rezepte.

Sporttalente werden etwa in Rapperswil-Jona an einer eigenen Sportschule gefördert.

Sporttalente werden etwa in Rapperswil-Jona an einer eigenen Sportschule gefördert. Bild: Patrick Gutenberg

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Wer Spitzensportler werden will, muss nicht nur Talent haben, sondern auch den nötigen Biss. Schule und Training unter einen Hut zu bringen, fordert gerade Jugendliche heraus.

Sportschulen sollen hier die nötigen Strukturen schaffen, um alles unter einen Hut zu bringen und Schule und Trainings optimal aufeinander abzustimmen. Die Stimmberechtigten der Oberstufenschulgemeinde Wädenswil müssen Ende November darüber befinden, ob sie eine solche Sportklasse mit 24 Plätzen gründen wollen. Mit dem Tischtennissport verfügt Wädenswil auch über ein Leistungszentrum, wo besonders viele Talente trainieren. Das haben auch andere Gemeinden am See – und dennoch ist in diesen Gemeinden keine Rede davon, gesonderte Sportklassen zu gründen. Warum?

 «Wir wollen nicht nur sportlich talentierte Schüler unterstützen, sondern auch jene, die über musische, mathematische, gestalterische, sprachliche, naturwissenschaftliche Talente verfügen.»Cordula Kaiss, Schulpräsidentin Meilen

In Meilen – wo viele Schwimmer und Unihockeyaner trainieren – sieht man die Talentförderung ganzheitlicher. Schulpräsidentin Cordula Kaiss (FDP) sagt: «Wir wollen nicht nur sportlich talentierte SchülerInnen unterstützen, sondern auch jene, die über musische, mathematische, gestalterische, sprachliche, naturwissenschaftliche Talente verfügen.» Auch Informatiktalente dürften nicht vergessen werden. Die Schule habe deshalb ein spezielles Konzept für Begabungsförderung entwickelt, das sich im Aufbau und in der Umsetzung befinde.

Angebote nebenan

Auch in Stäfa – unter anderem mit Trainingszentren für Segeln oder Orientierungslauf – war die Gründung von Sportklassen bisher kein Thema. «Im Sinne der Talentförderung kann auf Wunsch der Eltern Dispensation der Schülerinnen und Schüler von einigen wenigen Unterrichtslektionen vereinbart werden, damit Trainingseinheiten besucht werden können», sagt Schulpräsidentin Cristina Würsten (FDP). Dieselbe Regelung gelte auch für musikalische Talente. Stäfa benötige keine eigene Sportklasse, weil in der nächsten Umgebung gute Angebote zu finden seien. Konkret: die Kunst- und Sportschule Uster, jene in der Stadt Zürich und die Sportschule Rapperswil-Jona. Aus Stäfa besuchen derzeit sieben Schüler solche Angebote, deren Kosten die Gemeinde trägt. Zwölf Kinder aus Primar- und Sekundarstufe haben eine schulinterne Lösung. Ähnliche Zahlen meldet etwa auch die Schule Horgen.

Viele Zürcher Schüler

Im st.-gallischen Rapperswil-Jona stammt knapp jeder fünfte Schüler der Sportschule aus dem Kanton Zürich. Allerdings muss die Übernahme der Schulgelder in jedem Fall vom Kanton Zürich individuell bewilligt werden. Schulleiter Michael Brunner sagt denn auch: «Wenn die Kantonsgrenze nicht bestehen würde oder die Kostengutsprachen weniger restriktiv gehandhabt würden, könnte die Sportschule Rapperswil-Jona sicher einen guten Teil des Bedarfs am linken und rechten Zürichseeufer abdecken.» Die Sportschule in der Rosenstadt springt vor allem dann in die Bresche, wenn in Uster keine Plätze mehr frei sind.

«Wenn die Kostengutsprachen weniger restriktiv gehandhabt würden, könnte die Sportschule sicher einen guten Teil des Bedarfs am linken und rechten Zürichseeufer abdecken.»Michael Brunner, Schulleiter Sportschule Rapperswil-Jona

Sascha Korner Schoch, Zürcher Nachwuchsförderungsbeauftragte des kantonalen Sportamts, bestätigt, dass die bestehenden Schulplätze im Kanton Zürich nicht immer für alle Talente reichen würden. Umso mehr sei man froh, dass Wädenswil Interesse an einer Sporttalentklasse für Schüler aus dem ganzen Kanton Zürich angemeldet habe. Bisher kannte die Oberstufe Wädenswil nur einen schulinternen Sportstatus, der etwa Dispensationen erleichterte. Mit der Gründung einer Sportklasse könnte Wädenswil zwar externe Schüler aufnehmen und damit auch zusätzliche Schulgelder einnehmen, dafür würden auch die Regeln strenger, wie Korner Schoch deutlich macht: «Damit ein Schüler eine anerkannte Sportschule besuchen kann, muss er sich auf der für sein Alter höchstmöglichen Kaderstufe befinden und mehr als zehn Stunden pro Woche trainieren.» Dieser Athletenweg sei je nach Sportart unterschiedlich.

Trainieren in der Primar

Ein Blick auf die Trainingsstunden von Nachwuchssportlern macht die Unterschiede deutlich: Während etwa Kunstturner bereits mit zwölf Jahren mehr als zwanzig Stunden pro Woche trainieren, um an die Spitze zu gelangen, überschreiten Leichtathletik-Talente normalerweise erst im Alter von 15 Jahren überhaupt die magische Marke von zehn Trainingsstunden pro Woche.

Leichtathleten besuchen selten eine Sportklasse, weil sie erst im Teenager-Alter besonders viel trainieren. Symbolfoto: Leo Wyden

Wenn Schüler an der Schwelle von der Primarstufe in die Oberstufe stehen, sind einige schon sehr weit auf dem Karriereweg, andere haben noch Jahre vor sich, bis sie sich auf nationalem Terrain bewegen – für beide braucht es aber Fördermassnahmen. Dora Murer, Schulpräsidentin in Langnau (parteilos), illustriert das an einem Beispiel. Ihre Schule habe in den letzten Jahren zwei bis drei spezielle Sportdispensen im Bereich Synchronschwimmen und Eiskunstlauf ausgesprochen – auf Primarstufe. Und die Horgner Schulpräsidentin Carla Loretz (parteilos) ergänzt dazu: «Bei diesen Fällen braucht es eine hohe Flexibilität in der Stundenplanerleichterung und bei der Aufarbeitung des verpassten Schulstoffs.»

Jede Sportart ist individuell

Michael Brunner, Schulleiter der Sportschule Rapperswil-Jona, betont, man dürfe nicht einfach Schul- und Trainingszeiten zusammenzählen, um die Notwendigkeit einer Sportschule auf Sekundarschulniveau zu bewerten: «Auch wenn das Trainingspensum allenfalls mit einer Regelklassenlösung zeitlich zu bewältigen wäre, fehlt diesen Sportlerinnen und Sportlern meistens die in diesem Alter noch dringender benötigte Regenerationszeit.»

Allerdings: Eine Sportschule ist noch keine Erfolgsgarantie. Sascha Korner Schoch sagt, es sei im Kindes- oder Teenageralter extrem schwierig, eine Prognose zu stellen, wer tatsächlich zum Spitzenathlet oder gar Medaillengewinner werde. Klare Kriterien für die Aufnahme an eine Sportschule schaffen immerhin die Grundlage, wann ein Talent tatsächlich als Talent einzustufen ist.

Erstellt: 30.10.2019, 17:46 Uhr

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