Horgen

Ein Springer zwischen zwei Welten

Roger Federer, Bryan Adams, Bill Clinton: Sie alle standen bereits vor der Linse des Horgners André Springer. Angefangen hat die Karriere des Fotografen vor vierzig Jahren mit einem Bild in der Zürichsee-Zeitung.

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Rund 20 junge Männer in Sportklamotten. Einige ein leicht gezwungenes Lächeln im Gesicht. Das Bild des Handballclubs Horgen, dass 1979 im Anzeiger des Bezirks Horgen – dem Vorgänger der Zürichsee-Zeitung – erschien, bleibt kaum in Erinnerung. Für den Horgner Fotografen André Springer stellt es jedoch den Beginn einer internationalen Karriere dar. Denn seine Arbeit überzeugte Theodor Studer, den damaligen Besitzer der Zeitung, vor allem aufgrund der hohen Qualität so sehr, dass er Springer danach ständig Aufträge gab und es ihm ermöglichte, als Fotograf Fuss zu fassen.

Dank einer Ausbildung als Pressefotograf bei der Foto- und Nachrichtenagentur United Press International (UPI) – damals eine der weltweit grössten Nachrichtenagenturen mit einer Bildredaktion in Zürich – blieb es nicht lange bei den Fotografien lokaler Vereine. Klingende Namen wie Roger Federer, Tina Turner oder Nicolas Sarkozy hat André Springer bereits mit seiner Kamera abgelichtet. Vier Mal war er mit den Rolling Stones auf Tournee, besitzt einen Backstage-Pass der ihn bis vor die Garderobe von Mick Jagger bringt. Mit mehreren Schweizer Promis und Politikern ist er auf Du und Du.

Immer nahe am Geschehen

Bereits als Jugendlicher war André Springer, der mit seiner Frau und zwei erwachsenen Kindern in Horgen lebt, fasziniert von den Möglichkeiten, durch Bilder eine Geschichte zu erzählen. In seiner Freizeit verschlang er alle Literatur, die er über Fotografie finden konnte. Seine Yashica - die erste Kamera in seinem Besitz - kam an jede Party mit. Sigi Maurer, Viktor Dammann und Paolo Foschini, drei Pressefotografen aus der Region und bekannte aus seinem Freundeskreis, öffneten ihm die Türe zur Pressefotografie. Obwohl sein Vater anfangs Zweifel hatte, dass man mit Fotografie seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte und er erst eine KV-Lehre abschloss, wagte André Springer bereits 1984 den Schritt in die Selbstständigkeit. «Es war ein Risiko, doch es hat sich gelohnt», sagt er.

«Bis auf einige Ausnahmen zähle ich die Promis nicht zu meinen Freunden.»André Springer, Fotograf

Erstmals in Kontakt mit bekannten Persönlichkeiten kam er während seiner Ausbildung in der UPI. «Dort wurde ich ins kalte Wasser geworfen». Nervös sei er nie gewesen, wenn er Bekanntheiten wie Bill Clinton ablichten musste. «Ich war ja jeweils sehr gut vorbereitet.» Für ihn sei das Ganze bloss ein Job. «Bis auf ein paar wenige Ausnahmen zähle ich die Promis nicht zu meinen Freunden. Sagt Keith Richards mir etwa, es sei schön mich wieder zu sehen, muss man das relativieren.»

Den Umgang mit den Weltstars bezeichnet Springer als sehr angenehm. Probleme gegeben habe es höchstens mit jungen Musikern, die sich nicht zu benehmen wussten, arrogant auftraten und Abmachungen nicht einhielten. «Da ich aber immer im Auftrag einer Zeitung oder Agentur handelte und nicht versuchte, die Bilder im Nachhinein zu verkaufen, ging ich gelassen an die Sache heran», sagt Springer, der selbst musikalisch tätig ist und als Pianist in mehreren Formationen auftritt. «Wenn jemand sich daneben benimmt, kann ich die Übung auch abbrechen.»

Bilder aus der Vergangenheit

Obwohl André Springer heute mehr in der Werbung und der politischen PR tätig ist, ist er der ZSZ treu geblieben. «Es ist die Demut vor dem Beruf, die mich dazu bringt, am Sonntag nach der Tournee mit den Rolling Stones aufzustehen, um den Fussballmatch zwischen Wädenswil und Horgen auf der Waldegg zu fotografieren», sagt Springer. Vor 40 Jahren habe er noch keinen Kontakt zu den grossen Namen gehabt und sein Geld damit verdient, Drittligisten zu fotografieren.

Dass er diese Arbeit immer noch mache, halte ihn auf dem Boden. «Ausserdem wird man selten so herzlich empfangen wie etwa auf einem Fussballplatz oder bei einem Jodlerchränzli. Die Wertschätzung ist enorm», sagt der 60-jährige Fotograf. Für ihn habe jedes Motiv denselben Stellenwert. «Mein Anspruch ist es, das beste Bild in der jeweiligen Situation zu schiessen.» Ausserdem sei der Bezirk Horgen seine Heimat, hier sei er verankert. «Es gibt kaum einen Anlass, bei dem ich nicht mindestens eine handvoll Leute kenne», sagt er. Stimme die Gesellschaft, sei er durchaus einer, der auch mal etwas länger Sitzen bleibe – etwa auf den Festbänken an der Viehschau.

Die Arbeit als Pressefotograf ist jedoch nicht immer so glanzvoll und gesellig. Noch heute kann sich André Springer etwa genau an den Flugzeugabsturz im Hirzel im Jahr 1982 erinnern, bei dem zwei Leute ums Leben kamen. Und jedes Mal, wenn er die Sihltalstrasse entlangfährt, verfolgen ihn Bilder aus der Vergangenheit. «Mein fotografisches Gedächtnis führt dazu, dass ich an jeder Kurve das Bild des Unfalls sehe, welcher da geschehen ist.» Obwohl ihm die Kamera eine gewisse Distanz gebe, seien die Bilder der Opfer etwas, was ihn nicht mehr loslasse.

Der technologische Wandel

Auch sonst war das Leben als freischaffender Fotograf gerade in den Anfangszeiten nicht immer einfach für André Springer. «Ich bin jedem Auftrag nachgerannt und habe auf bescheidenem Fuss gelebt.» Da er keine familiären Verpflichtungen hatte und noch bei seinen Eltern lebte, konnte er sich aber über Wasser halten. Dadurch, dass er als einer der ersten Fotografen konsequent auf Digitalfotografie setzte, konnte er sich zudem aus der Masse an Fotografen abheben. Obwohl es immer schwerer werde, sich allein durch technisches Wissen von anderen Fotografen abzugrenzen. «Mittlerweile sind Handy-Bilder von so hoher Qualität, dass sie schwer von Kamera-Fotografien zu unterscheiden sind.»

Durch die Flut an ästhetischen Fotografien, welche täglich auf den sozialen Medien publiziert werden, fühlt er sich jedoch nicht unter Druck gesetzt. Im Gegenteil. «Es freut mich, dass immer mehr Leute Fotos schiessen.» Als Konkurrenz zu seiner Arbeit sieht er diese Fotografien nicht an. «Denn wenn man genau hinschaut, herrscht eine gewisse Einförmigkeit auf diesen Plattformen. Ich weiss nicht, wie viele Sonnenuntergänge ich täglich sehe.» Was seine Arbeit auszeichne, sei nicht die Fähigkeit, gute Fotografien zu schiessen, sondern solche, die in Erinnerung blieben. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 15:13 Uhr

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