Unwetter

Ein schwieriges Jahr für die Wälder am Zürichsee

Rund um den Zürich­see hat der Sturm Burglind­ vor einem Jahr beson­ders starke Spuren hinter­lassen. Insbesondere die Wälder der Region wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Sturmholz lässt sich wegen­ der grossen Mengen nur schwer verkaufen.

Das Rüeschliker Kopfholz-Wäldchen hatte dem Sturm Burglind wenig entgegenzusetzen.

Das Rüeschliker Kopfholz-Wäldchen hatte dem Sturm Burglind wenig entgegenzusetzen. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nicht in Franken, sondern in Kubikmetern lässt sich der Schaden in den Wäldern der Region beziffern, nun da die Aufräumarbeiten grösstenteils abgeschlossen sind. Aus dem Forst­re­vier Pfannenstil-Süd, das Meilen, Ueti­kon, Männe­dorf, Stäfa und Oetwil umfasst, wurden gemäss Förster Alexander Sing­eisen bis jetzt gut 250 Lastwägen Mate­rial abtransportiert.

Insgesamt hat Burglind in Singeisens Revier unge­fähr so viele Bäume zerstört, wie er sonst in einem Jahr schlägt. Es handelt sich zumeist um soge­nannte Streuschäden, das heisst, es gab wenige grossflächige Schäden. «Aber es summiert sich brutal», sagt Sing­eisen.

Gutes Umfeld für Schädlinge

In Küsnacht präsentiert sich die Lage laut Förster Manuel Peter­hans ähnlich: Der Sturm habe vor allem­ Streuschäden verursacht, die sich insgesamt auf das ein­einhalbfache der Jahresnutzung beliefen. «Als Spaziergänger bemerkt man die Schäden aber nach dem Aufräumen nicht mehr.»

Bevor die Sturmschäden komplett beseitigt werden konnten, nistete sich der Borkenkäfer in den abgebrochenen Bäumen ein. Begünstigt wurde die Ausbreitung auch durch den heissen, trocke­nen Sommer. Die befallenen Bäume mussten sofort gefällt werden.

Im Forstrevier Adliswil, Kilchberg und Rüschlikon hat der Borkenkäfer sicher 400 Kubikmeter Holz vernichtet, schätzt Förster Da­mian Wyrsch. Dies zusätzlich zu den 800 Kubikmetern, die der Sturm zerstört hat. Insgesamt ging 2018 die dreifache Menge der normalen Jahresnutzung verloren.

Da Stürme und Schäd­linge auch in Nachbarländern wie Italien am Werk waren, sind grosse Mengen Holz auf dem Markt. Die Förster können ihr Holz kaum verkaufen, oder nur zu tiefen Preisen. «Die Säge­reien wollen frisches Holz», erklärt Förster Rudolf Fluri aus Horgen. Doch die Bäume würden häufig länger liegen bleiben oder sich aufgrund des Käferbefalls verfärben. Daher müsse man sich fragen, ob man das Holz nicht gleich zu Häck­sel für die Energiegewinnung verarbeiten wolle.

In der Gemeinde Küsnacht wird das Energieholz teilweise für den Eigengebrauch genutzt. Die Bettlensiedlung heize mit Holz, sagt Ma­nuel Peter­hans. «Aber dieses Jahr haben wir zu viel Holz und müssen daher weiter verkaufen.» Der Verkauf jedoch laufe harzig. Der Adliswiler Förster Da­mian Wyrsch ist froh, dass er sein Energieholz dank län­ger­laufenden Abnahme­ver­trä­gen ver­kaufen kann.

Natürliches Wachstum

In den nächsten Jahren wird in den Wäldern rund um den Zürich­see nur das Nötigste gefällt. In Hombrechtikon etwa wird Förster Nils Schönenberger nur dort fällen, wo der Sturm keine­ Schäden verursacht hat.

Für die Aufforstung ihrer Wälder setzten die Förster vor ­allem auf Naturverjüngung. Natürlich gewach­sene Bäume seien widerstandsfähiger. Zudem kosten das Pflanzen und die Pflege der Setzlinge einiges. Dennoch kommt es vereinzelt vor. Die Förster nutzten die Gelegenheit, um neue Baum­arten anzupflanzen. In Hor­gen zum Beispiel setzt Rudolf Fluri unter anderem Eichen und Lärchen aus. Die Spuren dieses Jahres werden jedoch in den Wäldern der Region noch lange zu sehen sein.

Erstellt: 02.01.2019, 12:35 Uhr

Artikel zum Thema

Burglind verursachte Millionenschäden am Zürichsee

Schadenbilanz Der Wintersturm Burglind zog eine Schneise der Verwüstung durch den südlichen Kantonsteil. In den Bezirken Meilen und Horgen entstanden allein an Gebäuden Schäden von je über zwei Millionen Franken. Mehr...

Kanton verspricht Unterstützung für Sturmschäden

Sturmschäden Die Förster kämpfen immer noch mit seinen Folgen: Die Wälder in der Region haben sich immer noch nicht ganz von den Schäden des Sturms Burglind erholt. Nun bietet der Kanton Unterstützung. Mehr...

Meilen verliert ein Wahrzeichen

Meilen Den Sturm Burglind haben sie noch knapp überlebt, nun aber kommt die Kettensäge: Die markanten Pappeln am Meilemer Seeufer müssen nach gut 90 Jahren gefällt werden, weil sie krank sind. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!