Richterswil

Ein Richterswiler Urgestein tritt ab

Hans Jörg Huber räumt nach zwölf Jahren im Gemeinderat, davon acht als Gemeindepräsident, das politische Feld. Im Gespräch mit der ZSZ erzählt er, wie er eher zufällig zum Politiker und durch einen Bluff zum Triathlet wurde, und warum er als Kind ganz unverhofft zu einem Pony kam.

Hans Jörg Huber hat Richterswil in den letzten Jahrzehnten mit seinem Schaffen geprägt.

Hans Jörg Huber hat Richterswil in den letzten Jahrzehnten mit seinem Schaffen geprägt. Bild: Michael Trost

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Hans Jörg Huber (FDP) ist ein Tausendsassa. Engagiert an allen Ecken und Enden des Dorfes – beruflich, privat, politisch. Seit jeher. Er ist in Richterswil geboren und aufgewachsen. Also eigentlich auf dem Berg. In Samstagern. Und dort lebt Hans Jörg Huber mit seiner Familie heute noch. In den letzten acht Jahren hat er sich jedoch als Gemeindepräsident um die Belange des ganzen Dorfes gekümmert. Davor war er bereits vier Jahre im Gemeinderat.

Doch nun ist für den 54-jährigen vierfachen Familienvater die Zeit gekommen, das politische Feld zu räumen. Er stellte sich für die kommende Legislatur nicht mehr zur Wahl. Er wolle seine Unternehmung weiter vorantreiben und sich mehr auf die Familie konzentrieren. Hans Jörg Huber hat Richterswil in den letzten Jahrzehnten mit seinem Schaffen geprägt.

Selbstständigkeit nicht genug

Im Dorf hat sich Hans Jörg Huber längstens den Namen «Kanal-Huber» gesichert. Leicht zurückzuführen auf seine Rohr- und Kanalreinigungsfirma. Die er mit 27 Jahren, nach einer KV-Lehre auf der Bank, von seinem Vater übernahm. Seine beiden Schwestern wollten mit dem elterlichen Betrieb wenig zu tun haben.

Doch die Selbstständigkeit war Hans Jörg Huber nie genug. Während seiner Zeit als Gemeindepräsident war ihm eine 6½-Tage-Woche sicher. «Ich mag es, Dinge zu organisieren und letzten Endes zu verbessern», sagt Huber, gefragt nach der Motivation seines politischen Tuns. «Ich war nie eine Einzelmaske und mir ging es immer darum, Ziele miteinander im Team zu erreichen.»

«Mir ging es immer darum, Ziele miteinander im Team zu erreichen.»

Hans Jörg Huber

Huber mag in den letzten acht Jahren viel erreicht haben, ging jedoch auch durch stürmische Zeiten. In der Retrospektive stuft er die historische Gemeindeversammlung vom November 2015 als den Tiefpunkt seiner politischen Karriere ein.

Damals wollte der Gemeinderat den Steuerfuss um 9 Prozentpunkte erhöhen. Doch da hatte er die Rechnung nicht mit den 920 anwesenden Stimmbürgern gemacht. Denn die Richterswiler schmetterten das Budget 2016 ab und stimmten einem Rückweisungsantrag zu. «Das ist der schlimmste Fall, der heute Abend eintreffen konnte», sagte damals ein erschütterter Gemeindepräsident gegenüber dieser Zeitung.

Danach musste die Gemeinde während dreier Monate mit einem Notbudget über die Runden kommen. Dass der Gemeinderat damals Fehler machte, räumt Huber heute ein: «Wir hatten die Situation komplett falsch eingeschätzt.» Der Gemeinderat hatte einfach die Zahlen aller anstehenden Projekte wie die Remise oder die Gartenstrasse zusammengezählt – und dann auf eine Diskussion gehofft. «Das war natürlich falsch.»

Höhepunkte in Sicht

Doch auf Regen folgt Sonnenschein. Hans Jörg Huber beschreibt die darauffolgende Gemeindeversammlung im März 2016 dafür als einen seiner Höhepunkte als Gemeindepräsident. Nachdem sich der Gemeinderat nämlich noch einmal konsequent mit dem Rotstift hinter das Budget gemacht hatte, nahmen die Richterswiler den revidierten Voranschlag mitsamt Steuerfuss an. «Danach brach eine konstruktive Phase im Dorf an», erinnert sich Huber. Die Richterswiler seien auf einmal alle sehr offen und gesprächsbereit gewesen.

Ebenfalls gerne blickt Hans Jörg Huber auf die 750-Jahr-Feier der Gemeinde zurück. «Das war eine grosse Kiste – aber auch eine Herausforderung.» Denn sie hätten für die Organisation ganz viele «Alphatierchen» aus den unterschiedlichsten Vereinen an einen Tisch bringen müssen. Die Feier selber beschreibt er für sich als «ein Bad in der Menge bei strahlendem Sonnenschein».

Fernsehen bei Taveris

Eigentlich war es nie Hans Jörg Hubers Ziel, einst die Gemeinde zu präsidieren. Und auch wenn er ein sehr guter Schüler war, «so war ich in meiner Kindheit weder Redensführer noch Mitläufer». Viel lieber tummelte sich Klein Hans Jörg in seiner Freizeit auf Nachbars Bauernhof und dessen Traktor. «Dabei war ich selig.»

Eigene Tiere hatten die Hubers auch: «Ich bin mit Katze, Hund und Pony aufgewachsen.» Letzteres hatte sein Gotti bei einem Wettbewerb gewonnen. «Mein Vater hat es ihr dann abgekauft – und das Pony blieb bei uns.» Er sei als Kind immer draussen gewesen. «Denn einen Fernseher hatten wir damals noch nicht», sagt er. Doch: «Die Taveris und der Säuli-Huber hatten einen.» Sein allererster Film, den er in seiner Kindheit gesehen habe, war so- dann in Taveris Stube: «‹Tarzan› mit Johnny Weissmüller.»

«Wir hatten die Situation damals komplett falsch eingeschätzt.»

Hans Jörg Huber

Umtriebig war Hans Jörg Huber jedoch nicht nur als Politiker, sondern schon in seiner Jugend. Mit 17 Jahren tummelte er sich bereits im Vorstand der Skiriege. Er war leidenschaftlicher Turner und Mehrkämpfer. Zwischen 25 und 31 Jahren präsidierte er den Turnverein Samstagern. Zudem war er Mitbegründer der Interessengemeinschaft der Richterswiler Sportvereine (IRS). «Ich glaube, das war auch die Zeit, in der ich politisiert wurde.»

Denn damals, also 1990, war es Huber, der eine Initiative für eine Doppelturnhalle in Samstagern lancierte – und vor der Richterswiler Migros stand, um Unterschriften zu sammeln. Letzten Endes gab es eine Einfachturnhalle.

Aus Bluff wird Ernst

Hubers politisches Engagement startete in seinen Dreissigern. «Vor 17 Jahren brauchte es in der RPK einen Ersatz und ich meldete mich spontan.» Von 2002 bis 2006 präsidierte er sie. Danach ging es für Huber nahtlos weiter in die Exekutive. Wenn auch nicht überehrgeizig, so war Huber doch schon immer kompetitiv. Und so soll es niemanden verwundern, dass er als lizenzierter Fallschirmspringer aus Flugzeugen hüpfte. «Nach dem ersten Kind vor 24 Jahren war damit jedoch Schluss.» Also wurde er kurzerhand Triathlet. «Das war nach einem Familientreffen», erzählt Huber. Sie hätten angefangen zu bluffen, dass sie das locker schaffen würden. «Danach haben wir uns direkt für den Züri-Triathlon angemeldet, bis ich merkte, dass ich nicht richtig schwimmen konnte und zuerst Stunden nehmen musste.»

Wie leicht Hans Jörg Huber es schaffen wird, nach seinem Rücktritt als Gemeindepräsident Ende Juni loszulassen, wird sich zeigen: «Mein weinendes Auge ist bestimmt stärker als das lachende.» Auch an den Gemeindeversammlungen wird Huber, gemäss eigenen Angaben, künftig noch partizipieren. Er werde zusammen mit dem ehemaligen Gemeindepräsidenten Ruedi Hatt in einer Kirchenbank hocken und die Geschäfte beobachten – und allenfalls kommentieren. «Wie die beiden Alten aus der ‹Muppet-Show›.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 15:49 Uhr

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