Thalwil

Ein Quartier will schleunigst Tempo 30

Gut 100 Personen besuchten die Info-Veranstaltung über die geplante Tempo-30 Zone im Etzlibergquartier. Ihnen wurde gezeigt, welche Massnahmen vorgesehen sind.

Im Etzlibergquartier (rote Fläche) soll in Thalwil Tempo 30 eingeführt werden. Klicken sie auf die Symbole für weitere Informationen.


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Der Aufmarsch zur Info-Veranstaltung Tempo «30 im Etzlibergquartier» war gross. «So viel Publikum hätte ich mir gerne an der Rechnungs-Gemeindeversammlung gewünscht», meinte Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP).

Das grosse Interesse ist verständlich, denn das Quartier wünscht sich schon lange Tempo 30. Mehr Sicherheit wünschende Anwohner haben ein Begehren zur Einführung einer Tempo-30-Zone eingereicht. Der Thalwiler Gemeinderat liess daraufhin ein Gutachten ausarbeiten, welches am Montagabend im Gemeindehaussaal präsentiert wurde. Eingegrenzt wird die Tempo 30-Zone einerseits durch die A3 sowie durch die Zürcher- und Sonnenbergstrasse.

Guido Gisler vom Planungsbüro «Teamverkehr.zug» zeigte auf, dass Tempo 30 viel für die Sicherheit bringe. Von zehn angefahrenen Fussgängern würden drei bei 50 km/h überleben, hingegen neun bei 30 km/h. An drei Messstellen seien im Juli 2016 Geschwindigkeiten gemessen und dabei auch Tempo 50 überschritten worden. Zu schnell gefahren wurde beispielsweise im Bereich Säumerstrasse 22. «Anwohner fahren ja vernünftig und nicht zu schnell», meinte Thomas Henauer (FDP), Mitglied der Gesundheits- und Freizeitkommission.

Dafür erntete er vom Publikum skeptische Lacher. Fest steht, dass das Quartier und im speziellen die Säumerstrasse vom Durchgangsverkehr betroffen ist, auch vom Lastwagenverkehr. Ob überhaupt Verkehrskontrollen durchgeführt würden, wollte Alt-Gemeindeschreiber Martin Pallioppi wissen. Da konnte Polizeichef Buno Zwahlen beruhigen. «Ja, sicher», nur derzeit sei es wegen der Bauarbeiten schwierig.

Ärgernis Migros-Kreuzung

Die Studie kommt zu Schluss, dass eine Tempo-30-Zone im Etzlibergquartier nötig, zweck und verhältnismässig ist. Mit Tafeln und baulichen Massnahmen wie Zoneneingängen wird den Autofahrern angezeigt, dass Tempo 30 beginnt. Weitere bauliche Massnahmen wie Einengungen sorgen dafür, dass die Fahrgeschwindigkeit reduziert wird. Zur Diskussion Anlass gaben verkehrsberuhigende Kissen. Da konnte Gemeinderat Richard Gautschi (parteilos) beruhigen. «Kissen sind bei uns nicht erwünscht», sagte er.

Thomas Wethli, einer der Sprecher des Tempo 30-Begehrens, war in den Planungsprozess miteinbezogen und lobte die konstruktiven Gespräche. Er erhofft sich von den Massnahmen mehr Lebensqualität. Was er allerdings für nicht gelöst hält, ist die gefährliche Kreuzung Langtannen-/ Säumerstrasse bei der Migros Rüschlikon. Er meint, man solle ein Stopp-Schild aufheben. Gemeinderat Gautschi informierte, dass bereits viele Gespräche und Überlegungen zu dieser Kreuzung stattgefunden hätten, die an der Grenze zwischen Rüschlikon und Thalwil verläuft. Gautschi möchte eine Zusage zur finanziellen Beteiligung von Rüschlikon, was bis jetzt nicht der Fall gewesen sei. Solange dies nicht feststehe, mache es wenig Sinn, Geld für Studien zur Kreuzungssanierung auszugeben.

Kosten etwa 125 000 Franken

Eine Frage aus dem Publikum galt den blauen Zonen, und warum diese vorgesehen seien. Peter Degen, Leiter DLZ Sicherheit, informierte, dass Anfang August ein Parkierungskonzept in die Vernehmlassung gehen werde und es bei der Umsetzung derselben dann im Quartier keine weissen Parkplätze mehr geben werde. Mitarbeiter der Migros Rüschlikon würden derzeit alle weissen Parkplätze in der Säumerstrasse besetzen, erwähnte Wethli.

Ob in den im Gebiet liegenden Privatstrassen, der Lärchen- und die Kennelstrasse, Tempo 30 möglich sei, wurde gefragt. Entscheidend sei die Signalisation. Tempo 30 sei da nur möglich, wenn das privatrechtliche Fahrverbot aufgehoben werde, wurde mitgeteilt.

Viel Applaus erntete eine Versammlungsteilnehmerin für ihre Frage, warum nicht sofort mit den Arbeiten für Tempo 30 begonnen werde. An der Budget-Gemeindeversammlung im Dezember müsse der Posten für bauliche Tempo-30-Massnahmen, etwa 125 000 Franken, genehmigt werden, informierte Gautschi. Danach würden die baulichen Massnahmen, nach Verfügung der Signalisation durch die Kantonspolizei, sowie ein Bauprojekt ausgeschrieben. Im Sommer 2018 könne dann – sofern keine Rekurse eingehen – mit den Arbeiten begonnen werden.

Erhellende Informationen über die einzelnen baulichen Massnahmen boten Pläne, die von den Anwohnern genau studiert wurden. Sie konnten dazu den Planern und Fachleuten Fragen stellen, was intensiv genutzt wurde. Der Abend war von einer sachlichen Diskussion geprägt und die erste Tempo 30-Zone Thalwils scheint nun auf einem guten Weg zur Realisierung.

Eine Initiative für Tempo 30 in allen Thalwiler Wohnquartieren war 2005 eingereicht, diese zugunsten eines Gegenvorschlags der Gemeinde zurückgezogen worden. Der Gegenvorschlag wurde an der Gemeindeversammlung 2007 genehmigt, dann an die Urne verwiesen und an dieser 2008 verworfen.

Erstellt: 04.07.2017, 14:41 Uhr

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