Wädenswil

Ein Politneuling fordert den erfahrenen Stadtpräsidenten heraus

Die beiden Anwärter für das Amt des Stadtpräsidenten könnten ungleicher kaum sein. Bruno Cogliati (58), ohne Partei und Politerfahrung, tritt am 15. April gegen das CVP-Schwergewicht Philipp Kutter (42) an.

Seit acht Jahren amtet Philipp Kutter (CVP) als Stadtpräsident von Wädenswil. Den Aufgaben eines Stadtpräsidenten ebenfalls gewachsen sieht sich Bruno Cogliati (links). Parteilos und ohne Politerfahrung, tritt an den Wahlen am 15. April gegen Kutter an.

Seit acht Jahren amtet Philipp Kutter (CVP) als Stadtpräsident von Wädenswil. Den Aufgaben eines Stadtpräsidenten ebenfalls gewachsen sieht sich Bruno Cogliati (links). Parteilos und ohne Politerfahrung, tritt an den Wahlen am 15. April gegen Kutter an.

Bruno Cogliati, sind Sie der Donald Trump von Wädenswil und wollen den Laden aufmischen?
Bruno Cogliati: Ich bin der Meinung, dass mit mir als Stadtpräsident neuer Schwung in die Stadt kommt. Für eine Kandidatur habe ich mich entschieden, damit die Wädenswiler eine Auswahl haben. So wie die Parteien die Wahl aufgegleist haben, wäre dies nicht der Fall gewesen.

Denken Sie, Sie würden das Amt besser ausführen als Philipp Kutter?
Cogliati: Ich habe natürlich den Nachteil, dass ich Politneuling und erst recht Stadtratsneuling bin. Mein Vorteil ist jedoch, dass ich noch keine Fehler gemacht habe. Philipp Kutter bewältigt sein Amt gut. Es gibt aber Dinge, die nicht so gut gelaufen sind.

Was denn?
Cogliati: Mir fehlt die Transparenz.

Was sagen Sie dazu, Philipp Kutter?
Philipp Kutter: Ich habe mich noch nie hinter dem Amt oder der Verwaltung versteckt. Deshalb habe ich direkt nach meiner Wahl zum Stadtpräsidenten die Sprechstunde eingeführt. Man kann mich auf allen Kanälen, die das 21. Jahrhundert bietet, ansprechen. Sei das auf der Strasse, in der Beiz, via Facebook und mit Briefen sowieso. Ich bin ein Stadtpräsident, der erreichbar ist, ich bin, gewillt zuzuhören und Gespräche zu führen.

Sie treten nach zwölf Jahren, acht davon als Stadtpräsident, erneut an. Sind Sie immer noch motiviert?
Kutter: Ich bin noch sehr motiviert. Ich bin Stadtpräsident mit Leib und Seele. Wädenswil ist eine tolle Stadt, für die ich mich gerne einsetze. Auch gerne erneut vier Jahre. Zahlreiche Projekte kommen gut voran. Ich bin motiviert, diese weiterzuführen. Ich kann Wädenswil immer noch etwas geben und weiter für Schwung sorgen.

«Bruno Cogliati ist ein engagierter Mann.»Philipp Kutter, CVP, Stadtpräsident Wädenswil

Nun werden Sie von einem Politneuling herausgefordert. Was sagen Sie dazu?
Kutter: Ich anerkenne die Kandidatur. Bruno Cogliati und ich kennen uns schon lange, er ist ein engagierter Mann. Ich finde es gut, dass er sich für Wädenswil engagieren will. Auswahl ist in einer Demokratie immer etwas Gutes. Es ist auch richtig, dass ich mich Fragen und Kritik stellen muss.

Wie möchten Sie, Herr Cogliati, gegenüber der Bevölkerung als Stadtpräsident auftreten?
Cogliati: Ich bin auf jeden Fall sehr nahe an der Bevölkerung. Wenn ich durch das Dorf gehe, grüssen mich die Leute sogar aus dem Bus heraus. Ich habe grossen Respekt vor den Aufgaben, die mich als Stadtpräsident erwarten würden, und auch vor Philipp Kutter als Stadtpräsident. Ich bin aber überzeugt, dass ich das kann.

Als Politneuling und Parteiloser stehen Sie ziemlich alleine da.
Cogliati: Ich bin dabei, ein Unterstützungskomitee zusammenzustellen, und ich habe auch Freunde, die mich supporten. Ich höre oft: Meine Stimme hast du. Am Anfang munkelte man, dass es eine Fasnachtskandidatur sei, aber inzwischen hat sich der Wind gedreht.

Zu den Herausforderungen der kommenden Legislatur gehört die Stadtentwicklung. In welche Richtung soll es weitergehen?
Kutter: Mein Ziel in der Stadtentwicklung ist, dass Wädenswil eine lebendige und vielseitige kleine Stadt bleibt, in der sich Jung und Alt wohlfühlt. Mit der Werkstadt Zürisee versuchen wir, Arbeitsplätze in Wädenswil zu erhalten und neue anzusiedeln. Mit dem Au-Park wollen wir dem Ortsteil Au einen neuen Impuls geben und selbstverständlich braucht unsere Stadt ein lebendiges Zentrum. Der neue Coop ist für uns daher ein wichtiges Schlüsselprojekt.

Cogliati: Es ist gut, dass etwas läuft. Das Projekt Au-Park finde ich grundsätzlich gut. Dass wir dabei Industrieland verlieren, ist hingegen nicht gut. Ich finde es okay, dass eine Mittelschule auf dem Areal geplant ist, schliesslich ist Wädenswil eine Bildungsstadt. Aber finanziell bringt uns die Schule nichts. Auch wenn man auf der Zielgeraden ist, sollte man sich auch die anderen Seiten anhören.

Hört sich der Stadtrat denn auch die anderen Seiten an?
Kutter: Ja, sicher. Bei allen Projekten im Bereich Stadtentwicklung redet im Minimum das Parlament mit. Liegt ein Gestaltungsplan auf, kann sich auch die Bevölkerung einbringen. Wir berücksichtigen viele Anliegen. Das ist auch ein Grund, weshalb die Planungen so lange dauern.

In welche Richtung würden Sie als neuer Stadtpräsident die Stadt Wädenswil entwickeln?
Cogliati: Wir müssen gute Steuerzahler nach Wädenswil bringen. Denn ohne Geld sieht es düster aus. Es gibt aber verschiedenste Projekte. Ich persönlich würde am liebsten aus der Zugerstrasse eine Fussgängerzone machen. Auch wenn es visionär ist. Aber ohne Visionen kommt man nicht weiter.

Der beschlossene, aber verzögerte Zusammenschluss mit Schönenberg und Hütten ist ein grosser Schritt für die Stadt. Herr Cogliati, wo schlägt Ihr Herz bei der Fusion?
Cogliati: Ich habe für die Fusion gestimmt, weil Hütten fast dazu gezwungen ist, sich eingemeinden zu lassen. Allerdings spürte ich seitens der Wädenswiler Politik keine Begeisterung. Ich glaube, wenn Wädenswil den Berggemeinden mehr Begeisterung entgegengebracht hätte und sie mit offenen Armen empfangen würde, dann wäre die Fusion nicht gestoppt worden.

Kutter: Wir empfangen Schönenberg und Hütten sehr wohl mit offenen Armen. Ich war immer zuversichtlich, dass die Wädenswiler solidarisch sein werden und zustimmen. Das Projekt ist gelungen, nun müssen wir Geduld haben. Die Einschätzung, dass wir den Rechtsstreit hätten verhindern können, wenn wir noch mehr Begeisterung versprüht hätten, teile ich nicht. Die Leute, die ihn führen, erreicht man nicht mit Begeisterung.

«Philipp Kutter bewältigt sein Amt gut.»
Bruno Cogliati, parteilos, neuer Stadtratskandidat

Die Stadt hat aber noch viel Arbeit vor sich, um die Gemeinden zu integrieren.
Kutter:In der nächsten Legislatur müssen wir vor allem dafür sorgen, dass die Integration im Kopf und in den Herzen stattfindet. Wichtig ist mir, dass die Gemeinden nicht zu einem Einheitsbrei zusammenwachsen.

Wie soll man Ihrer Meinung nach die Berggemeinden in Wädenswil integrieren?
Cogliati: Ich bleibe bei meiner Meinung, dass man die Berggemeinden mit offenen Armen empfangen soll. Wenn das ehrlich gemeint ist, dann wird es auch verstanden. Man hätte versuchen müssen, die aufschiebende Wirkung aufzuheben. Ich bin der Meinung, dass die Stadt Wädenswil dies nicht gut gemacht hat.

Kutter: Ich bin anderer Meinung. Wir haben alles unternommen, um eine Umsetzung auf den 1. Januar 2018 zu erreichen. Wir haben sogar versucht, mit den Beschwerdeführern zu sprechen, doch dieser Kampf geht über das Lokale hinaus. Darum ist es schwierig, etwas zu erreichen. Da kann ich noch lange mein Schwiegersohnlächeln aufsetzen.

Sparen ist in Wädenswil ein Wort, das man immer hört, wenn es um Finanzen, Investitionen und den Steuerfuss geht. Wo sehen Sie Sparpotenzial?
Cogliati: Es ist egal, in welchem Departement man sparen will.Es gibt immer ein Zetermordio. Vielleicht sollte man eher über eine Steuerfusserhöhung sprechen. Ich finde, die Bevölkerung sollte wissen, wie es um die Wädenswiler Finanzen steht. Der Geschäftsbericht ist nur schwer zu verstehen, aber ich habe mich informiert, und so gut stehen wir nicht da.

Kutter: Wir stehen besser da als noch vor zwei oder drei Jahren. Das ist erfreulich. Denn es gab einen Moment, wo ich mir Sorgen gemacht habe. Die Aussichten damals waren so schlecht, dass wir sparen mussten. Sonst hätten wir den Steuerfuss um zehn Prozentpunkte erhöhen müssen. Von vielen Massnahmen hat niemand etwas gemerkt.

Cogliati: Sparen ist nicht attraktiv, aber die Stadt muss Geld haben. Daher sollten wir attraktive Steuerzahler nach Wädenswil holen.

Und wie?
Cogliati: Bettwaren Fischer oder der Skandal um die Kirchenglocken haben uns schweizweit berühmt gemacht. Vielleicht sind dies Dinge, welche Firmen dazu bewegen, nach Wädenswil zu kommen.

Kutter: Wenn man den Steuerfuss erhöht, ist es schwierig, gute Steuerzahler nach Wädenswil zu bringen. Denn die schauen nicht nur auf den charmanten Stadtpräsidenten und den Bettwaren Fischer. Wir müssen dafür sorgen, dass der Steuerfuss stabil ist, dass wir verlässlich und im Mittelfeld sind. Dieses Ziel konnten wir mit einigen Anstrengungen erreichen.

Als Abschluss bitte ich Sie,folgenden Satz zu beenden: Wädenswiler wählen mich als Stadtpräsident, weil . . .
Kutter: . . . weil ich anpacke.

Cogliati: . . . weil ich mich hundertprozentig für Wädenswil einsetzen werde, und zwar nur für Wädenswil.

Erstellt: 22.03.2018, 16:09 Uhr

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