Wädenswil

Ein neues Gesicht für «di Alt Fabrik»

Die Gessner Immoblien AG plant auf ihrem Areal im Zentrum von Wädenswil neue Gebäude für Mietwohnungen und Gewerbe. Das Siegerprojekt eines Architekturwettbewerbs wird am Samstag vorgestellt.

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Tradition und Zukunft. Unter diesem Spannungsverhältnis stehen derzeit viele ehemalige Industrieareale. Verschont von dem Wandel der Zeit bleibt auch das Gessner Areal im Zentrum von Wädenswil nicht.

Nach der Schliessung der Fabrik im Jahr 2016 konnten einige Flächen an Gewerbe vermietet werden. Die grosse Fabrikhalle auf dem Areal zwischen Stegstrasse und Florhofstrasse konnte jedoch seit ein paar Jahren nur zu einem Bruchteil genutzt werden und stand am Ende leer. «Es wird Zeit, dass wir an die Zukunft denken und das Areal anders nutzen», sagt Damian Isler von der Gessner Immobilien AG. Dazu lancierte die Gessner Immobilien AG einen Architekturwettbewerb, zu dem fünf Büros eingeladen wurden. Die Ergebnisse werden am Samstag, 11. Mai, in der ehemaligen Webereihalle präsentiert.

Das überzeugendste Projekt lieferten die Hotz und Partner Architekten, welche die dreiköpfige Jury schliesslich auch als Sieger erkor. «Die Jury und uns überzeugte vor allem an diesem Projekt, dass es eine dem dörflichen Kontext angemessene neue Identität gibt», sagt Damian Isler. Zudem hätten die Architekten Strukturen und Formen des Areals und der bestehenden Gebäude in das Projekt aufgenommen.

Gewerbe soll bleiben

Das ehemalige Fabrikgebäude, worin sich heute das Einkaufszentrum «di alt Fabrik» befindet und das vierstöckige Bürogebäude mit dem Sitz der Gessner Immobilien AG bleiben erhalten. Das Gebäude entlang der Stegstrasse, in dem sich Créasphère befindet und jenes in dem das Raschle Gartencenter eingemietet ist sowie die grosse Fabrikhalle werden abgerissen. An ihrer Stelle sehen die Architekten sehen fünf Neubauten vor.

Hier befindet sich das Gessner-Areal in Wädenswil. Der markierte Bereich wird abgerissen. Quelle: GoogleMaps

Mit der Umnutzung des Areals würden die Gebäude im Gegensatz zu den Bestehenden zwar höher, dafür entstünden aber Freiflächen und Passagen durch das Areal, gibt Damian Isler zu bedenken. Die Ausnützung des Areals sei die Gleiche wie bisher, nur anders verteilt. In den Gebäuden sollen 80 Mietwohnungen für den Mittelstand entstehen. Im Erdgeschoss möchte die Gessner Immobilien AG Gewerbefläche anbieten. «Wir sind darum bemüht, dass die jetzigen Firmen, ihre Fläche behalten können», sagt Isler.

Die Brauerei als auch das Raschle Gartencenter soll auf dem Gessnerareal weiterhin beheimatet bleiben. Allerdings ist auf der bestehenden Aussenfläche des Gartencenters ein Gebäude geplant. Zwischen den Gebäuden entstehen durch zwei Höfe Begegnungsorte. «Denkbar wären hier auch eine Eisbahn im Winter oder Märkte», sagt Isler. Den Durchgang zwischen Stegstrasse und Florhofstrasse planen die Architekten breiter und attraktiver. Parkplätze sollen in einer Tiefgarage angeboten werden. Noch nicht ganz klar ist, wo die Zufahrt zur Tiefgarage entstehen soll. Insgesamt würdigt die Jury das Projekt als vielversprechendes, das historische Industrieareal neu positionierendes und mit dem Ortskern, attraktiv verknüpftes Gesamtensemble.

Masterplan für Quartier

Zwar bestand für die Wettbewerbsteilnehmer Chancengleichheit, doch war die gute Ortskenntnis des Siegerbüros – Hotz und Partner sind auf dem Gessnerareal eingemietet – sicher von Vorteil. Zu anonym, zu wenig mit der baulichen Umgebung verwoben oder der fehlende Bezug zu den historischen Gebäuden, kritisierte die Jury an den anderen Vorschlägen.

Die Arbeiten für die Erneuerung begannen schon vor Jahren: eine Vorstudie im Jahr 2015 sollte die Möglichkeiten ausloten. Die Planung basiert aber auf dem vor zwei Jahren von der Stadt und den Grundeigentümern gemeinsam erarbeitete Masterplan für das erweiterte Gessner Areal. Dessen Ziel ist es, die bestehende Qualitäten des Quartiers sowie die identitätsstiftende Bausubstanz und die Grünflächen zu wahren. Gleichzeitig sind die heutigen Schwächen wie der undefinierte Strassenraum an der Stegstrasse oder die verstreuten Parkplätze zu verbessern.

Der Masterplan bildete die Leitplanken für den Architekturwettbewerb für das Gessner-Areal. Mit dem Siegerprojekt beginnt nun aber erst die Arbeit, denn nun muss der private Gestaltungsplan ausgearbeitet werden. «Mit dem Bau werden wir wohl frühstens 2023 beginnen können», prognostiziert Damian Isler vorsichtig.

Ausstellung der Wettbewerbsresultate am Samstag, 11. Mai, von 10 bis 17 Uhr, Präsentation um 10.30 Uhr, in der ehemaligen Webereihalle, Florhofstrasse 13, Wädenswil.

Erstellt: 10.05.2019, 12:51 Uhr

Wädenswil

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Die Geschichte der Firma Gessner AG beginnt im Jahr 1841. Damals gründete der Stadtzürcher August Gessner gemeinsam mit dem Seidenfabrikanten Johannes Steiner die Firma Steiner, Gessner und Co. in Wädenswil.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Gessner zu einem erfolgreichen Hersteller von Seidenstoffen. Über 2200 Mitarbeiter beschäftigte die Firma in ihrer Blütezeit, den zwanziger Jahren und hatte mehrere Ableger im Ausland. Im Jahr 1967 wurde die Produktion auf den Standort Wädenswil konzentriert, 1978 wurde der Weberei-Neubau bezogen. Der Shedbau aus der zeit vor der Jahrhunderwende hatte als Webereigebäude ausgedient. Er wurde zum Einkaufszentrum «Di alt Fabrik» mit 15 Detailhandelsgeschäften, Gartencenter und Restaurant umgestaltet.

Zwar hatte sich die Seidenstoffweberei Gessner AG auf die Produktion von Stoffen im Hochpreissegment spezialisiert. Trotz dieser Nische stockte jedoch der Absatz und wirtschaftliche Verkaufspreise liessen sich kaum mehr durchsetzen. Weil sich dieser Trend fortsetzte wurde die Produktion von hochwertigen Stoffen im Ortszentrum von Wädenswil im Sommer 2016 eingestellt. Neue Chancen eröffneten sich damit für den Standort Wädenswil. Damals stellte die Gessner Holding AG die Weichen für die Transformation von der ehemaligen industriellen Nutzung hin zu einer zeitgemässen, attraktiven und konkurrenzfähigen Mischnutzung auf dem Stammareal in Wädenswil. Somit ist das Ende der Fabrikation der Startschuss für die Weiterentwicklung des Gessner Areals. (duc)

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