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Ein Meisterwerk der Baukunst und des Brückenbaus

Vor 250 Jahren hat Hans Ulrich Grubenmann die heutige reformierte Kirche von Wädenswil gebaut. Aus diesem Anlass fand am Sonntag eine Führung statt. Kunsthistorikerin Anna Schori zeigte auf, was den Bau zum Meisterwerk macht.

Die reformierte Kirche in Wädenswil wurde von Hans Ulrich Grubenmann aus dem appenzellischen Teufen erbaut.
Die reformierte Kirche in Wädenswil wurde von Hans Ulrich Grubenmann aus dem appenzellischen Teufen erbaut.
David Baer
Die Kirche feiert ihr 250 jähriges Jubiläum. Es ist eine der herausragenden Querkirchen der Schweiz.
Die Kirche feiert ihr 250 jähriges Jubiläum. Es ist eine der herausragenden Querkirchen der Schweiz.
David Baer
Die massive Holztüre unter der Kanzel.
Die massive Holztüre unter der Kanzel.
David Baer
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Eine der herausragenden Querkirchen der Schweiz, ein Bau von nationaler Bedeutung, ein Meisterwerk: Die reformierte Kirche von Wädenswil kann in architektonischer Hinsicht so manche Auszeichnung für sich beanspruchen. Und sie ist, genau betrachtet, nicht nur Kirche, sondern auch Brücke – nicht zuletzt dies macht sie denn auch zur Besonderheit. Heuer jährt sich ihre Fertigstellung zum 250. Mal. Aus Anlass dieses Jubiläums hat am Sonntagvormittag eine Führung unter Leitung der Kunsthistorikerin Anna Schori stattgefunden.

Wädenswils reformierte Kirche ist auch bekannt als Grubenmann-Kirche, benannt nach ihrem Erbauer: Hans Ulrich Grubenmann (1709-1783) aus dem appenzellischen Teufen. Heutzutage würde man ihn eher als Ingenieur und Architekten bezeichnen; und in dieser Eigenschaft hatte er sich 1762 für den Neubau der Wädenswiler Kirche empfohlen. Dass es diesen brauchte, hatte die Gemeindeversammlung im selben Jahr entschieden, wurde es doch seit 1760 in der damaligen Kirche immer enger.

Nach Idee des Untervogts «Grubenmann war zu jener Zeit durch seine Kirche in Oberrieden bereits bekannt», erklärte Schori den rund 100 Anwesenden. «Seine ersten Pläne für die Wädenswiler Kirche sahen vor, das bereits bestehende Längsschiff nochmals zu verlängern.» Wie aber kam es zu der Querkirche, wie sie jetzt das Besondere der Kirche ausmacht? «Untervogt Caspar Blattmann brachte einen eigenen Entwurf – einer Querkirche – ins Spiel», sagte Schori. Das habe freilich am Berufsstolz von Grubenmann gekratzt – der damalige Pfarrer musste vermitteln, dass Grubenmann doch noch Entwurf und Modell einer Querkirche ausarbeitete.

Am 1. August 1764 fand schliesslich die Grundsteinlegung statt. 16 000 Gulden hatte der Baumeister für Material und Arbeitskosten zur Verfügung. Für die Bestuhlung reichte das Geld dann nicht mehr. So versteigerte man die Stühle – und nahm mehr als 61 000 Gulden ein.

Doch was versteht man eigentlich unter einer Querkirche? «Querkirchen sind eine protestantische Schöpfung», erklärte Schori, die in Wädenswil aufgewachsen ist. Nach reformierter Sichtweise sollte das Wort im Zentrum stehen. Ausladendende Emporen und eine Bestuhlung, die von drei Seiten den Taufstein umfasst, verdeutlichen die Blickrichtung zum Pfarrer. «In der Westschweiz waren die Querkirchen damals schon sehr beliebt.» Nebst Grubenmanns Werk in Wädenswil gehöre die reformierte Kirche in Horgen – erbaut durch Jakob Haltiner, der vordem bei dem Teufner gearbeitet hatte – zu den bedeutendsten Kirchen dieser Art in der Schweiz.

Keine einzige Säule

Grubenmann konstruierte die Wädenswiler Kirche mit 36 Meter Länge und 20 Meter Breite ohne eine einzige Säule. Dieser Aspekt allein sei schon eine Meisterleistung. Hierbei brachte der Baumeister seine Erfahrung im Brückenbau ein, dem er sich nebst der Architektur verschrieben hatte. «Der Dachstuhl ist ein hochkomplexes Konstrukt», erklärte Schori. «ein Längs- und ein Querbinder sind je wie eine Brücke gebaut und greifen ineinander.»Auch die Emporen kommen ohne Säule aus. Da, wo man die stützenden Säulen erwarten würde, sind denn auch Ansätze von solchen zu sehen. «Das kann man als ironischen Wink von Grubenmann verstehen», erläuterte die Kunsthistorikerin. Er machte damit die hängende Konstruktion der Empore noch deutlicher.

Das Baudenkmal vollendet hat schliesslich der Österreicher Peter Anton Moosbrugger mit seinen Stuckaturen. Sie widerspiegeln den Zeitgeist des Rokoko mit seinen dezenten, zierlichen Strukturen. Der Blick wird durch die Gliederung der Wände nach oben geleitet, wo streng symmetrisch florale Elemente angeordnet sind.

Während in katholischen Kirchen Gemälde dominieren, verweisen die weissen Decken und Wände auf die reformierte, bildfreie Tradition. Mit der Einweihung der Kirche am 23. August 1767 hatten die Wädenswiler damit ein in vielerlei Hinsicht äusserst zeitgemässes Bauwerk.

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