Schönenberg

Ein lauter und launiger Abschied

Zum letzten Mal sind am Donnerstagabend die Schönenberger Bürger zu einer Gemeindeversammlung zusammengekommen. Weil es keine Traktanden mehr gab, wurde sie zur Abschiedsfeier umgewandelt.

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Schon der Empfang im Dorfhuus war anders als an anderen Gemeindeversammlungen. Nicht nur, weil sich die Besucher den Weg in den Versammlungssaal durch Baugerüste suchen mussten. Sondern vor allem, weil fröhliche Volksmusik zur Begrüssung erklang. Das einheimische Trio Raphael Fuchs stimmte die zahlreichen Besucher auf die Abschiedsfeier ein.

Gefeiert wurde der Abschied von der politischen Eigenständigkeit. Ende Jahr werden Schönenberg und Hütten in der Stadt Wädenswil eingemeindet. Ein Budget für das nächste Jahr muss Schönenberg nicht mehr erstellen. Auch sonst gab es keine Traktanden mehr. Deshalb wurde die Gemeindeversammlung zur Abschiedsfeier umgewandelt.

«Ich freue mich, dass ihr gekommen seid», begrüsste Gemeindepräsident Willi Schilling (FDP) die rund 150 Besucher. Es schwinge aber auch Wehmut mit. Es seien deutlich mehr Schönenberger anwesend als an der letzten Gemeindeversammlung. Damals habe er lediglich 33 Stimmberechtigte gezählt.

Eine Rückkehr

Launig führte er aus, dass die Fusion für Schönenberg eigentlich eine Rückkehr sei. Die Berggemeinde ist seit 1813 eine eigenständige politische Gemeinde. 900 Jahre lang habe jedoch die gemeinsame Zeit mit Wädenswil gedauert. Am 1. Januar 2019, nach 206 Jahren, erfolgt der Zusammenschluss. «Ich bin mir bewusst, dass sie von einer Mehrheit, aber nicht von allen begrüsst wird», sagte Schilling, «es wäre dumm, alles nur positiv zu sehen.»

Schilling, der die Zusammenschlussbestrebungen unterstützt und den Prozess vorwärts gebracht sagte: «Die Wege werden länger und der politische Einfluss jedes einzelnen wird kleiner.» Der Zusammenschluss sei ein Schritt der Vernunft und nicht des Herzens. Er rief die Schönenberger dazu auf, das Dorfleben zu pflegen und so zum Erhalt der Identität beizutragen.

Veränderungen stehen an

Eine Informationsrunde beendete den formalen Teil der Feier. Schilling gab bekannt, dass das Gemeindehaus am Freitag, 21. Dezember, um 11.30 Uhr endgültig schliesst. Die Internetseite der Gemeinde wird ebenfalls geschlossen, man wird auf jene der Stadt Wädenswil weitergeleitet. Weiter informierte er, dass künftig die erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler aus Schönenberg nach den Regeln von Wädenswil geehrt werden. Jungbürgerfeiern gebe es in Wädenswil keine mehr. Änderungen gibt es auch bei der Altpapiersammlung, dieses werde künftig abgeholt. Und für das Dauer-Parkieren auf öffentlichem Grund verlangt die Stadt Wädenswil eine Laternengebühr.

Mit der Versammlung ging auch die kurze Amtsdauer der Behörden zu Ende. Sie dauerte nur gerade ein halbes Jahr. Anders als in Hütten wurden die Schönenberger Behörden für ihre Arbeit aber nicht offiziell geehrt. Gute Stimmung und Festlaune und Geselligkeit kamen beim anschliessenden Apéro auf, der musikalisch lautstark umrahmt wurde. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.12.2018, 15:01 Uhr

Stimmen zur Fusion

Ein Abschied mit Emotionen

Der Weg zur Fusion war in Schönenberg steinig und umstritten. Der Abschied von der politischen Eigenständigkeit ist auch heute noch emotional.

«Es ist eigentlich tragisch, dass wir fusionieren müssen», sagt Hansueli Wagner. Der Zusammenschluss sei die Konsequenz des Streits im Gemeinderat in der letzten Legislatur. «Es war für uns Bürger nicht lustig, wie gestritten wurde.» Auch in der Verwaltung habe es nicht mehr funktioniert. «Jetzt kann es nur noch besser werden.» Finanziell wäre Schönenberg nicht gezwungen gewesen zu fusionieren, wie Hütten, man müsse die Behörden aber auch schlau besetzen können.

Gabriele Klemm war von Anfang an für die Fusion. Sie ist politisch interessiert, nahm oft an Gemeindeversammlungen oft teil, setzte sich für die Fusion ein und sammelte auch Unterschriften. «Es war ein Vernunftsentscheid», sagt sie. Man habe ja gesehen, wie schwierig es in letzter Zeit war, Leute für die Behörden zu finden. Dass die Fusion tatsächlich zustande kommt, glaube sie aber erst am 1. Januar 2019. Denn noch immer ist der Bundesgerichtsentscheid ausstehend.

Pascale Treichler sagt, sie sei von Anfang an skeptisch gewesen gegenüber der Fusion. Mit ihren 23 Jahren gehört sie zu den wenigen jungen Teilnehmenden der Abschiedsfeier. «Ich hange sehr am Schönenberger Bürgerrecht», sagt sie. Dieses habe ihre Familie seit vielen Generationen. Dass sie künftig eine Wädenswiler sind, schmerze schon. So sei sie ganz froh, dass sie kürzlich einen neuen Pass benötigte, in dem sie noch viele Jahre eine Schönenbergerin ist. Der Fusion kann sie aber auch positives abgewinnen. So werden die Behördengänge einfacher, weil Wädenswil längere Öffnungszeiten hat. Auch der Steuerfuss werde attraktiver.

Adrian Moser findet, der Gemeinderat habe Schönenberg die Fusion eingebrockt. «Das wäre nicht passiert, wenn der Gemeinderat normal funktioniert hätte.» Der Krach in der Behörde und die bösen Briefe hätten den Befürwortern viele Stimmen geschenkt. «Jetzt ist es aber so. Es ist ein demokratischer Entscheid, den ich akzeptiere.» (dh)

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