Horgen

Ein Lager für Mehlsäcke wurde zum kreativen Dachatelier

Der Kulturfonds Horgen lädt in seinem Projekt zu fünf Atelierbesuchen bei Kunstschaffenden ein. Verschiedene Künstler zeigen ihre Stätte und Werke. Den Start machte am Sonntag Maler Thomas Wüthrich.

Stefan Schäppi (links) und Aaron Wegmann (rechts) besuchen den Horgner Künstler Thomas Wüthrich in seinem Atelier an der Oberdorfstrasse in Horgen. Foto: André Springer

Stefan Schäppi (links) und Aaron Wegmann (rechts) besuchen den Horgner Künstler Thomas Wüthrich in seinem Atelier an der Oberdorfstrasse in Horgen. Foto: André Springer

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Persönlich, ja fast intim war es, sich in den Gefilden des Malers Thomas Wüthrich umzuschauen. Die Interessierten, die sich auf Einladung des Kulturfonds Horgen im Atelier an der Oberdorfstrasse 58 einfanden, sahen sich umgeben von einer Druckpresse, Arbeitstischen, Staffeleien, Ölfarbtuben und Pinseln. Alte Teppiche gaben dem Dachstock mit den sichtbaren Balken einen wohnlichen Charakter.

Erstaunt waren die Gäste über die Orgelmusik, die bei ihrem Besuch im Hintergrund ertönte, und feine Nasen konnten im Reich des Malers einen Terpentinölgeruch ausmachen.

Der kreative Ort im Zentrum

Auffallend im Atelier war die erhöhte Bühne, die über eine kleine Treppe zu erreichen war. Auf der weiss gestrichenen Rückwand des Podestes waren viele Ölbilder und einige Aquarelle des Künstlers aufgehängt. Bevor die Kulturinteressierten die Bilder in einer lockeren Begehung individuell betrachten konnten, richtete Stefan Schäppi, Präsident Kulturfonds Horgen, das Wort an die Gäste. Dabei erläuterte er die Idee des jetzigen Kulturfonds-Projektes: Es gehe im fünfteiligen Zyklus nicht um klassische Vernissagen. Vielmehr würden verschiedene Orte gezeigt, wo Künstler aktiv sind und ihre Werke entstehen.

Thomas Wüthrich arbeitet seit 2013 im Atelier an der Oberdorfstrasse. Es ist auch dank seiner Geschichte einzigartig: Der Raum im Silo-Komplex diente früher als Lager für Mehlsäcke, welche über den immer noch vorhandenen «Paternoster», einem Lift in der Art eines Flaschenzuges, auf die Verladerampe und dann zum Bahnhof Oberdorf befördert wurden. Der nostalgische Hintergrund verleiht dem Raum einen besonderen Charme. Bevor Thomas Wüthrich das Atelier anmieten konnte, wurde das Haus als Brockenhaus genutzt. Thomas Wüthrich, 70-jährig, aufgewachsen in Oberrieden, erläuterte den Gästen im Atelier vor allem seine Ölbilder, auch seine unfertigen, die er ständig weiterentwickelt. Der Künstler malt zu verschiedenen Themen: Häufig sind Gesichter, Natursujets, Landschaften und Häusergruppen mit dem Eiffelturm, der ihn an seine Zeit in Paris erinnert.

«Ich nehme keine Rücksicht auf die Gefahr, die starke Farben mit sich bringen, da sie nicht auf Anhieb ein angenehmes Seherlebnis ermöglichen.»Thomas Wüthrich, Künstler

Thomas Wüthrich kreiert in markanten Pinselstrichen und immer in kräftigen Farben. Er sieht sich als Surrealist und sagt: «Ich nehme keine Rücksicht auf die Gefahr, die starke Farben mit sich bringen, da sie nicht auf Anhieb ein angenehmes Seherlebnis ermöglichen». Er versuche, mit knalligen Farben eine neue Harmonie zu schaffen. Malen sei seine Passion, die er neben seinem Brotberuf als Architekt zeitlebens ausgeübt habe. Thomas Wüthrichs Atelier befindet sich in einem Gebäude, das in absehbarer Zeit umgebaut und umgenutzt wird. Entstehen wird im einstigen Industrieareal der Komplex «Silo Bahnhof Horgen Oberdorf», dessen Umzonung und Gestaltungsplan an der Gemeindeversammlung im Juni 2018 vom Souverän genehmigt wurde.

Baueingabe erfolgt bald

Aaron Wegmann, Architekt des innovativen Bauprojekts, war beim Atelierbesuch ebenfalls zugegen. Er informierte, dass die Baueingabe demnächst eingereicht und hoffentlich in zirka einem Jahr mit dem Bauvorhaben begonnen werden könne. Thomas Wüthrich freut sich, noch eine Weile im Dachatelier bleiben zu können. Zwischennutzungen in leeren Gebäuden seien sinnvoll und würden von Künstlern sehr geschätzt. Es sei für Kunstschaffende nicht einfach, geeignete und bezahlbare Räume zu finden.

Atelierbesuche des Kulturfonds Horgen jeweils sonntags von 10 bis 12 Uhr. Anmeldung jeweils fünf Tage vor dem Atelierbesuch an kulturfonds@horgen.ch. Welcher Künstler wann seine Aterliertüren öffnet, ist aufgelistet unter www.horgen.ch/kultfondshorgen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.02.2019, 21:43 Uhr

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