Horgen

Ein Hund mit einer grossen Zukunft

Bis ein Hund Blinde führen kann, ist es ein langer Weg. Divia geht diesen Weg. Davon verbringt die Hündin die ersten eineinhalb Jahre bei ihrer Patin Rahel Schaub. Sie ist eine von vielen Freiwilligen, welche die angehenden Führhunde aufziehen und in den Alltag einführen.

Rahel Schaub hat Patenhündin Divia im Griff und bereitet sie auf die Ausbildung zur Blindenführhündin vor.

Rahel Schaub hat Patenhündin Divia im Griff und bereitet sie auf die Ausbildung zur Blindenführhündin vor. Bild: Patrick Gutenberg

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«Hier wohnt ein Hund», steht auf dem Schild an der Tür geschrieben. Ihn solle man ignorieren, bis man ihn begrüssen dürfe. Schwierig, gerade wenn man einen jungen Hund erwartet und ihn streicheln möchte. Also konzentriere ich mich auf die Hundehalterin.

Rahel Schaub aus Horgen öffnet die Türe. Sie ist die Patin der 15-wöchigen Divia. Das Labrador-Mädchen tänzelt uns freudig schwänzelnd um die Beine, wie ich aus dem Augenwinkel vernehme. Sobald sie von ihrem Frauchen angeleint ist, darf ich Divia begrüssen. Sie freut sich, einen neuen Menschen zu beschnuppern.

Ein Hund auf Zeit

Seit gut fünf Wochen ist Divia bei Rahel Schaub und ihrem Partner zuhause. Die eigentliche Besitzerin von Divia ist die Blindenhundeschule in Allschwil. Sie gibt ihre Welpen aus eigener Zucht an Paten ab. Bei ihnen wachsen die Hunde für eineinhalb Jahre auf. Danach kehren sie zurück in die Schule für die weitere Ausbildung (siehe Infobox).

«Ein Patenhund bedeutet mehr Aufwand als ein ‹normaler› Hund»Rahel Schaub, Patin

Schon lange wünschte sich Rahel Schaub einen eigenen Hund. Aus beruflichen Gründen kam diese langjährige Verpflichtung aber nicht in Frage. Das Patenhunde-Programm gefiel ihr und passte in ihre berufliche Situation. So kann sie sich die eineinhalb Jahre Zeit für den Patenhund nehmen. Also bewarb sie sich in Allschwil für einen Hund.

Als Patin übernimmt Rahel Schaub eine wichtige Rolle auf Divias Weg zum Blindenführhund. «Ein Patenhund bedeutet mehr Aufwand als ein ‹normaler› Hund», sagt sie. In den eineinhalb Jahren erlebt die junge Hündin viele Situationen zum ersten Mal. Sie fährt mit dem Zug, begleitet ihre Halterin beim Einkaufen oder mischt sich unter eine Menschenmenge. Divia muss lernen, mit all diesen Situationen zurechtzukommen.

«Man hat nie schlechte Laune»

Rahel Schaub bringt Divia auch Hörzeichen bei. Beispielsweise das richtige Apportieren, also einen Gegenstand herbeizubringen. Der Anfang einer neuen Übung sei schwierig. «Man muss hart arbeiten, damit Divia sich die Übungen bewusst einprägt. Es ist immer ein Erfolgserlebnis, wenn kleine Fortschritte gelingen», sagt Rahel Schaub.

Jeden Tag hört Divia neue Geräusche und erschnuppert noch unbekannte Gerüche. Auf einem Rasen sprintet Divia aufgedreht hin und her. Plötzlich stoppt sie, als Jugendliche schallend lachen. Aufmerksam beäugt sie die vorbeigehende Gruppe.

Mit Divia unterwegs zu sein, sei für Rahel Schaub wie eine Therapie. «Man hat nie schlechte Laune.» Sie macht mit ihrem ersten eigenen Hund auch viele neue Erfahrungen. Sie geht mehr spazieren, erlebt ihre Umwelt aktiver und lernt andere Hundehalter kennen.

Eine neue Welt aufgetan

Daneben sei sie durch den Patenhund auch viel sensibilisierter auf die Welt der Blinden. «Mir hat sich eine neue Welt aufgetan. Mit Divia mache ich mir Überlegungen, die man sich sonst nicht machen würde», erklärt Rahel Schaub. So sei ein Blinder etwa darauf angewiesen, dass der Führhund richtig apportiert. Ein Blinder müsse einen Gegenstand genau da ertasten können, wo er ihn erwarte, weil er ihn ja nicht sehen könne.

Trotz des — nicht zu unterschätzenden — Aufwands geniesst Rahel Schaub ihre Aufgabe. Man spürt, dass sie Divias künftige Berufung vor Augen hat. Auf die Frage, ob es nicht schwierig sei, den Hund in eineinhalb Jahren wieder wegzugeben, antwortet Rahel Schaub: «Es ist für eine gute Sache. Und zum Glück ist dieser Tag noch weit weg.» Täte sich aber die Gelegenheit auf, würde sie Divia sofort behalten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.08.2018, 17:00 Uhr

Blindenführhunde

Die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde mit Sitz in Allschwil BL bildet seit 1972 Führhunde für blinde und sehbehinderte Menschen aus. Die Labrador-Retriever dafür stammen aus der eigenen Zucht. Diese Rasse eignet sich besonders, um zum Führhund ausgebildet zu werden.

Die ersten zehn Wochen nach der Geburt verbringen die Welpen in der Schule. Danach leben sie für zehn bis 15 Monate bei Paten. Gérard Guye von der Blindenhundeschule sagt, dass das Patenprogramm die Schule entlaste, weil man aus Kapazitätsgründen die jungen Hunde nicht in der Schule behalten könne. Zudem sei es wichtig, «dass die jungen Hunde in einem sozialen Umfeld aufwachsen und dort mit einer guten Bindung zu Ihrem Halter und unserer Betreuung ihre ersten Lernschritte absolvieren».

Jedes Jahr benötigt die Stiftung rund 100 freiwillige Paten. Sie gewöhnen die jungen Hunde an die Umwelt und erziehen sie grundlegend. «Ohne unsere Paten könnten wir unsere Aufgabe kaum erfüllen. Die Hunde sind sehr gut vorbereitet auf ihre Ausbildung», sagt Guye.

Nach der Zeit bei den Paten beginnt etwa die Hälfte der 100 Hunde die sechs- bis neunmonatige Ausbildung zum Führhund für sehbehinderte Personen. Die anderen Hunde werden zu Sozial-, Assistenz- oder Autismusbegleithunden ausgebildet. Wenige Hunde sind ungeeignet für eine Ausbildung und kommen als Haustier in einer Familie unter. zeo

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