Horgen

«Ein Gymnasium hinterlässt Spuren in der Standortgemeinde»

Für den Standortförderer der Region Zimmerberg-Sihltal kann der Entscheid für eine Mittelschule im Bezirk Horgen nicht schnell genug kommen. Das neue Gymi dränge, profitieren werden praktisch alle, sagt er im Interview.

Drängender Entscheid: Standortförderer Beat Ritschard verlangt, dass bald bekannt wird, wo das Gymnasium Zimmerberg gebaut wird.

Drängender Entscheid: Standortförderer Beat Ritschard verlangt, dass bald bekannt wird, wo das Gymnasium Zimmerberg gebaut wird. Bild: Archiv André Springer

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Der Standortentscheid für das Gymnasium Zimmerberg wird mit Spannung erwartet. Was ist dem Standortförderer dabei wichtig?
Beat Ritschard: Ein Gymnasium hat eine hohe Bedeutung für den Standort. Im Bezirk Horgen gehören Forschung und Bildung zu den Kernthemen. Mir ist wichtig, dass der Entscheid schnell fällt. Die Region soll sich darauf einrichten können, dass in vier, fünf Jahren die ersten rund 500 Schüler hier das Gymnasium besuchen können.

Wieso diese Eile?
Im Kanton Zürich fehlen laut Bildungsdirektion in zehn Jahren 4000 Plätze in den Gymnasien. Aus dem Bezirk Horgen besuchen aktuell rund 1400 Jugendliche die Mittelschule. Diese Zahl wird wegen des Bevölkerungswachstums noch steigen. Deshalb müssen wir möglichst bald Lösungen finden.

Schmerzt es, wenn Sie als Standortförderer ansiedlungswilligen Personen oder Firmen sagen müssen, dass die Kinder mit dem Zug nach Zürich in die Mittelschule fahren müssen?
Es ist sicher nicht das gleiche, wie wenn ich ihnen antworten könnte, dass die Schule in der Nähe des Wohnortes liegt. Für die Standortförderung wäre es gut, wenn wir das gesamte Oberstufenschulangbot regional anbieten könnten.

Vom linken Ufer ist man schnell in Zürich.
Die Kinder würden aber einen stärkeren Bezug zur Region entwickeln, wenn sie hier ins Gymnasium gingen. Sie wären schneller zu Hause oder in ihrem Sportverein und hätten mehr Kollegen aus ihrem Umfeld. Kürzere Wege, weniger Fahrkosten für die Eltern.

Und was hätte der Bezirk von der Mittelschule?
Diese Schule wäre ein Arbeits- und Auftragsgeber. Eine Schule mit 1000 Schülern generiert 300 bis 400 Arbeitsstellen. Parallel dazu schafft sie Aufträge, beispielsweise in der Verpflegung oder dem Gebäudeunterhalt.

Drei Standorte stehen zur Auswahl. Wie beurteilen Sie diese?
Ich mische mich nicht in den Prozess ein. Mir ist wichtig, dass das Gymi schnell kommt.

Als Standortförderer haben Sie sicher eine Meinung zum Gymi-Standort.
Im Zentrum muss die Frage stehen, wie die Schüler und Lehrer von ihrem Wohnort in die Schule kommen. Man muss einerseits versuchen, die S-Bahn-Strecke nach Zürich zu entlasten. Andererseits sollen die Wege möglichst kurz sein. Aus Sicht der Verkehrsführung sind alle drei Standorte möglich. Die beiden bahnhofsnahen Areale in Horgen und der Au haben aber sicher einen Vorteil, da sie mit dem Zug direkt zu erreichen sind. Man muss den Fokus auf die Nutzer legen und sich fragen, was das beste ist für 1000 Schüler und 300 Lehrkräfte.

Dem Kriterium der Nähe zum Bahnhof entsprechen das Grob-Areal in Horgen und der Au-Park in Wädenswil. Der Gemeinderat Horgen hält das Grob-Areal aber für ungünstig, weil Aussenräume fehlen.
Ich kann dieses Argument gut nachvollziehen. Es ist schon so, dass mit der benachbarten Berufsschule und dem Gymnasium 2000 Jugendliche nah beeinander wären und kein Pausenplatz auszumachen ist. Ich glaube aber, man könnte dieses Problem lösen. Man muss aber bedenken, dass die Schüler auch am Bahnhof wären, wenn die Schule in der Allmend gebaut würde. Die meisten reisten über den Bahnhof am See an.

Immerhin ist der Bahnhof Horgen grösser als jener in der Au.
Laut dem Zürcher Verkehrsverbund genügt der Bahnhof Au. Aber es stimmt schon, er ist kleiner, insbesondere die Unterführung. Aber unabhängig davon, wo es steht, hinterlässt das Gymnasium mit 1000 Schülern deutliche Spuren in der Standortgemeinde. Es braucht Anpassungen.

Woran denken Sie?
Wenn man das Gymnasium in ein Neubauquartier stellt, wie den künftigen Au-Park, dann hat es eine Chance, zusammen mit der Umgebung zu wachsen. Wenn man es aber in eine gegebene Struktur hineinpflanzt, wird es vermutlich zu Beginn eine gewisse Reibung verursachen. Es kommen 1000 Jugendliche. Sie sind in einem Alter, in dem sie ab und zu Flausen im Kopf haben. Das ist halt einfach so.

Sie sind Thalwiler. Wären Sie als Jugendlicher gerne nach Horgen oder in die Au ins Gymnasium gefahren?
Ich wäre genauso gerne in Horgen ins Gymi gegangen wie in die Enge. Das hätte mich damals nicht gestört. Das ist aber individuell. Von Kilchbergern höre ich beispielsweise ganz unterschiedliche Aussagen. Die einen sagen, aus ihrer Gemeinde würden weiterhin alle in Zürcher Schulen wollen. Verschiedene Eltern haben mir aber schon gesagt, dass sie es begrüssen würden, wenn ihr Kind nicht schon in der Schulzeit in die hektische Stadt fahren müsste.

Schon heute besuchen nicht alle Mittelschüler aus dem Bezirk die nächstgelegenen Schulen in der Enge, sondern wählten andere Gymnasien wegen des Profils.
Da bringe ich gerne die Idee ins Spiel, über die wir schon lange nachdenken. In Pfäffikon SZ wird praktisch zeitgleich ein neues Gymnasium gebaut. Aus meiner Sicht müsste man die Zusammenarbeit suchen. Das linke Ufer reicht aus meiner Sicht bis Lachen und ist auch eng mit der Region bis Einsiedeln verknüpft. Würde man das Einzugsgebiet weiter fassen und zusammenarbeiten, könnte man mehr Profile in der Region anbieten. Denn auch im künftigen Gymnasium Zimmerberg mit 1000 Plätzensind nicht alle Profile möglich.

Diese Möglichkeit haben jedoch die Regierungsräte beider Kantone abgelehnt. Welches Profil wünschten Sie sich an das linke Ufer?
Im Zürich haben wir nur im Rämibüel mit dem MNG eine eigentliche Mint-Schule (Mathematik, Informatik, Naturwissenachaften, Technik). Mint kann ich mir in unserer Region mit den beiden Hochschulen in Wädenswil und Rapperswil sowie mit Produzenten, die in diesem Bereich tätig sind, gut vorstellen.

Was antworten Sie auf die Kritik, es gebe schon zu viele Mittelschüler?
Ein neues Gymnasium schwächt die Sekundarschule und die Berufslehre nicht. Ich hoffe sogar, dass es eine Entspannung in dieser Diskussion gibt. heute heisst es doch, ich gehe hier in die Sekundarschule oder ich gehe nach Zürich ins Gymi. Das finde ich einen schlechten Ansatz. Für jene Kinder, die gerne lernen, ist es doch gut, wenn es hier ein Gymnasium hat. Die Gymi-Quote erhöht sich wegen der neuen Schule nicht. Ich wünscht mir, dass die beiden Schulsysteme nicht permanent in einer Wettbewerbssituation wären. Die Universitäten bestätigen übrigens, dass die heutige Maturaquote optimal ist. Zudem stärken wir beide Ausbildungswege. Wir bauen auch gerade die Berufsschule in Horgen aus, um diesen Schülern ein besseres Angebot bieten zu können. Auch dort sind die Schülerzahlen gestiegen.

Erstellt: 01.12.2016, 15:39 Uhr

Zur Person

Beat Ritschard ist Geschäftsführer der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal. Er setzt die Ziele der Standortförderung um, der die Gemeinden des Bezirks Horgen sowie zahlreiche Unternehmen angehören.

Drei mögliche Standorte

Für die geplante Mittelschule Zimmerberg evaluiert der Kanton Zürich einen Standort. Drei Areale sind noch in der Auswahl, zwei davon in Horgen, eines in der Au. In Horgen sind dies das Grob-Areal direkt neben dem Bahnhof am See sowie die Allmend, die zwischen den beiden Horgner Bahnhöfen liegt. In Wädenswil ist es der Au-Park in Gehdistanz zum Bahnhof Au. Die beiden früheren Industrieareale Grob in Horgen und Alcatel in Wädenswil sind in Privatbesitz, während der Kanton die Allmend bereits vor Jahren erworben hat mit der Absicht, dort eine Mittelschule zu erstellen. Der Standortentscheid des Kantons ist mehrfach verzögert worden. Er wird nun im Dezember oder Januar erwartet. (dh)

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