Tierseuche

«Ein Fuchs mit Räude ist grauslig anzusehen»

Im Kanton Zürich werden immer mehr Räudefälle bei Füchsen gemeldet. Hundehalter müssten achtsam sein, sagt Jagdaufseher Ulrich von Rickenbach.

Ulrich von Rickenbach ist Jagdaufseher im Revier Adliswil, Kilchberg, Rüschlikon.

Ulrich von Rickenbach ist Jagdaufseher im Revier Adliswil, Kilchberg, Rüschlikon. Bild: Sibylle Saxer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ulrich von Rickenbach, im Kanton Zürich und in den angrenzenden Kantonen geht die Fuchsräude um. Haben Sie auch in Ihrem Jagdrevier Fälle von Fuchsräude festgestellt?
Ulrich von Rickenbach: Das haben wir. Vor allem im Sihltal stellen wir einen starken Befall fest. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir zwischen 25 und 30 Füchse zusammengelesen. 50 bis 60 Prozent davon waren an Fuchsräude erkrankt.

Was heisst zusammengelesen? Waren die Tiere bereits tot?
Zum Teil waren sie bereits tot. Zum Teil so geschwächt, dass wir sie erlösen mussten.

Stimmt es, dass man einem Fuchs die Erkrankung an Räude auf den ersten Blick ansieht?
Ja. Ihnen fallen am ganzen Körper flächendeckend die Haare aus. Das Augenfälligste ist die Rute, die bei fortgeschrittener Krankheit nur noch an der Spitze behaart und sonst nackt ist. Auch am Körper und im Gesicht weisen erkrankte Tiere unbehaarte Stellen auf, die gut und gerne so gross wie ein Handteller sind. Ein Fuchs mit Fuchsräude ist grauslig anzusehen.

Die Krankheit ist auf Hunde und sogar den Menschen übertragbar. Ist die Sichtbarkeit der Krankheit in diesem Sinn ein Vorteil?
Ich würde sagen, ja. Findet ein Spaziergänger ein an Fuchsräude erkranktes Tier, kommt er niemals auf die Idee, es anzufassen. Zu abstossend sieht es aus.

Sie selbst kommen als Jagdaufseher mit kranken Füchsen in Kontakt. Wie schützen Sie sich?
Ich fasse keinen Fuchs ohne Handschuhe an. Auf Füchsen tummeln sich zahllose Bakterien.

Und Ihre Hunde, wie schützen Sie die? Die kommen bei der Suche ja wohl auch mit kranken Füchsen in Kontakt.
Meine Hunde sind zu 99 Prozent an der Leine. Das ist der beste Schutz. Aber gerade bei einer Nachsuche, wenn die Hunde die Fährte eines Tiers aufnehmen und mich zu ihm führen, sind sie vor mir beim Tier. Da weiss ich natürlich nicht, was sie antreffen. Aber sagen wir es so: Im Garten kommen meine beiden Hunde auch mit Igeln und ihren Flöhen in Kontakt. Flöhe haben sie deswegen trotzdem keine.

Meinen Sie damit, dass ein körperlich fitter Hund nicht anfällig ist für die Übertragung von Parasiten oder Krankheiten?
Genau.

Und wenn ein Hund trotzdem die Milben einfängt, die Fuchsräude übertragen?
Die Wahrscheinlichkeit ist eher klein, dass ein Hund grossen Schaden nimmt. Denn Fuchsräude ist eigentlich gut behandelbar. Bloss lässt sich ein Fuchs natürlich nicht behandeln. Aber wenn ein Hundebesitzer merkt, dass sein Hund sich eine halbe Stunde am Bauch kratzt, dann sollte er ihn mit einem Spezialshampoo waschen. Und allenfalls den Tierarzt aufsuchen.

Zurück zum Fuchs. Er kann nicht behandelt werden. Sehen Sie sonst eine Handhabe gegen die Fuchsräude?
Unter Kontrolle werden wir die Krankheit nicht bekommen. Sie kommt und geht, sie ist vergleichbar mit der Wintergrippe beim Menschen. Das Problem ist meines Erachtens die Dichte der Fuchspopulation. Im Siedlungsgebiet ist die Dichte grösser. Denn das Nahrungsangebot ist dort gross, es gibt Komposthaufen und Abfallsäcke, das ist ein gefundenes Fressen für die Füchse. Auch die Sihl zieht sie an, dort finden sie immer wieder einen toten Fisch oder eine Möwe mit gebrochenem Genick. Dadurch werden die Füchse angezogen, und die Populationsdichte nimmt zu. Daher werden Krankheiten schneller übertragen. Im Wald ist die Population weniger dicht, und wir merken, dass die Tiere dort seltener an Fuchsräude erkranken.

Wissen Sie, wie viele Füchse in Ihren Dörfern wohnen?
Im Revier Adliswil, Kilchberg und Rüschlikon leben ungefähr 80 Tiere. Wie viele davon nur im Siedlungsraum leben, wissen wir nicht. In mancher Nacht, wenn ich unterwegs bin, sehe ich fünf Füchse im Dorf, in einer anderen nur zwei. Aber mit der Tollwut in den 70er-Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir sie weder durch Impfen noch Vergasen in den Griff bekommen haben, sondern erst, als die Populationsdichte gesunken ist.

Wird der Fuchsbestand durch die Fuchsräude nicht automatisch dezimiert?
Nein, die Population wird deswegen nicht kleiner. Gesunde Fähen haben bei einem guten Nahrungsangebot sechs bis acht Junge pro Jahr. Wenn dagegen das Nahrungsangebot schlecht ist, haben sie weniger Junge. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 11:23 Uhr

Artikel zum Thema

Kranke Füchse gefährden Hunde

Tierseuche Immer mehr Füchse werden im Kanton Zürich von der Fuchsräude befallen und verenden daran. Noch sind die Regionen sehr unterschiedlich stark betroffen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!