Thalwil

Ein Film, der Hirn und Hände des Brückenbaus zeigt

Mit dem Dokumentarfilm «Gateways to New York» setzte Martin Witz dem Schweizer Brückenbauer Othmar Ammann ein Denkmal. Am Freitag waren Film und Regisseur in Thalwil zu sehen.

Der Schweizer Ingenieur Othmar Ammann plante unter anderem die zweistöckige Verrazzano-Narrows Bridge in New York.

Der Schweizer Ingenieur Othmar Ammann plante unter anderem die zweistöckige Verrazzano-Narrows Bridge in New York. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine zerbrochene Freundschaft brachte ihm den Durchbruch, seine Jugend den entscheidenden Weitblick. Die Rede ist von Othmar Ammann. Von einem, der auszog – kaum hatte er das Diplom der ETH in der Tasche: aus dem beschaulichen Kilchberg in das boomende New York. Der dort eines Tages in einem Ingenieursbüro auftauchte und nach Arbeit fragte. Und der dann wenig später als Zeichner von Eisenbrücken seinen Posten hatte – für 50 Dollar im Monat.

Das war 1904. Knapp dreissig Jahre darauf realisierte Ammann mit der bahnbrechenden George-Washington-Bridge seine erste «eigene» Brücke, nochmals drei Jahrzehnte später war er ein von Ehrungen, Orden und Auszeichnungen überhäufter Mann. Als Held bewundert wurde er auch in seiner alten Heimat, der Schweiz. So etwa von den Grosseltern von Martin Witz. Der Zürcher Regisseur erinnerte sich 2015 bei einer seiner Filmrecherchen zufällig an die Ammann-Begeisterung seiner Vorfahren – und war bald selber fasziniert.

Konflikt hinter Ingenieurs-Erfolg

Drei Jahre später hatte er das Leben des Ingenieurs mit «Gateways to New York» verfilmt. Nun, am Freitagabend, hat er den Dokumentarfilm im voll besetzten Kulturraum Thalwil den gut 50 Anwesenden präsentiert. Ihm sei wichtig, sagte er im anschliessenden Gespräch mit dem Publikum, zur historischen Figur verschiedene Aspekte der Zeitgeschichte hinzuzusetzen.

Trailer zum Dokumentarfilm über Othmar Ammann.

Und so gab es denn auch nicht nur die Geschichte eines Ingenieurs zu sehen, der mit seinen eleganten Stahlbrücken den Nerv der Zeit getroffen hatte. Witz‘ Film zeigt auch die Konflikte, die hinter den Erfolgen steckten – menschliche, politische oder wirtschaftliche. Etwa das Zerwürfnis Ammanns mit seinem einstigem Arbeitgeber und Mentor Gustav Lindenthal. Der strebte nach einem gigantischen Schlusspunkt seiner Karriere: einer Eisenbahnbrücke über den Hudson River. Und musste mitansehen, wie ihm sein junger Mitarbeiter die Idee stahl, als geradezu filigrane Autobahnbrücke umsetzte – und damit zum Star wurde.

Recherche im ETH-Archiv

Witz macht nicht nur das Hirn hinter den Brücken deutlich. Sondern auch die Hände, die sie gebaut haben. Seine Recherchen im ETH-Archiv hätten bald gezeigt, dass viele der Steelworker Indianer des Mohawk-Stamms seien. Er habe dann in einem kanadischen Reservat auf gut Glück nach Zeitzeugen gesucht, erklärte Witz zu einer Frage aus dem Publikum sein Vorgehen. Ein Glücksfall sei zudem gewesen, dass Ammann ein fleissiger Briefeschreiber gewesen sei. «Dadurch hat sich eine neue, persönliche Ebene eröffnet», erklärte der Regisseur.

Das Publikum zeigte sich denn auch von der Machart des Films begeistert. Diese fügt Brief- und Musikzitate, Erinnerungen von Zeitzeugen, Kommentare, historische und aktuelle Bilder zu einem kurzweiligen und atmosphärischen Ganzen. Dass dabei die spektakulären Höhen- und Konstruktionsaufnahmen besonders faszinierten, versteht sich von selbst.

Erstellt: 01.12.2019, 16:22 Uhr

Regisseur Martin Witz verfilmte Ammanns Leben. (Bild: PD)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles