Wädenswil/Au

Wie ein Bauer am Zürichsee für sein Land kämpft

Fünf Jahre lang hat Hansruedi Brändli gekämpft, um seinen Obst- und Weinbaubetrieb in der Au für die nächsten Generationen zu sichern. Nun verbucht der Landwirt einen Teilsieg.

Hansruedi Brändli und seine Frau Gerlinde bewirtschaften das Oberort in der siebten Generation.

Hansruedi Brändli und seine Frau Gerlinde bewirtschaften das Oberort in der siebten Generation. Bild: Michael Trost

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«Wir sind fast am Ziel», freut sich Hansruedi Brändli, Eigentümer des Obst- und Weinbaubetriebs Oberort. Nach langem Ringen mit der Stadt Wädenswil hat der Landwirt aus der Au mit seiner Einwendung gegen den kommunalen Richtplan Gehör gefunden. Bislang waren die drei Hektaren Land der Brändlis eine Reservefläche, für die der Richtplan langfristig eine Überbauung vorsah. Neu soll das Grundstück als «Landwirtschaftsfläche im Siedlungsgebiet» bezeichnet werden.

Diese Änderung ist für Hansruedi Brändli von existenzieller Bedeutung. Denn durch die grosse Bautätigkeit der letzten Jahre, ist der Brändlihof inzwischen eine der wenigen unverbauten Grünflächen in der Au: Statt Häusern reihen sich auf der Wiese zwischen Steinacher- und Alte Landstrasse Reben und Apfelbäume, Zwetschgen- und Kirschbäume. Stolz erzählt der Landwirt, dass gar südliche Früchte wie Mirabellen und Aprikosen hervorragend gedeihen. Sogar Marroni wachsen im Oberort. Mit Hilfe der eigenen Mostpresse werden die Äpfel zu Most. Überschüssiges Steinobst wird zu Kompott und Konfitüren verarbeitet oder auswärts zu Schnaps gebrannt. Sämtliche Erzeugnisse verkaufen die Brändlis im hofeigenen kleinen Laden. Daneben betreiben sie einen Gasthof mit Produkten vom Hof und aus der Region. «Es funktioniert einfach», fasst Bauer Brändli den 232-jährigen Familienbetrieb zusammen, welchen er in der siebten Generation bewirtschaftet.

Nein bleibt Nein

Obwohl Brändli entschlossen ist seinen Obst- und Weinbaubetrieb weiterzuführen, so weckte die grüne Oase in der Au die Baugelüste Dritter. Regelmässig habe er sich mit hartnäckigen Kaufinteressenten herumschlagen müssen, sagt Brändli. «Mehrmals pro Monat standen Immobilienhaie bei uns auf der Matte. Die einen wollen mein Land kaufen, die anderen wollen mich überreden es zu überbauen», sagt Brändli. Seine immer negativ ausfallenden Antworten stiessen auf taube Ohren. Auch Vertreter der Stadt Wädenswil hätten wiederholt nach seinen Plänen für das Land gefragt und eine Überbauung angeregt, sagt er.

«Ich will nicht reich werden, sondern meinen Betrieb für die nächsten Generationen erhalten.»
Hansruedi Brändli, Landwirt

Doch der Obstbauer blieb entschieden beim Nein. «Ich will nicht reich werden, sondern meinen Betrieb für die nächsten Generationen erhalten», sagt er. Sein jüngster Sohn will in seine Fussstapfen treten und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Obstfachmann.

Ein steiniger Weg

Rückblende: 2013 beantragte Brändli erstmals eine Überprüfung der Bauzonendimensionierung seines Grundstücks. Die Abteilung Planen und Bauen der Stadt Wädenswil befand damals in ihrem Bericht, dass die Zuweisung der Grundstücke in eine kommunale Landwirtschaftszone eine mögliche Option sei. Dies aufgrund der ausreichenden Baulandreserven der Stadt.

Der Stadtrat war jedoch anderer Meinung. Eine «Umzonung in kommunales Landwirtschaftsland» sei nicht möglich, weil hinter dem Antrag kein kommunales Interesse stehe, sondern einzig der Wunsch der Brändlis, heisst es im Stadtratbeschluss von Ende September 2014. Der Stadtrat Planen und Bauen, Heini Hauser (SVP), ist selbst Landwirt und versteht Brändlis Ansinnen. Doch er gibt zu bedenken, dass «der Entscheid, ob ein Stück Land überbaut wird, immer beim Besitzer liegt.» Niemand könne einen Grundeigentümer gegen dessen Willen dazu zwingen zu bauen.

Bei den Brändlis war die Enttäuschung ob dem negativen Entscheid der Stadt gross. Denn auch wenn sie niemand zur Überbauung ihres Landes zwingen könne, so zehrten die regelmässigen Besuche von Investoren an den Nerven. «Tun konnten wir zu diesem Zeitpunkt aber nichts mehr», sagt Brändli.

Mit der Gesamtrevision des kommunalen Richtplans Anfang 2017 wurden die Ängste der Familie Brändli erneut geschürt. Denn der Richtplanentwurf sah für das Oberort Wohnraum mit mittlerer Nutzungsdichte als langfristige Entwicklungsoption vor. Erneut wandte sich der kämpferische Landwirt aus der Au an die Stadt. In seiner Einwendung gegen den Richtplan verlangte er erneut, sein Grundstück der kommunalen Landwirtschaftszone zuzuweisen. Wie drei Jahre zuvor erhielt er eine negative Antwort. «Das war eine schwierige Zeit», sagt Brändli. Doch Aufgeben kam für ihn nicht in Frage.

Umgeben von Häusern, ist der Brändlihof mit seinen Reben und Obstbäumen eine grüne Oase in der Au.

Der zweite Anlauf klappt

Unterstützung fanden die Brändlis bei den Grünen der Stadt Wädenswil. «Bereits vor dem Richtplanentwurf haben wir in der Partei darüber diskutiert, wie Wädenswils Grünflächen am besten erhalten bleiben können», sagt Ulrich Reiter, Gemeinderat der Grünen und Mitglied der Raumplanungskommission. Hansruedi Brändli sei auf Vertreter der Grünen zugegangen und habe um Rat gebeten. «Wädenswil muss auch Lebensentwürfen Platz bieten, bei denen der Profit nicht an erster Stelle ist», sagt Reiter. Ausserdem verfüge Wädenswil über circa 30 Hektaren bebaubare Reservezonen. «Wenn Wädenswil sich so entwickelt wie bisher, dann reichen diese Reserven noch über 20 Jahre.»

Während die Grünen sich in einer Interpellation an den Stadtrat wandten, beantragte die Raumplanungskommission das Oberort als «Landwirtschaftsfläche im Siedlungsgebiet» zu bezeichnen. Dieser Antrag wurde im Gemeinderat einstimmig angenommen. «Das letzte Wort in der Sache hat der Kanton, weil das Land auf kantonalem Siedlungsgebiet liegt», sagt Stadtrat Heini Hauser. Bei einer Zustimmung wäre die Existenz des Oberorts für die nächsten Jahrzehnte gesichert. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.10.2018, 16:01 Uhr

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