Richterswil

Ehrentitel mit Nazi-Vergangenheit: Künstler lehnt ab

Der Schmuckkünstler Bernhard Schobinger wäre für sein Schaffen mit einem goldenen Ehrenring ausgezeichnet worden. Den Preis lehnte der Künstler jedoch ab. Grund: Die Verleihung des Goldenen Ehrenrings hat ihren Ursprung im Nationalsozialismus.

Bernhard Schobinger hat nicht vor, den Goldenen Ehrenring anzunehmen – wegen der Vergangenheit der Auszeichnung.

Bernhard Schobinger hat nicht vor, den Goldenen Ehrenring anzunehmen – wegen der Vergangenheit der Auszeichnung. Bild: Keystone

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Er hätte der Richterswiler Herr der Ringe werden können: Schmuckkünstler Bernhard Schobinger wurde zum Träger des Goldenen Ehrenrings gewählt, ein Preis, der in vielen Medienberichten als «Nobelpreis des Schmuckdesigns» bezeichnet wird. Verliehen wurde ihm dieser Preis von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst, ein elitärer Zirkel, der stark an eine Geheimloge gemahnt. Die Aufnahme in den erlauchten Kreis gilt als Ritterschlag der Goldschmiedekunst. Doch Bernhard Schobinger lehnt den Preis ab. Die Unvereinbarkeit seines Standpunkts mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Gesellschaft habe ihn von einer Annahme des Preises abgehalten.

«Als ich den Brief mit der Mitteilung über die Verleihung des Ehrenrings erhielt», erzählt Schobinger, «wollte ich mehr über die ominöse Gesellschaft für Goldschmiedekunst erfahren», erklärt Schobinger, der bereits mehrere Auszeichnungen erhielt, unter anderem vom Bundesamt für Kultur. «Als ich das Jahr 1933 als Anlass der ersten Vergabe sah, wurde ich hellhörig.» Weitere Klicks hätten «Schockierendes» zu Tage gebracht.

Schöpfer des Führerrings

Unter den Mitgliedern befinden sich zum einen international bekannte Schmuckkünstler wie der Brite Michael Rowe, der heute am Royal College of Art in London doziert, oder der Österreicher Peter Skubic, der durch seine unkonventionellen Schmuckgestaltungen zu einem Star der Szene avancierte. Doch auch Namen wie Ferdinand Richard Wilm und Karl Borromäus Berthold reihen sich auf der Liste der Ehrenringträger ein. Und diese Letztgenannten hinterlassen einen fahlen Nachgeschmack. So war etwa der Oberbefehlshaber der NS-Luftwaffe Hermann Göring ein gern gesehener Kunde von Ehrenringträger Ferdinand Richard Wilm. Karl Borromäus Berthold war als Mitglied des nationalsozialistischen Kampfbundes für deutsche Kultur verantwortlich für die Entlassung zahlreicher «entarteter» — wie er sie nannte — Professoren wie Willi Baumeister, Max Beckmann oder Richard Scheibe. Ausserdem erlangte er Bekanntheit als Schöpfer des «Führerrings», den er für Adolf Hitler fertigte. Als Bernhard Schobinger erkannte, in welche Linie der Titelträger er sich mit der Annahme des Preises eingereiht hätte, lehnte er den ihm verliehenen Ehrenpreis ab.

«Dass gerade reaktionäre Exponenten der Gesellschaft dafür verantwortlich sind, dass die Moderne in Deutschland vernichtet und Künstler wie Max Beckmann, die ich verehre, zur Emigration gezwungen wurden, ist für mein Empfinden ungeheuerlich», sagt Schobinger. Er wolle in keiner Weise mit dieser Gesellschaft in Verbindung gebracht werden.

Adler-Motiv auf Ehrenring

Dabei sei es ihm nicht leicht gefallen, den Preis abzulehnen, sagt Schobinger. Der «Goldene Ehrenring» sei ihm schon seit längerem ein Begriff gewesen. «Ausserdem kenne ich Preisträger wie Skubic, Smit oder Rowe, die mich für die Ehrung vorgeschlagen haben, persönlich», sagt er. Der Ehrenring wird jeweils alle drei Jahre von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst verliehen, um die künstlerische Leistung als Goldschmied oder vorbildliches Wirken bei der Heranbildung des Nachwuchses zu ehren. Der Berliner Goldschmied Ferdinand Richard Wilm gründete die Deutsche Gesellschaft für Goldschmiede 1932. Seine Idee, im alten Rathaus der Stadt Hanau ein Museum mit deutscher Schmuckkunst zu gründen, stiess beim nationalsozialistischen Regime auf Anklang. Nur kurze Zeit nach der Eröffnung wurde das Goldschmiedehaus bei einem Bombenangriff in Schutt und Asche gelegt und schliesslich von Karl Rehbein, einem Sozialdemokrat, wieder neu aufgebaut — ein klarer Bruch mit der nationalsozialistischen Vergagenheit, war Rehbein doch ein ehemaliger KZ-Häftling.

Für Schobinger geschieht die Abgrenzung zur nationalsozialistischen Ideologie jedoch nicht klar genug. Neben der Verbindung der Titelträgerzum Nationalsozialismus, die nicht von der Hand zu weisen sei, stösst sich Schobinger auch an der Bedingung, dass Gewinner dem Vorgänger einen Ring schmieden müssen, der die Darstellung eines Adlers trägt. Die Adler-Ikonografie stamme aus dem Dunstkreis der faschistischer Ideologien und werde nicht infrage gestellt. «Der Vergleich mit dem Nobelpreis entblösst sich als peinliche Hochstapelei», findet der Richterswiler kategorisch. Während der Nobelpreis hochdotiert sei, müsse der Preisträger des Ehrenrings die Produktionskosten des Rings selbst tragen.

Dass ein Künstler den Preis ablehne, sei noch nie vorgekommen, erklärt die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Goldschmiedekunst Christianne Weber-Stöber auf Anfrage. Die Nazi-Vergagenheit sei immer offengelegt und transparent kommuniziert worden. Der Adler sei in den Statuten des gemeinnützigen agierenden Gesellschaft verankert. Ihn gebe es im Übrigen als Symbol überall, er sei sowohl zur Zeit des Nationalsozialismus wie auch während der Bundesrepublik ein wichtiges Symbol gewesen. Die Verleihung werde mit einem Jahr Verspätung mit einem neuen Gewinner stattfinden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.11.2016, 18:05 Uhr

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