Bezirksgericht Horgen

Ehepaar soll sich Luxusleben ermogelt haben

Die Staatsanwaltschaft wirft einem Ehepaar aus dem Bezirk Horgen vor, sich mit allerlei Schlichen unrechtmässig bereichert zu haben. Dafür sollen sie je drei Jahre und 4 Monate ins Gefängnis.

Ein älteres Ehepaar musste am Dienstag vor dem Bezirksgericht in Horgen antraben.

Ein älteres Ehepaar musste am Dienstag vor dem Bezirksgericht in Horgen antraben. Bild: Dieter Seeger

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So respektabel stellt man sich Verbrecher nicht vor: Am Dienstag stand ein älteres, scheinbar vermögendes Ehepaar vor Gericht. Die 55-jährige Frau ist elegant gekleidet, ihre blondierten Haare fallen lang auf den Rücken. Er hat das gleiche Alter, ist gross und trägt einen schwarzen Anzug, der dem Sitz nach nicht von der Stange stammt. Als sie den Gerichtssaal betreten, legt er fürsorglich einen Arm auf ihren Rücken.

Geldgierig seien sie, sagt der Staatsanwalt. Schamlos hätten sie das Sozialsystem ausgenutzt und zeigten keinerlei Reue oder Einsicht. Mit dem ergaunerten Geld hätten sie nicht etwa ihre Schulden beglichen, sondern ihren hohen Lebensstandard aufrechterhalten. Die Beweislage sei «erdrückend». Sowohl der Mann wie die Frau sollen je drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis, fordert die Staatsanwaltschaft.

Dem beschuldigten Kaufmann und der HR-Managerin aus dem Bezirk Horgen wird unter anderem gewerbsmässiger Betrug vorgeworfen. Weil er angeblich psychisch angeschlagen war, zahlte eine Versicherung dem Kaufmann während zwei Jahren Krankentaggelder. Der Mann verschwieg, dass er in diesem Zeitraum 7 Monate zu 100 Prozent bei einer Immobilienfirma angestellt war, neben den Versicherungsgeldern also auch noch Lohn kassierte.

Mehrere Beschuldigungen

Seine Ehefrau half ihm bei der Vertuschung. Der Versicherung entstand ein Schaden von 91'000 Franken. Auch bei der IV-Stelle der SVA Zürich versuchte das Ehepaar Gelder zu erschleichen. Die Beschuldigte gab an, dass ihr Mann von zwei Ärzten behandelt werde, verschwieg aber, dass er arbeitete. Als die IV abschlägigen Bescheid gab, erhob sie sogar noch Einwand.

Weiter wird dem Ehepaar Pfändungsbetrug vorgeworfen. Sie sollen dem Betreibungsamt mehrfach Einkommen und Vermögen in Höhe von über einer halben Million Franken verschwiegen haben, damit ihr Hab und Gut nicht gepfändet wird. Als Folge stellte das Betreibungsamt Verlustscheine von fast 250'000 Franken aus.

Damit nicht genug, ist das Ehepaar auch beschuldigt, diverse Urkunden gefälscht zu haben, um Zugriff auf ihre Pensionskassengelder zu erhalten. Der Staatsanwalt klagt deshalb auch auf Vergehen gegen das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge. Ausserdem soll der Kaufmann von seiner kurzzeitigen Arbeitgeberin mit falschen Angaben Lohn ertrogen haben.

Das Ehepaar hält sich für unschuldig. Die Verteidiger der Ehefrau und des Ehemannes fordern in ihren mehrstündigen Plädoyers einen vollumfänglichen Freispruch. Sie zeichnen das Bild von einem Mann, der aus der Bahn geworfen worden war, als seine langjährige Arbeitgeberin ihm kündigte und er seine gute Position und das Einkommen verlor. Seine Ehefrau sei als Folge davon an einer bipolaren Depression erkrankt.

Er versteht Texte anders

Die Verteidiger widersprechen der Darstellung der Staatsanwaltschaft, dass das Ehepaar arglistig agiert und gewerbsmässig gehandelt habe. Sie werfen der Versicherung sogar vor, sich zu wenig um Klärung der Situation bemüht zu haben, andernfalls hätten sie die Unregelmässigkeiten früher entdecken und bereinigen können. Als der Verteidiger des Ehemannes ins Feld führt, sein Mandant litte an einer Leseschwäche, wegen der er Inhalte von Verträgen manchmal «anders verstehe, als sie geschrieben sind», runzeln mehrere der im Saal Anwesenden ungläubig die Stirn.

Obwohl der Mann und die Frau ihre Schuld während der Einvernahmen teilweise gestanden, verweigern sie während der Verhandlung jede Aussage. Erst zum Schluss ergreifen sie das Wort. Die Frau scheint um Fassung zu ringen, während sie kurz vorher den Staatsanwalt noch mit Blicken fixiert hatte. «Ich bin und ich gehe ehrlich durchs Leben», sagt sie. Wenn man durch missliche Umstände Schulden anhäufe, heisse das noch lange nicht, dass man nicht integer sei. Sie wirft der Staatsanwaltschaft unverhältnismässiges Handeln vor, man habe sie gedemütigt. Alle ihre Aussagen hätten nur dazu gedient, möglichst schnell aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden.

Ihr Mann spricht leiser. Er erzählt, wie ihn die Kündigung getroffen habe und er als Folge in eine tiefe Depression abgeglitten sei. Als seine Arbeitsversuche scheiterten, habe er die Selbstständigkeit forcieren wollen. Auch er klagt die Versicherung an, «simple Abklärungen» nicht getätigt zu haben. Wie das Gericht ihren Fall beurteilt, erfahren die Beschuldigten voraussichtlich am 25. Juni.

Erstellt: 12.06.2019, 15:34 Uhr

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