Wanderserie

Durch den grünen Urwald ins blaue Paradies

Die «Zürichsee-Zeitung» erkundet in ihrer Sommerserie die Region neu und begibt sich auf den Zürichsee-Rundweg. Ganz im Zeichen des Wassers steht denn auch die erste Etappe. Nur nach etwas hält man fast die ganze Zeit über vergeblich Ausschau.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Frage stellt sich auch nach ein paar Stunden noch: Wo bleibt er bloss? Der Zürichsee ist der grosse Abwesende auf der ersten Etappe der Wanderroute 84, obwohl diese nach ihm benannt ist. Kilometerlang gehts stattdessen dem Fluss entlang – der Sihl, die sich erst in der Stadt Zürich mit dem Wasser des Zürichsees vermählt.

Angefangen hat der Weg dort, wo die Ränder der Stadt ausfransen und ins satte Grün übergehen. Von den Häuserschluchten bei der Station Zürich Manegg gings rein ins Sihltal. Schön schattig ist es an diesem Samstagmorgen im Wald. Die Vögel zwitschern, hinter dem Dickicht ist das Rauschen des Wassers zu hören, zwischendurch erhascht man einen Blick auf die grünlich schimmernde Sihl – kein See also, dafür ein Meer aus Mücken, die um den Kopf schwirren. Und eine Armada aus Bikern, Joggern und Spaziergängern, die den Weg kreuzen.

Zwischen Adliswil und Langnau findet sich ein Wasserfall, der an den Bart eines Zwergen erinnert.

Je weiter man sich von der Stadt entfernt, desto weniger Leute sind unterwegs. Deshalb stört es nicht, dass sich der Weg zwischenzeitlich verschmälert, als er an einer Kläranlage vorbei führt. Grünes, trübes Wasser fliesst nun rechts vom Pfad, braunes, trübes Wasser gurgelt links davon in den Klärbecken. Der Rastplatz in unmittelbarer Nähe wirkt deshalb nicht sehr einladend – also: weiter gehts.

Feuerstellen mit Bänkli und Tischen direkt an der Sihl wird es noch genügend geben, ebenso zahlreiche Badeplätze. Wasser ist hier ohnehin allgegenwärtig. Das liegt nicht nur an der Sihl. Da ein Brunnen, an dem Wanderer kurz vor Adliswil ihre Trinkflaschen füllen können. Dort, zwischen Adliswil und Gattikon, ein Wasserfall, der stark bemoost ist und an den Bart eines Zwergen erinnert – oder, aufgrund der Grösse vielleicht passender: an einen Riesen. Und schliesslich der ehemalige Fabrikkanal Rütiboden, einst für die Textilindustrie angelegt und heute Lebensraum für Frösche und Bergmolche.

Barfuss durch die Sihl waten: Der Fluss bietet an zahlreichen Stellen Möglichkeiten zur Abkühlung.

In Sihlwald gehts sodann am Besucherzentrum des Wildnisparks vorbei und den Zimmerberg hoch, der Sihl und Zürichsee voneinander trennt. Jetzt hat man einen tiefgrünen Teppich vor Augen, ein naturbelassener Urwald breitet sich aus. Steil stapfen die Wanderer bergauf. Wer noch genug Schnauf hat, bringt aber vielleicht den Summstein, einen Felsblock am Wegrand mit einer höhlenartigen Nische, zum Erklingen. Ein paar Kinder versuchen es und schreien begeistert in das Loch.

Kinder schreien beim Summstein um die Wette.

Ihre Stimmen im Rücken und den geheimnisumwitterten Sihlwald mit seinen uralten Bäumen um sich erreicht man das Langmoos. Ruhig liegt das Moor da. Libellen kreisen über den mit Seerosen bewachsenen Weiher – schon wieder ein idyllisches Gewässer! Es scheint, als ginge es stets so weiter: noch ein Tümpel, erneut eine Pfütze, hier ein weiterer Bach und da ein Trinkbrunnen – aber weit und breit kein Zürichsee.

Das Feuchtgebiet Langmoos bietet Ruhe und Idylle.

Erst nachdem man die Autobahn unterquert hat, taucht er kurz vor dem Oberriedner Schützenhaus auf. Majestätisch und tiefblau liegt er den Wanderern zu Füssen, wenn sie aus dem Dunkel des Walds treten. Jetzt wirkt auf einmal alles heller, freundlicher. Bloss wünschte man sich anstelle des Rauschens der Autobahn jenes der Sihl zurück, während man auf dem Höhenweg Richtung Horgen Oberdorf wandert. Dort führt die Route schliesslich steil runter ins Dorf, wo man sich auf das freuen kann, was einem die ganze Wanderung lang vorenthalten worden ist: auf ein kühles Bad im See.

Michel Wenzler (Text und Bilder), Sabine Rock (Bilder), Martin Steinegger (Infografik)

Welches Plätzchen mögen Sie am Zürichsee besonders?

Erstellt: 17.07.2019, 14:15 Uhr

Serie

Wandern um den See

Die ZSZ wandert: Wir schicken Redaktoren vom rechten Seeufer auf die linke Seeseite, während Redaktorinnen vom linken Ufer die rechte Seite erkunden – abseits ihrer sonst üblichen Wege. In acht Etappen geht es auf der Route 84 um den Zürichsee. Heute: Etappe 1 von Zürich Manegg nach Horgen.

Der Zürichsee-Rundweg zum Nachwandern:
Route auf Google Maps ansehen (auch auf Mobilgeräten möglich).
Als GPX-Datei für GPS-Geräte oder Apps (keine Garantie für Kompatibilität mit Ihrem Gerät).

(red)

Zürichsee-Rundweg

«Das Potenzial ist nicht ausgeschöpft»

Mit grossen Erwartungen wurde vor zehn Jahren der Zürichsee-Rundweg mit der Nummer 84 eingeweiht. Rapperswil-Zürichsee-Tourismus hoffte, dass er zusätzliche Gäste aus dem In- und Ausland anziehen würde. Was hat der Weg aber tatsächlich gebracht? In Zahlen lasse sich das nicht messen, sagt Simon Elsener, Präsident von Rapperswil-Zürichsee-Tourismus. Der Weg werde jedoch von vielen Tagesgästen aus der Region genutzt, die im Umkreis von 10 bis 30 Kilometer wohnten und dadurch keine Logiernächte generieren würden. Elsener sagt aber auch: «Eine touristische Region lebt von der Vielzahl der Angebote. Der Zürichsee-Rundweg ist nebst den kommerziellen Angeboten wie Alpamare, Kinderzoo, Atzmännig, Insel Ufnau und der Schifffahrt eines davon.»

Allerdings räumt der Tourismusdirektor ein: «Das Potenzial des Wanderwegs ist für Einheimische sowie Touristen noch nicht ausgeschöpft.» Ihn besser zu vermarkten, sei aber nicht einfach, weil er sehr grossräumig sei. «Eine Vermarktung wie bei Erlebniswegen – etwa dem Klangweg im Toggenburg oder dem Spatz-Männi-Weg in Atzmännig – ist dadurch nicht möglich.»

Aktuell werde jedoch intensiv am Projekt Oberseerundweg gearbeitet. Dieser soll auf einem Teil des Zürichsee-Rundwegs aufbauen und ab 2020/2021 neue Möglichkeiten zur Vermarktung bieten. Im Zentrum steht dabei laut Elsener auch die Steigerung der Wertschöpfung bei den Leistungsträgern, sprich bei Hotels und ähnlichen Betrieben.

Und was sagen die Leute unterwegs über den Zürichsee-Rundweg? Eine Stichprobe auf der ersten Etappe ergab, dass sich kaum ein Spaziergänger oder Wanderer bewusst war, dass er sich auf diesem Weg befand. Und der freundliche Angestellte im Besucherzentrum des Wildnisparks sagte: «Diese Route kennt kaum jemand.» Bei uns erkundigt sich jedenfalls fast nie jemand danach.» (miw)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.