Horgen

Diese Strasse ist ein notorischer Unfallschwerpunkt

Der Hirzelpass ist Dauergast in den Verkehrsmeldungen. Der tödliche Unfall vom Dienstag ist trauriger Höhepunkt einer seit Jahren andauernden Serie von Kollisionen und Selbstunfällen. Eine Entschärfung der Strecke tut Not.

«Typischer» Unfall auf der Zugerstrasse zwischen Horgen und Hirzel: Diese Frontalkollision forderte am 3. März 2018 zwei Verletzte.

«Typischer» Unfall auf der Zugerstrasse zwischen Horgen und Hirzel: Diese Frontalkollision forderte am 3. März 2018 zwei Verletzte. Bild: Kapo ZH

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Als ob die Liste nicht schon lange genug gewesen wäre. In den letzten vier Jahren haben sich auf der Horgner Seite des Hirzelpasses rund ein Dutzend Verkehrsunfälle ereignet. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Jetzt ist auch ein Todesopfer zu beklagen. Ein 52-jähriger Motorradlenker fuhr am Dienstag frühmorgens bergwärts Richtung Hirzel als er in der sogenannten Rotweidlikurve aus noch unbekannten Gründen mit einem entgegekommenden Minivan kollidierte. Der Töfffahrer erlag noch auf der Unfallstelle seinen Verletzungen.

Seit Jahren als Unfallschwerpunkt gelistet

Die Unfallursachen ähneln sich. Oft gerät eines der Fahrzeuge auf die andere Strassenseite, wo es gegen ein anderes prallt. Manchmal ist zu hohe Geschwindigkeit im Spiel, zuweilen werden die Lenker von den engen Kurven überrascht. In einem Fall aus den letzten vier Jahren verunfallte eine Lenkerin ohne Fremdverschulden indem sie einen Baum rammte.

Der kaum 500 Meter lange Streckenabschnitt zwischen der Rotweidlikurve am Waldrand und der langgezogenen Kurve zum Restaurant Hanegg wird seit Jahren von der Kantonspolizei Zürich als Unfallschwerpunkt aufgelistet. Gemäss der im Oktober veröffentlichten Statistik steht der Hirzel erst auf Stufe «Koordination Fachstellen». Das ist ein frühes Stadium der Problemerkennung verglichen mit anderen Unfallschwerpunkten. Dort heisst es etwa «Massnahmen umgesetzt» oder «Projekt in Planung».

Die Infografik zeigt eine Auswahl von schweren Unfällen, die sich auf dem Streckenabschnitt in den letzten Jahren ereignet haben:

Bei Darstellungsproblemen klicken Sie bitte hier. Grafik: Martin Steinegger

Zuständig ist der Bund

Patrick Eberting ist Leiter der Abteilung Verkehrstechnik in der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) des Bundes. «Wir befassen uns erst mit einer Strasse, wenn wir darum gefragt werden», sagt er. Das sei jüngst etwa beim Gubristtunnel oder bei der Strecke über den San Bernardino der Fall gewesen.

Eberting beschreibt, wie seine Beratungsstelle vorgeht. Zuerst würde die Situation vor Ort begutachtet mit Blick auf Bau und Lage der Strasse sowie Zustand des Belags. «Wir machen uns ein Bild, ob alles den Normen und dem Stand des Wissens entspricht», erklärt er.

Dann fliessen die Analysen der Unfälle in den Ist-Zustand. War es ein Schleuder- oder ein Auffahrunfall, war es eine Frontalkollision? Wie schnell fuhren die Fahrzeuge, war es dunkel, nass oder eisig? Ergeben sich gemeinsame Nenner, kann das Bfu Massnahmen empfehlen.

Bfu: «Wurden noch nicht gefragt»

Die Massnahmen reichen von einer Geschwindigkeitsbegrenzung über Markierungen, Kurvenanzeigen bis zur Linienführung und Umbau der Strasse. Je nachdem, ob es um Signalisationen oder um bauliche Massnahmen geht, wären bei der Umsetzung Kantonspolizei oder kantonales Tiefbauamt zuständig. Aber zunächst müsste der Kanton auf das Bfu zukommen, sagt Eberting.«Beim Hirzel wurden wir noch nicht gefragt.» Anfragen der Redaktion konnte die Kantonspolizei noch nicht beantworten.

Die Abteilung Verkehrstechnik in der Beratungsstelle für Unfallverhütung (Bfu) des Bundes wird bei gefährlichen Strassenabschnitten erst aktiv, wenn sie gefragt wird. Das Bild zeigt die Bergstrasse in Stäfa. Bild: Sabine Rock

Erstellt: 09.04.2019, 20:54 Uhr

Weitere gefährliche Strassen rund um den See

Wo es auch noch häufig kracht

Im Bezirk Meilen führt die Kantonspolizei in ihrer aktuellen Statistik fünf Unfallschwerpunkte auf: Hombrechtikon (Krezung Oetwiler-/Grüningerstrasse), Meilen (Einmündung Seestrasse/Höhe Schiffstation), Stäfa (Einmündung See-/Bahnhofstrasse und die Kreuzung Stucki-/Langholzstrasse) sowie Zollikon (Einmündung See-/Bahnhofstrasse). Die subjektive Meinung in der Dorfbevölkerung verlängert aber diese Liste.

In Stäfa zum Beispiel ist der oberste Teil der Bergstrasse berüchtigt. In der 90-Grad-Kurve vor der «Passhöhe» Richtung Oetwil kommt es häufig zu Unfällen. Erst vor zwei Wochen durchbrach dort ein Auto den Zaun einer Pferdekoppel, überschlug sich im steilen Gelände und blieb nach 200 Metern in der Wiese liegen. Die Lenkerin erlitt mittelschwere Verletzungen, ihr Wagen Totalschaden. Im Dorf hiess es gleich «Schon wieder hat es dort gekracht» und «Das war schon der dritte Unfall in diesem Jahr an dieser Stelle».


Die Bergstrasse in Stäfa. Archivfoto: Christian Dietz-Saluz

Ebenfalls bezeichnet der Volksmund die Hohrütistrasse zwischen Küsnacht und Forch als Unfallschwerpunkt. Hier ereignen sich immer wieder schwere Unfälle, im Oktober 2012 sogar mit Todesfolgen. Vor allem nasses Herbstlaub, Schnee und Eis machen diese Strecke gefährlich.


Die Hohrütistrasse in Küsnacht. Archivfoto: Manuela Matt

In Zollikerberg orten die Bürger grosse Unfallgefahr auf der Binzstrasse nach Maur. Sie fordern eine Ausweitung von Tempo 50 statt 80 km/h, weil es wegen übersetzter Geschwindigkeit oder brüsker Bremsmanöver immer wieder zu Unfällen und gefährlichen Situationen käme. Im Januar 2018 kollidierte zum Beispiel ein Auto beim Überholen frontal mit einem entgegenkommenden Wagen. Beide Lenker wurden verletzt. Die Kantonspolizei lehnte das Begehren ab. Die Zahl der Verkehrsunfälle auf der Binzstrasse sei in den letzten zehn Jahren vergleichsweise tief gewesen. Es habe auch wenige Verletzte gegeben, weshalb kein Unfallschwerpunkt festgestellt werden könne.

Unbestritten sind die aktuell neun offiziellen Unfallschwerpunkte im Bezirk Horgen: Adliswil (Bucheneggstrasse/Kurve Weierbach), Hirzel (Zugerstrasse/Chelen), Horgen (See-/Bahnhofstrasse und Kurve Zugerstrasse/Rotweidli, Hütten (Chneu-Strasse/Finsterseehalden), Kilchberg (See-/Hornhaldenstrasse), sowie Wädenswil (Seestrasse/SOB-Übergang, Zuger-/Rietwisstrase/Kreisel Neubühl und Zugerstrasse/Ein-Ausfahrt A3). Nicht mehr den Status Unfallschwerpunkt führt eine Stelle in Adliswil. Im Bereich Florastrasse/Albisstrasse zählte man 2011/2012 elf Unfälle mit drei Verletzten. Nach einer Massnahme zur Verkehrsberuhigung blieb es lange ruhig bis sich 2015 erneut ein tödlicher Fussgängerunfall ereignete.

Christian Dietz-Saluz

Definition

Was ist ein Unfallschwerpunkt?

Im Schweizer Strassennetz entstehen immer wieder Unfallschwerpunkte. Diese werden rasch durch bauliche Massnahmen oder Geschwindigkeitsbeschränkungen entschärft. Als Unfallschwerpunkt gilt laut Bundesamt für Strassen (Astra), wenn innerhalb von drei Jahren innerorts in einem Umkreis von 50 Metern oder 150 Metern ausserorts Unfälle mit mehr als fünf Punkten registriert werden. Tote und Schwerverletzte ergeben zwei Punkte, Leichtverletzte einen Punkt. (di)

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