Langnau

Die Wahl zwischen grosser politischer Erfahrung und lokaler Verankerung

Der ehemalige Zürcher Staatsschreiber Beat Husi (CVP) und der aktuelle Langnauer Finanzvorstand Reto Grau (FDP) wollen am 4. März Langnauer Gemeindepräsident werden. Im Gespräch sagen sie, was sich im Dorf ändern muss.

Thema neue Bau- und Zonenordnung: Beat Husi (links) plädiert für eine schnelle Umsetzung, für Reto Grau hat die Revision nicht erste Priorität.

Thema neue Bau- und Zonenordnung: Beat Husi (links) plädiert für eine schnelle Umsetzung, für Reto Grau hat die Revision nicht erste Priorität. Bild: Sabine Rock

Beat Husi, als ehemaliger Zürcher Staatsschreiber haben Sie die nötige Erfahrung und Kompetenz für das Amt des Gemeindepräsidenten. Ihr Problem ist jedoch, dass Sie durch Ihre Tätigkeit nicht bereits früher in die Langnauer Politik einsteigen konnten und man Sie deshalb kaum kennt.
Beat Husi: Das kann ein Nachteil sein, ja. Es ist nun einmal so, dass einem Staatsschreiber von Gesetzes wegen ein politisches Amt auf kommunaler Ebene nicht erlaubt ist. Ich wohne aber mittlerweile seit 20 Jahren in Langnau, meine Kinder sind hier zur Schule gegangen. Und ich habe auch bereits Erfahrung als Lokalpolitiker. Ich war vor meiner Tätigkeit als Staatsschreiber von 1986 bis 1995 Gemeinderat in Kilchberg.

Reto Grau, im Gegensatz zu Beat Husi sind Sie im Dorf gut bekannt. Unter anderem deshalb, weil Sie bereits als Finanzvorstand im Langnauer Gemeinderat tätig sind. Die Finanzlage in der Gemeinde ist jedoch seit langem in Schieflage, sie konnten das Problem nicht abschliessend lösen. Warum soll man Sie nun mit dem Amt des Ge­meinde­präsi­den­ten belohnen?
Reto Grau: Wir haben in Langnau momentan die Situation, dass grosse Investitionen getätigt werden müssen. Dennoch habe ich als Finanzvorstand zwei Sparpakete umgesetzt. Im Jahr 2014 haben wir dabei rund 620 000 Franken eingespart. Im Jahr darauf haben wir jedes Konto nochmals durchleuchtet, wobei sich herausgestellt hat, dass 84 Prozent sämtlicher Ausgaben in Langnau als gebundene Ausgaben gelten. Das hat unsere Möglichkeiten für weitere Einsparungen eingeschränkt. Nun zu Ihrer Frage, warum ich mit dem Amt des Gemeindepräsidenten belohnt werden soll. Gerade weil ich seit acht Jahren als Finanzvorstand tätig bin, bringt mich das Präsidialamt in die Lage, mit mehr Übersicht und Einfluss die Gesamtfinanzlage besser in den Griff zu bekommen. Insofern belohnt sich der Stimmbürger selbst.

«Wir müssen die Finanzlage verbessern. Ich will versuchen, potente Steuerzahler nach Langnau zu holen.»Reto Grau

In den nächsten Jahren kommen weitere gebundene Kosten auf die Gemeinde zu. Beispielsweise muss die Turnhalle Im Widmer erneuert werden. Auch das Gemeindehaus muss irgendwann saniert werden. Wie verhindern Sie, dass sich die Finanzlage nicht weiter verschlechtert?
Husi: Gebunden heisst nicht unbeeinflussbar. Wir werden in den nächsten Jahren nur zurückhaltend investieren können, sollten aber den Erneuerungsunterhalt nicht aufschieben. Auf der anderen Seite müssen wir die Attraktivität der Gemeinde steigern und damit weitere gute Steuerzahler anlocken.

Grau: Ich will versuchen, neues Gewerbe nach Langnau zu bringen, um damit die Einnahmen zu erhöhen. Wir sind ein guter Standort. Langnau gilt als grüne Perle von Zürich und ist gut erschlossen. Das kann spannend sein für Firmen, die beispielsweise im IT-Bereich tätig sind. Dabei wird wichtig sein, dass die Gemeinde einen schnellen Internetanschluss gewähren kann. Hier braucht es vertiefte Gespräche mit den Netzanbietern.

Das angesiedelte Gewerbe hat es in Langnau nicht einfach. Obwohl die Gemeinde mit dem Wildnispark Zürich einen Nachbarn hat, der jedes Jahr Tausende von Besuchern anlockt, können die ansässigen Geschäfte nicht davon profitieren. Wie kann man das ändern?
Grau: Die Besucher parkieren auf den Parkplätzen des Wildnisparks im Oberdorf und kommen damit eigentlich nicht mit dem Dorfzentrum in Berührung. Das hat auch seine Vorteile. So fahren nicht Tausende Autos durch unser Dorf. Zudem hat der Wildnispark eigene Restaurants, die Besucher sind also nicht darauf angewiesen, sich im Dorf zu verpflegen. Als Gemeinde sind wir gefordert, den Dorfkern für die Besucher attraktiver zu machen. Auch das Gewerbe selber hat hier noch keine Lösung gefunden.

«Ich wohne bereits seit 20 Jahren in Langnau und habe Erfahrung  in der Lokalpolitik.»Beat Husi

Husi: Ich glaube, wir müssten auch von der Gemeindeseite her den Beitrag mehr würdigen, den der Wildnispark zu unserer Attraktivität beiträgt. Wenn Auswärtige von Langnau sprechen, dann kennen sie meistens den Wildnispark. Das müssen wir zu unserem Vorteil nutzen. Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch, dass sich einige Dorfbewohner an den Nutzungseinschränkungen aufgrund der Schutzzonen stören.

Alle Gemeinden des Kantons müssen in den nächsten Jahren ihre Bau- und Zonenordnung revidieren. Sollte das in Langnau schnell passieren oder würden Sie abwarten?
Grau: Der Aufwand einer solchen Arbeit darf nicht unterschätzt werden. Wir sind in der Verwaltung bereits jetzt massiv ausgelastet. Darum hat eine solche Revision für mich nicht erste Priorität. Ich plädiere kurzfristig für ein Abwarten. Wir können Zeit sparen und Fehler vermeiden, wenn andere Gemeinden bereits erste Erfahrungen mit der Revision gemacht haben.

Husi: Ich bin hier für eine schnellere Umsetzung. Und ich unterschätze diese Arbeit ganz und gar nicht. Als Gemeinderat in Kilchberg habe ich bereits eine Revision der Bau- und Zonenordnung umgesetzt. Wenn wir die Revision aktiv angehen, können wir zeitnah auf die veränderten Bedürfnisse der Grundeigentümer eingehen. Mir ist aber bewusst, dass wir dabei die Hilfe eines externen Planers benötigen und die Verwaltung nicht die ganze Arbeit übernehmen kann.

Eine kleine Gemeinde wie Langnau muss sich auch immer wieder gegen den Einfluss von aussen bewähren. Kürzlich wurde publik, dass der Kanton einen Teil des Sihluferwegs schliessen will. Die Bewohner im Gartendörfli befürchten, dass sie teilweise enteignet werden könnten, weil die SZU den Ausbau zur Doppelstrecke plant. Wie kann man hier im Sinne der Langnauer Bevölkerung intervenieren?
Grau: Wichtig ist, dass die Kommunikation mit der Bevölkerung funktioniert. Dass wir wissen, wo wir kämpfen müssen. Wenn wir die Bedürfnisse kennen, scheuen wir die Konfrontation nicht.

Husi: Als ehemaliger Staatsschreiber bin ich kantonal gut vernetzt. Das ist ein Vorteil für solche Situationen. Wichtig ist, dass alle infrage stehenden Interessen in Betracht gezogen werden. Zum Beispiel beim Streckenausbau der SZU. Hier werden wir dafür kämpfen müssen, dass die Grundbesitzer nicht enteignet werden. Aber auch dafür, dass wir die bestmögliche Anbindung erhalten.

Grau: Wir müssen unsere eigenen Ideen einbringen. Dass die SZU nun den Ausbau auf der Seite der Sihltalstrasse in Betracht zieht und die Grundeigentümer im Gartendörfli damit verschont werden könnten, war eine Idee, welche vom Gemeinderat eingebracht wurde.

Husi: Genau. Die lokalen Behörden müssen in solchen Gesprächen selbstbewusst auftreten. Solche Projekte werden von Menschen geplant, die meistens mit den lokalen Gegebenheiten nicht sehr vertraut sind und für konstruktive Ideen ein offenes Ohr haben.

Sprechen wir über die verschiedenen Generationen in Langnau. Zuerst über die Senioren. In Adliswil wurden kürzlich die Alterseinrichtungen der Stadt privatisiert. Auch in Horgen kommt es zu einer ähnlich gelagerten Abstimmung. Wäre das auch ein gangbarer Weg für Langnau?
Grau: Das ist momentan für mich kein Thema. Ich glaube auch nicht, dass wir dadurch grössere Einsparungen verbuchen könnten. Das Altersheim ist selbsttragend, die Gemeinde müsste nur einspringen, wenn Verlust geschrieben wird. Mit dem geplanten Bau von weiteren Alterswohnungen direkt neben dem Altersheim können wir mit der momentanen Situation verstärkt Synergien nutzen.

Husi: Die Frage ist, ob ein privater Anbieter effizienter wäre als die Gemeinde. Das glaube ich nicht. Die Strategie des Gemeinderats in Altersfragen ist die richtige.

Für die ältere Generation ist also gesorgt. Die jüngeren Generationen haben hingegen keine lokalen Ausgangsmöglichkeiten. Auch ein Jugendhaus fehlt.
Grau: Wir machen in Langnau vieles richtig, auch für jüngere Generationen. Das zeigt unter anderem der Fakt, dass viele Menschen wieder zurück nach Langnau ziehen, wenn sie eine Familie gründen. Eigeninitiative wird bei uns im Gemeinderat gerne gesehen und wird auch den Möglichkeiten entsprechend unterstützt. So hat der Fussballclub ein viel besseres Vereinslokal erhalten als ursprünglich geplant, initiative Jugendliche konnten eine Bar im alten Postgebäude eröffnen, und auch das Turbine-Theater wird den Ti­cket­ver­käu­fen entsprechend unterstützt.

Husi: Wir haben in Langnau fast 70 Vereine. Das ist ein Ausdruck für eine lebendige Gemeinde. Für mich ist zentral, dass der Gemeinderat neuen Ideen keine Steine in den Weg legt. Bei neuen Projekten könnten wir beispielsweise bei der Erschliessung behilflich sein. Oder bei der Erstellung eines Parkierungskonzepts.

Nehmen wir an, Sie werden am 4. März zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Welchen Schwerpunkt würden Sie für sich definieren?
Grau: Wir müssen die Finanzlage verbessern. Ich würde versuchen, potente Steuerzahler nach Langnau zu holen. Dazu gehört auch, dass wir unser Standortmarketing über­arbei­ten und viel aktiver werden: Gestalten statt verwalten, ist mein Motto. Andererseits wäre ich nicht zu hyperaktiv. Wir machen bereits vieles richtig in Langnau, haben aber noch Steigerungspotenzial mit neuen Ideen.

Husi: Ich würde erst einmal zuhören. Dann würde ich analysieren, welche Probleme bereits richtig angegangen werden und welche Ideen es wert sind, dass man sie weiterverfolgt. Wichtig wäre mir auch, dass der Gemeinderat ein Team ist und alle am gleichen Strick ziehen. Wir brauchen in erster Linie einen starken gemeinsamen Auftritt und keine Einzelkämpfer. (Pascal Münger) (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.02.2018, 15:30 Uhr

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