Wädenswil

Eine Wädenswiler Institution schliesst seine Türen

Für rund 20 Jahre gehörte der «Club Industrie» zum Kulturleben der Stadt Wädenswil. Nun löst sich der Verein aber auf. Die Gründe sind vielfältig.

Noch im Januar 2018 feierte der Club seine Neueröffnung. Nun schliesst das «Industrie» endgültig seine Tore.

Noch im Januar 2018 feierte der Club seine Neueröffnung. Nun schliesst das «Industrie» endgültig seine Tore. Bild: Patrick Gutenberg

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Als die Pforten des Club Industrie vor rund eineinhalb Jahren nach einer längeren Umstrukturierungs- und Umbauphase neu eröffnet wurden, blickten die Verantwortlichen mit viel Zuversicht in die Zukunft. Das neue Team brachte frischen Wind in die renovierten Räume. Nun nach nur zwei Saisons ist Schluss. Der Verein ist am Sich-Auflösen, und die Räumlichkeiten werden wieder der Stadt Wädenswil übergeben.

«Momentan fühlt es sich fast gut an, dass diese Ära zu Ende geht. Eine grosse Last fällt weg», so Mario Carpanetti vom Club Industrie. Carpanetti war im Vorstand und erklärt, wie gross und teilweise auch frustrierend der Aufwand war, den Clubbetrieb aufrechtzuerhalten: «Man ist monatelang am Planen und Werben. Am Event selber wird pausenlos gearbeitet, und am Ende hört man nur, was alles nicht funktioniert hat.» Dem Verein fehlte Personal. Trotz unzähliger Versuche, Mithilfe für den Verein zu finden, konnte das kleine Team, welches seit 2017 aus knapp zehn Mitgliedern besteht, niemanden zur Ergänzung finden. «Die Leute meldeten sich und boten ihre Hilfe an, wollten dann aber ihren Stundenlohn kennen», sagt Carpanetti. Der Club Industrie ist jedoch ein Verein, welcher seit seiner Gründung 1998 ehrenamtlich arbeitet und keine Löhne auszahlt.

Seit 20 Jahren im Dorf

Die Geschichte des Vereins ist turbulent. Weil die Nachtzüge noch nicht stündlich verkehrten und Zürich deshalb fern lag, waren die Jugendlichen vor rund 20 Jahren auf der Suche nach einem lokalen Standort für Konzerte und Partys. Im Sust-Haus beim Bahnhof Wädenswil fand man die geeigneten Räume. Schon ein paarmal stand der Fortbestand des Vereins auf der Kippe. Immer mehr Mitglieder, welche seit Beginn dabei waren, gaben den Austritt. Im Herbst 2017 haben sich die rund zehn Jugendlichen zusammengetan, um den Club Industrie im Januar 2018 nochmals neu zu eröffnen.

«Momentan fühlt es sich fast gut an, dass diese Ära zu Ende geht. Eine grosse Last fällt weg.»Mario Carpanetti 
vom Club Industrie

Doch nicht nur das wenige Personal führte in diesen eineinhalb Jahren zur Auflösung des Vereins. Auch die fehlenden Besucherzahlen sorgten für finanzielle Belastungen. Gründe dafür liegen laut Mario Carpanetti zum einen darin, dass die Jugendlichen heute lieber nach Zürich in den Ausgang gehen. Zum anderen aber auch darin, dass viele zu wenig Bescheid wussten über die Events. Der Club Industrie hat vor allem über soziale Medien Werbung betrieben. «Aber heute wird man mit Werbung auf sozialen Medien überflutet. Deshalb wäre es besser gewesen, mit Flyern oder Plakaten auf unsere Konzerte aufmerksam zu machen», sagt Carpanetti. Dafür fehlte dann wieder das Personal.

Räume sollen bleiben

Wädenswil soll seinen Kulturschuppen jedoch nicht ganz verlieren: Aurel Greter, Dienstleiter Soziokultur Wädenswil, bestätigt, dass es auch im Interesse der Stadt liegt, die Räume weiterhin für kulturelle Anlässe zu nutzen. Zurzeit würden sie zusammen mit der Stadt diskutieren, wie die bestehende Infrastruktur weiter genutzt werden kann.

«Die Stadt wird aus dem Raum sicher keine Büros machen», betont auch Stadtpräsident Philipp Kutter auf Facebook. Er bedauert, dass das «Indu» schliesst, aber manchmal brauche es einen Neubeginn, gerade in der Jugend-Kultur.

«Die Bereitschaft der Bevölkerung, sich ehrenamtlich zu engagieren, ist vorhanden. Nun braucht es einfach wieder etwas Neues am Standort Wädenswil», sagt Aurel Greter. Wie auch Carpanetti vom Club Industrie betont auch Greter, dass das Bedürfnis nach einem lokalen Treffpunkt mit kulturellem Angebot gross ist. Insbesondere über 30-Jährige würden ein solches Angebot schätzen. Er spekuliert deshalb auf eine Lösung, die sowohl für Jugendliche wie auch für die ältere Generation etwas bietet.

Erstellt: 05.06.2019, 15:29 Uhr

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