Wanderserie

Die Tour der schönen Ausblicke

Die Strecke von Richterswil nach Pfäffikon des Zürichsee-Rundwegs verlangt den Wanderern einiges ab. Doch die Etappe, die über den Etzel führt, beeindruckt auch durch ihre Vielfalt.

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Es ist eine überwältigende Aussicht, die sich dem Betrachter bietet. So unscheinbar die Wiese oberhalb Pfäffikons ist, so sehr lohnt es sich, sie zu erklimmen: Azurblau leuchtet der Zürichsee und mittendrin liegen wie zwei grüne Kleinode die Inseln Ufenau und Lützelau. Wie Perlen sehen dabei die Motor- und Segelboote aus, die sich um die Inseln herum scharen.

Die Etappe von Richterswil nach Pfäffikon gilt als Königsetappe des Zürichsee-Rundwegs. Sie ist nicht nur schön, sondern auch ganz schön anstrengend. Die gelben Schilder mit der Nummer 84 führen Wanderer nämlich steil bergauf zum Etzel bis auf 1098 Meter über Meer. Gutes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit sind unabdingbar.

Sisi, eine Österreichische Pinscher-Hündin, welche die ZSZ-Redaktorin und den -Fotografen an diesem sonnigen, aber nicht zu heissen Tag begleitet, verfügt zweifellos über diese Trittsicherheit. Sie trabt motiviert und mit Bällchen in der Schnauze den Kiesweg hoch, der sich vom Bahnhof Richterswil her durch die Wohnquartiere schlängelt. Die Orts- und damit auch die Kantonsgrenze überquert man unbewusst und schreitet bereits vor der Unterquerung der Autobahn über Wollerauer, sprich Schwyzer Felder.

Im Quartier Oswäldli passiert es: Die gelben Schilder mit der 84 sind verschwunden. Das ZSZ-Trio hat sich verlaufen. Auch das Zurückkehren an die letzten gelben Wanderweg-Schilder hilft nicht. Erst eine hilfsbereite Anwohnerin bringt die Wende. Sie hat zwar noch nie vom Zürichsee-Rundweg gehört, aber gibt den entscheidenden Tipp, zur Hauptstrasse zu gehen. Plötzlich taucht wieder ein rettendes Schild auf.

Der Weg durch das Naturschutzgebiet Dreiwässern bietet Entspannung fürs Auge.

Im Erlenmoos und Äsch geht es an zahlreichen Bauernhöfen vorbei. Auf einem dieser Höfe demonstriert der dortige Hund mit seiner Körpersprache sogleich, wer hier das Sagen hat. Der Blick ist selbstbewusst, die Rute dominant erhoben. Werden wir mit Sisi den Weg, der direkt über den Hof führt, problemlos passieren können? Doch die Sorge ist unbegründet: Es handelt sich um einen Rüden, der einer Hundedame noch so gerne und galant wedelnd das Durchgangsrecht gewährt.

Alsbald erreichen wir das Dorf Schindellegi. Nachdem dieses durchquert ist, geht es ins Grüne. Der Weg führt oberhalb der Sihl durch das Naturschutzgebiet Dreiwässeren. Kleine Wasserfälle plätschern über ockerfarbenes Gestein, Ringelblumen strecken ihre gelben Blüten empor, und in den Tümpeln am Wegrand lassen sich Frösche entdecken. Die Luft ist wunderbar frisch, nur die Helikopter, die vom nahen Heliport starten, stören die Ruhe. Weiter gehts auf einer Brücke über die Sihl. Es folgt eine Landschaft, in der sich Agrarland und Wald abwechseln. Wer eine Rast braucht, kann diese im Restaurant Büel einlegen.

Die Panzersperren am Etzel stammen noch aus der Zeit des 2. Weltkriegs.

Besonders idyllisch führt der Weg über eine Blumenwiese steil bergan. Auf dieser spriessen lila Glockenblumen, gelber Löwenzahn und weisse Schafsgarben. Plötzlich scheint es zudem, als würde der Boden zum Leben erwachen. Hunderte, vielleicht sogar Tausende Grashüpfer springen von einem Halm zum nächsten. Es herrscht ein unbeschreibliches Gewusel. Nur Hündin Sisi interessieren die hüpfenden Insekten nicht. Springende Würstchen wären ihr lieber gewesen.

Doch nicht nur die Natur gilt es zu entdecken, sondern auch die Historie. So verläuft eine massive militärische Sperrlinie durch die Wiesen. Bei den Zacken aus Beton handelt es sich um die Sperre Etzel-West, die bei einer Invasion während des Zweiten Weltkriegs hätte verhindern sollen, dass die Nazis in Richtung Sihlsee vordringen. Die Invasion kam nie, doch die Sperrlinie ist geblieben. Interessierte können sich die Sperren am Etzel von der Stiftung Schwyzer Festungswerke in Führungen erklären lassen.

Vom Etzel-Kulm aus bietet sich eine fantastische Aussicht.

Oben angekommen – das freut auch Hündin Sisi.

Nun nehmen wir die letzte Passage vor dem Gipfel in Angriff und erspähen dabei einen Fuchs, der beinahe regungslos auf einer Wiese steht. Und plötzlich sind wir ganz oben, auf 1098 Metern. Nach einer Stärkung mit Wurst-Käse-Salat – und einer Kaustange für den Hund – geniessen wir die Aussicht vom Berggasthaus Etzel-Kulm aus. Vier Seen gibt es zu bestaunen: Ganz nahe liegt der Sihlsee mit Einsiedeln, aber auch der Zürichsee zeigt sich in voller Pracht von Zürich bis Rapperswil. Des Weiteren sieht man den Greifen- und den Pfäffikersee. In Richtung Innerschweiz zeigt sich ein beeindruckendes Bergpanorama mit dem markanten Grossen und Kleinen Mythen sowie bei klarer Sicht sogar mit dem Tödi.

Der Weg vom Etzel nach St. Meinrad gibt schon einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt: Steil abwärts führende Pfade mit Steinen und von Wurzelwerk überwuchert. Hier ist höchste Konzentration gefragt, um nicht abzurutschen. Entspannung zumindest für das Auge bietet die pittoreske Etzelkapelle St. Meinrad. Sie wurde im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt und 1698 neu aufgebaut. Das Gasthaus nebenan war ursprünglich ein hölzernes Pilgerhaus, das nach einem Brand 1759 neu errichtet wurde. Hier überschneiden sich der Zürichsee-Rundweg und die Via Jacobi, also der Jakobsweg, auf einer kurzen Strecke.

Der Weiler St. Meinrad lädt zum Verweilen ein.

Nun geht es zackig runter in Richtung Pfäffikon. Es ist waldig und der Weg teilweise sehr schmal. Ein Schmunzeln entlockt uns ein Aussichtspunkt in unmittelbarer Nähe der A3. Der Ausblick mag betören, die Geräuschkulisse tut es definitiv nicht. Für Sisi sind die Pausen trotzdem eine willkommene Unterbrechung. Immer wieder legt sie sich nach mehr als fünf Stunden Wandern ins Gras und schaut fragend: Ist es noch weit? Nein, ist es nicht.

Oberhalb Pfäffikons eröffnet sich ein schöner Ausblick auf den Zürichsee.

Es geht am Lützelhof und am Hotel Sternen vorbei, bevor der Bahnhof Pfäffikon in Sichtweite kommt. Nach 17 Kilometern, 780 Höhenmetern hinauf und 760 hinunter sind wir hundemüde.

Text: Philippa Schmidt, Bilder: Moritz Hager, Infografik: Martin Steinegger

Erstellt: 30.07.2019, 11:56 Uhr

Serie

Wandern um den See

Die ZSZ wandert: Wir schicken Redaktoren vom rechten Seeufer auf die linke Seeseite, während Redaktorinnen vom linken Ufer die rechte Seite erkunden – abseits ihrer sonst üblichen Wege. In acht Etappen geht es auf der Route 84 um den Zürichsee. Heute: Etappe 3 von Richterswil nach Pfäffikon.

Der Zürichsee-Rundweg zum Nachwandern:
Route auf Google Maps ansehen (auch auf Mobilgeräten möglich).
Als GPX-Datei für GPS-Geräte oder Apps (keine Garantie für Kompatibilität mit Ihrem Gerät). (red)

Tipps für Hundehalter

Die Route führt hauptsächlich durch den Kanton Schwyz, wo Leinenzwang herrscht. Da der Weg öfter an Bauernhöfen vorbeiführt, wo es auch Hofhunde gibt, eignet sie sich nur für verträgliche beziehungsweise konfliktscheue Hunde. Vorsicht ist zudem angesichts der Elektrozäune entlang von Feldern und Kuhweiden geboten. Man sollte Wasser und eventuell einen Napf für den Hund mitnehmen, da die Zahl der Brunnen begrenzt ist. Die Strecke ist sehr gut mit Robidog-Kästen ausgestattet.(phs)

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