Gemeindewahlen

«Die SVP muss vom Milliardärs-Image wegkommen»

Die SVP hat bei den Wahlen Federn lassen müssen. Bezirksparteipräsident Marcel Suter will der Partei ein neues Image verpassen und gibt sich zuversichtlich im Hinblick auf die kantonalen Wahlen in einem Jahr.

Die SVP soll vor allem Politik für den Durchschnittsschweizer machen, sagt Bezirkspräsident Marcel Suter.

Die SVP soll vor allem Politik für den Durchschnittsschweizer machen, sagt Bezirkspräsident Marcel Suter. Bild: Keystone

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Die SVP ist auch im Bezirk Horgen die Wahlverliererin. Was ist der Grund für die Verluste?
Marcel Suter: Es spielen zwei Faktoren eine Rolle. Es gibt den allgemeinen Trend, SVP-Kandidaten nicht zu wählen. Zudem kommt es auf die Kandidaten an. Es gibt auch SVP-Gemeinderäte im Bezirk Horgen, die problemlos gewählt worden sind.

Zwei SVP-Gemeinderäte wurden abgewählt. Lag es also an den Persönlichkeiten?
Nein. Abgewählt zu werden, ist nicht schön, für niemanden. Aber es sind Wahlen, das es jemand nicht mehr schafft, kann passieren. Fatal erscheint mir die Haltung, eine Kandidatin oder einen Kandidaten nicht zu wählen, nur weil sie SVP-Mitglied ist. Dies ist aber passiert. Roger Müller beispielsweise wäre in Oberrieden bestimmt wiedergewählt worden, wenn hinter seinem Namen die drei Buchstaben SVP nicht gestanden wären und er als Parteiloser angetreten wäre. Er ist aber die gleiche Person, ob mit oder ohne Partei. Diese Anti-SVP-Haltung finde ich fatal. Sie schadet nicht nur der SVP, auch der FDP.

Wie meinen Sie das?
Die SVP hatte immer Mühe, ihre Kandidaten in die Exekutive zu bringen, weil diese von den anderen bürgerlichen Wählern nicht konsequent unterstützt werden. Umgekehrt in der Regel schon. Auch links-grüne Wähler wählen die links-grünen Kandidaten fast zu 100 Prozent.

Könnte es nicht auch sein, dass die SVP für eine Politik und eine Wertehaltung steht, die offenbar weniger gefragt sind?
Ich habe im Wahlkampf mit Wählern gesprochen, die nach 20 Jahren Treue zur SVP enttäuscht sind von unserer Partei und den politischen Ergebnissen. Diese kritischen Wähler sind ernüchtert, weil sich in ihren Augen zu wenig geändert hat. Wir konnten sie nicht mehr mobilisieren.

Was wollen Sie ändern, damit diese Leute wieder für die SVP wählen?
Die SVP muss neue Themen finden. Die Altersvorsorge und die Krankenkassenprämien beispielsweise sind Themen, welche die Leute sehr beschäftigen.

Reicht das bereits?
Nein, die SVP muss auch vom Milliardärs-Image wegkommen und Politik vor allem für den Durchschnittsschweizer machen. Wir wollen wirtschaftsfreundlich sein, es soll aber nicht nur darum gehen, überall Kosten einzusparen und Steuern zu senken. Insofern müssen wir uns besser von der FDP abgrenzen, die vor allem die oberen Zehntausend und die Grosskonzerne vertritt.

Die SVP war 20 Jahre lang die Wahlsiegerin, jetzt ist sie die Verliererin. Wie kam es soweit?
Die SVP ist immer noch sehr stark, das darf man nicht vergessen.

Aber den Nimbus der ständigen Wahlsiegerin hat sie verloren.
Keine Partei kann immer nur gewinnen. Die Verluste sind tatsächlich nicht so motivierend, auch nicht für die Parteibasis. Eigentlich hatte ich gehofft, dass der Rückgang am ersten Wahlsonntag die SVP-Wähler mobilisieren würde. Das ist aber leider nicht passiert.

Was unternimmt die SVP Bezirk Horgen im Hinblick auf die kantonalen Wahlen in einem Jahr? Immerhin gilt es auch, den Regierungsratssitz des Wädenswilers Ernst Stocker zu verteidigen.
Ernst Stocker ist kaum gefährdet. Ich bin noch nie einer Person begegnet, die ihm etwas vorzuwerfen hätte. Er ist immer klar gewählt worden und macht einen hervorragenden Job.

Wird die SVP Hausbesuche abstatten und Telefonanaktionen starten, um ihre Wählerschaft an die Urnen zu holen wie dies andere Parteien machen?
Das wird diskutiert, aber ich bin dagegen. Ich hätte auch keine Freude, wenn Parteivertreter an meiner Haustüre klingeln würden. Ich stelle schon fest, dass Passanten von den Flyeraktionen auf der Strasse genervt sind.

Was ist Ihre Prognose für die kantonalen Wahlen?
Wir werden hoffentlich nicht mehr verlieren. Ich denke positiv. In einem Jahr kann noch viel passieren. Ich bin sicher, dass wir wieder die stärkste Partei sein werden. Im Bezirk Horgen sind wird daran, eine ausgewogene Liste mit guten Kandidaten zusammenzustellen. Aber es wird sicher schwieriger werden als vor ein paar Jahren. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.04.2018, 16:58 Uhr

Marcel Suter: «Die Verluste sind tatsächlich nicht so motivierend.»

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