Kilchberg

«Die Stimmung im Haus ist das Wichtigste»

In Zita Ochsners Zeit als Leiterin des Alterszentrums Hochweid fiel ein Mord. Dennoch überwiegt für sie das Positive, wenn sie auf ihre gut sieben Jahre im Amt zurückschaut.

In der Cafeteria des Alterszentrums Hochweid hat Zentrumsleiterin Zita Ochsner gerne und oft das Gespräch mit den Bewohnern gesucht.

In der Cafeteria des Alterszentrums Hochweid hat Zentrumsleiterin Zita Ochsner gerne und oft das Gespräch mit den Bewohnern gesucht. Bild: Michael Trost

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«Ich bin stolz, wenn ich sehe, wie gut das Alterszentrum Hochweid läuft», sagt Zita Ochsner. «Wir haben immer ein volles Haus, auch wenn es im Raum Zürich ein Überangebot an Pflegeheimplätzen gibt.» Seit siebeneinhalb Jahren ist Zita Ochsner (64) als Leiterin des Alterszentrums massgeblich mitverantwortlich, dass dieses so gut dasteht. Ende Mai tritt sie in den Ruhestand.

In ihrer Zeit als Zentrumsleiterin ist vieles passiert. Das Verhältnis der Stiftung Alterszentrum Hochweid zur politischen Gemeinde wurde auf eine neue Basis gestellt. Auch wurden die Bauten aus den 1970er Jahren erweitert, um eine Pflegewohngruppe hinter dem Haupthaus und um zehn zusätzliche Alterswohnungen, welche auf dem ehemaligen Parkplatz vor dem Heim entstanden sind.

Zita Ochsner hat Freude am Dörflein im Dorf, das so entstanden ist, organisch gewachsen sei es. «Die Bauzeit war intensiv», erinnert sie sich. Doch die Bewohner hätten gut mitgemacht, hätten interessiert zugeschaut, in der ganzen Zeit von fast zwei Jahren habe es nur zwei Beschwerden gegeben. «Wir hatten aber auch einen super Bauführer, die Arbeiter haben die Baustelle jeden Abend geputzt», sagt Zita Ochsner. Um mit dem ihr eigenen Schalk hinzuzufügen: «Vielleicht hat geholfen, dass wir ihnen jeweils einen Znüni gegeben haben.»

«Das war der Super-Gau.»Zita Ochsner zum Mord in einer Alterswohnung im November 2013

Wenn man Zita Ochsner nach dem Tiefpunkt ihrer Tätigkeit in Kilchberg fragt, muss sie nicht lange überlegen: der Mord in einer Alterswohnung im November 2013. «Das war der Super-Gau.» Ausgerechnet eine Mitarbeiterin des AZ – eine Fachangestellte Gesundheit, die als Nachtschwester angestellt war – hat gemeinsam mit einer Komplizin eine 88-jährige Mieterin einer Alterswohnung getötet. Die beiden Frauen waren damals in die Wohnung eingedrungen, um Wertsachen zu stehlen. Dass die schlafende Bewohnerin erwachte, kostete sie das Leben.

20 Minuten vom Empfang bis zum Büro

Zita Ochsner ist ein durch und durch positiver Mensch. Doch wie sie sich an die schwierigen Tage und Wochen vor gut fünf Jahren erinnert, kommt zum Ausdruck: etwas Schlimmeres hätte in ihrer Zeit als Zentrumsleiterin nicht passieren können. «Als wir erfahren hatten, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt, haben wir gemeinsam mit dem Stiftungsrat beschlossen, es gebe nichts anderes als transparente Information», sagt sie. «Gemeinsam mit Stiftungsratspräsident Hans Ueli Meier bin ich hingestanden.» Obwohl unter den Bewohnern alsbald Tränen geflossen seien, hat sie dieses gemeinsame Hinstehen in guter Erinnerung. Die Zusammenarbeit mit dem Stiftungsrat sei schon vorher gut gewesen, durch diese Krisensituation seien sie aber noch mehr zusammen gekittet worden. «Wir konnten uns jederzeit aufeinander verlassen.»

Auch die Frage, welches der schönste Moment in ihrer Zeit als Zentrumsleiterin gewesen sei, beantwortet Zita Ochsner wie aus der Pistole geschossen: «Die vielen Begegnungen mit den Menschen, die hier leben.» Es seien zahllose gewesen. Lustige Begebenheiten beim Ostereierbemalen oder die Tatsache, dass jemand habe vor dem Exit-Tod bewahrt werden können, zählt sie gleichermassen dazu. Am meisten berührt sie aber, wie viele ihrer Bewohner positiv seien, trotz Schwierigkeiten und Beschwerden. «Wenn Ihnen jemand, der nur noch gekrümmt und unter Schmerzen gehen kann, mit einem Lächeln entgegenkommt und sagt, doch doch, es gehe gut, dann finde ich das beeindruckend.»

Sie möchte wieder anfangen zu rennen und endlich auch wieder mehr schlafen.

Überhaupt war ihr der direkte Austausch mit den Menschen immer wichtig. Wenn sie ins Haus komme, dauere es gut und gerne 20 Minuten, bis sie in ihrem Büro sei, mit so vielen Bewohnern und Mitarbeitern hält sie einen kurzen Schwatz. Plötzlich seufzt sie und sagt: «Das wird mir fehlen.» Sie freue sich zwar auf ihre Pensionierung und hoffe, wieder mehr Zeit für sich zu haben. Sie möchte wieder anfangen zu rennen und endlich auch wieder mehr schlafen. Doch je näher der Abschied komme, desto schwerer falle es ihr, daran zu denken.

«Ich weiss, wie ich alt werden möchte»

Ganz loslassen werden Altersinstitutionen sie auch künftig nicht. Bereits jetzt arbeitet sie an einem Pflegeheimprojekt in China mit. In Peking, Shanghai und Schenzhen sollen Pflegeheime gebaut werden. Zita Ochsner ist als Beraterin involviert. In den letzten Monaten hat sie immer wieder drei Tage China in ihren beruflichen Alltag reingequetscht. «Künftig wird das weniger stressig und ich kann auch mal eine ganze Woche nach China.»

Einer ihrer Ratschläge, den sie den Chinesen mitgeben dürfte, hat sie selbst immer hochgehalten: «Die Stimmung im Haus ist das Wichtigste.» Dafür brauche es gute Mitarbeiter, in der Pflege genauso wie in der Gastronomie und in allen anderen Bereichen. Ihr Massstab an ihr eigenes Alterszentrum und sich selbst war immer der gleiche: «Ich weiss, wie ich gerne alt würde.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.05.2019, 16:37 Uhr

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