Unwetter

Die Rückkehr des Waldes

Im Rüeschliker Kopfholz hat der Sturm Burglind vor genau einem Jahr heftig gewütet. Noch heute sieht man die Spuren. Doch für den Wald selbst war der Sturm keine Katastrophe, erklärt Förster Damian Wyrsch auf einem Rundgang.

Förster Damian Wyrsch mit Pfeife in der Hand neben dem Stumpf einer Fichte, die vom Borkenkäfer befallen war.

Förster Damian Wyrsch mit Pfeife in der Hand neben dem Stumpf einer Fichte, die vom Borkenkäfer befallen war. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Riesige Wurzelteller ragen aus der Erde. Zersplitterte Stämme liegen auf dem Boden, morsche Bäume stehen schief in der Gegend. Der Sturm Burglind hat vor einem Jahr im Rüeschliker Waldgebiet Kopfholz, das sich teilweise auch auf Adliswiler Boden befindet, Spuren der Verwüstung hinterlassen.

Eigentlich haben Förster Damian Wyrsch und sein Team im vergangenen Jahr diese Spuren weggeräumt. Doch auf einer Hektare des Kopfholzs haben sie nur abtransportiert, was den Waldbesuchern auf dem Weg weiter unten gefährlich werden könnte. Auf dieser Fläche werde der Wald so natürlich wie möglich belassen erklärt Wyrsch. «Oftmals sind Waldnutzer von unserer Arbeit genervt. Hier wollen wir ihnen zeigen, was passieren würde, wenn wir nicht eingreifen würden.» Das Durchkommen ist schwierig, man muss schon mal über die grossen Baumstämme klettern.

Wo genau das Gebiet liegt, möchte Wyrsch in der Zeitung nicht sagen. Zu gross ist das Risiko, dass Neugierige sich verletzen. Er zeigt mit seiner Pfeife auf einen krummen, morschen Baum, den er etwa auf zwei Tonnen schätzt. «Stellen Sie sich vor, irgendwo würde ein Metallgerüst mit diesen Ausmassen ungesichert herumstehen.» Doch wenn dieser Baum umfällt, wird er niemanden gefährden. Daher darf er bis zu seinem natürlichen Ende stehen bleiben. Bei den Aufräumarbeiten macht sich Wyrsch aber immer Sorgen um seine Mitarbeiter. «Wir sind dieses Mal zum Glück glimpflich davon gekommen.» Bei den Aufräumarbeiten nach dem Sturm Lothar kamen in der Schweiz hingegen mehrere Menschen ums Leben.

Aufwendige Aufräumarbeiten: So präsentierten sich die Wälder der Region Mitte Januar 2018. Video: Paul Steffen

Sprösslinge auf der Lichtung

In diesem Stückchen Wald sieht man gemäss Wyrsch auch, dass der Natur Stürme wie Burglind eigentlich egal sind. Unter der Wurzelplatte eines umgestürzten Baumes hat sich bereits ein Tier eine Höhle gegraben. Der Sturz des Baumes ist für dieses eine Chance, keine Katastrophe. Die Natur profitiere sogar vom Sturm. Überall wachsen bereits wieder Sprösslinge in die Höhe. Doch sie sind nicht gleichmässig verteilt. Dort, wo der Sturm die älteren Bäume gefällt hat, wachsen die Nachkömmlinge in den Lichtungen. Wo die älteren Bäume noch stehen, dringt kein Licht auf den Boden, was es den Sprösslingen schwer macht.

«Vor Burglind hatten wir kein Problem mit dem Käfer.»Damian Wyrsch

In seiner Arbeit auf 300 Hektaren im Forstrevier Adliswil, Kilchberg, Rüschlikon versucht Wyrsch, die Natur zu imitieren, indem er den Wald lichtet und ihm so die Möglichkeit zur Verjüngung gibt. «Ich arbeite mit dem Licht», meint er.

Infolge des Sturms fand der Borkenkäfer ausgezeichnete Bedingungen vor. «Vor Burglind hatten wir kein Problem mit dem Käfer», erklärt Wyrsch. Nun breite sich die Plage rasant aus. «Es ist, wie wenn nach heftigem Schneefall noch eine Lawine hinzukommt.» Es sind vor allem die Waldbesitzer, die darunter leiden. Für den Wald ist dies ein Vorgang unter vielen.

Der Käfer bestimmt den Takt

In der Nähe der Autobahn zeigt Wyrsch auf Fichten, deren Kronen sich braun verfärbt haben. Gesunde Bäume stehen neben befallenen. Einige Hundert Meter weiter sieht es noch schlimmer aus. «Im September war ein Baum befallen, nun hat es bereits alle erwischt.»

Die Verfärbungen sind das Resultat des Borkenkäferbefalls.

Der Borkenkäfer gibt den Förstern den Takt vor. Die befallenen Bäume müssen im Wettlauf gegen die Zeit aus dem Wald geholt werden, bevor der Käfer sich weiter ausbreiten kann. Das gesamte Arbeitsprogramm für 2018 ist hinfällig geworden. Die Pflege musste zurückgestellt oder an Unternehmen ausgelagert werden. Die Förster konnten auch nicht wie geplant in landwirtschaftlichen Projekten mitarbeiten.

Im neuen Jahr geht es in der gleichen Art weiter. 100 Kubikmeter Holz werden sie ab Januar an der Stelle bei der Autobahn fällen, schätzt Wyrsch. «Das sind ungefähr fünf Lastwagen mit Anhänger.» Das meiste davon wird wohl zu Energieholz verarbeitet. «Wir werden die Hiebsätze in nächster Zeit tief halten», sagt Wyrsch. Es wird nur gefällt, wofür es einen Markt gibt oder was unbedingt rausmuss. Die Preise auf dem gesättigten Holzmarkt sind zu tief.

Ästhetischer Schaden

Teile des Käferholzes sind noch im Kopfholz gestapelt. Bei einigen sind Verfärbungen zu sehen oder Pilze, welche die Käfer mitgeschleppt haben. Nebst den verfärbten Stämmen hat es auch einige in guter Qualität. Sogar als Laie erkennt man den Unterschied. Doch auch diese werden voraussichtlich zu Tiefstpreisen verkauft werden.

Wyrsch ist der Meinung, der Schaden, den der Sturm angerichtet hat, sei vor allem monetärer und ästhetischer Art. Tatsächlich, wenn man als Spaziergänger aufmerksam unterwegs ist, sieht man vereinzelt Baumstümpfe oder vielleicht sogar noch einen abgerissenen Baum. Aber wie Damian Wyrsch sagt: «Der Wald ist wieder zurück.»

Erstellt: 31.12.2018, 14:41 Uhr

Artikel zum Thema

Ein schwieriges Jahr für die Wälder am Zürichsee

Unwetter Rund um den Zürich­see hat der Sturm Burglind­ vor einem Jahr beson­ders starke Spuren hinter­lassen. Insbesondere die Wälder der Region wurden in Mitleidenschaft gezogen. Das Sturmholz lässt sich wegen­ der grossen Mengen nur schwer verkaufen. Mehr...

Im Wettlauf gegen den Borkenkäfer

Sturm Sturmtief Burglind brauchte am 3. Januar nur zwei Stunden, um einen Riesenschaden anzurichten. Die Aufräumarbeiten werden zum Teil monatelang dauern. So viel Zeit haben die Förster am Zürichsee aber nicht. Mehr...

Im Wald zeigt sich ein Bild der Verwüstung

Sturmschäden Zahlreiche Bäume haben den Böen des Sturmtiefs «Burglind» nicht standgehalten. Die Förster bezeichnen die Schäden in den Wäldern als massiv. Das Holz muss nun möglichst rasch herausgeholt werden, um einen Befall mit Borkenkäfern zu verhindern. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben