Richterswil

«Die Reime fielen mir beim Holzhacken ein»

Ein Vierteljahrhundert lang schrieb der Richterswiler Guido Strebel die Verse für die Globi-Bücher. Dabei legte er besonderen Wert auf den Witz der Geschichten.

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Wie die blaue Farbe und die ­karierte Hose zu Globi gehören, sind auch die Verse nicht wegzudenken, die Sie während 25 Jahren gereimt haben.
Guido Strebel: Das ist richtig. ­Globi war während eines Vierteljahrhunderts mein ständiger Begleiter. Für 25 Globi-Bücher habe ich passend zu den von Peter Hein­zer gezeichneten Bildern die Verse mit Globis Lausbubenstreichen geschrieben.

Angefangen haben Sie beim Globi-Verlag jedoch nicht als Versschreiber.
Ursprünglich arbeitete ich als Hersteller beim Globi-Verlag. Gleichzeitig war ich der Lektor für die Verse. Doch die Texte meines Vorgängers fand ich zu wenig witzig. Oft habe ich sie ergänzt und manchmal ganze Seiten ersetzt. Als ich mich schliesslich beim Verlagsleiter beschwerte, sagte dieser, ich solle sie doch ­selber machen. So wurde ich zum Dichter. Doch es ist ein Unterschied, ob man bereits einen Text vor sich hat und diesen abändert oder vor einer leeren Seite sitzt.

Was war das Schwierige daran, eine leere Seite mit Text zu füllen?
Na ja, die Silbenzahl und damit der Rhythmus waren bereits vom ersten Dichter der Verse vorgegeben. Daher war es nicht immer einfach, in dieser strengen Form eine Aussage zu machen. Zudem kamen mir unter Zeitdruck überhaupt keine Ideen.

Wie haben Sie dennoch den ­passenden Reim gefunden?
Wenn ich dichtete, musste ich ­alleine sein. Daher habe ich mir einen Monat Zeit genommen und bin in unser Ferienhaus in der Toskana gefahren. Dort hatte ich meine Ruhe und konnte meiner Kreativität freien Lauf lassen. Wollte mir kein passender Reim einfallen, ging ich in den Schuppen zum Holzhacken und pinnte mir das entsprechende Globi­bild in Augenhöhe an die Wand. Meistens hatte ich dann wieder eine Idee.

Was mögen Sie an Globi?
Globi hat oft Flausen im Kopf, ist aber immer fröhlich. Er kann aber auch moralisierend sein, wenn es zum Beispiel um die Umwelt oder das Miteinander geht.

Haben Sie ein Lieblingsbuch von Globi?
Eigentlich mag ich alle von Heinzer gezeichneten Globi-Bücher gerne. Besonders gut finde ich «Globi im Traumland» und «Globi und Kasperli». Vielleicht weil diese Bücher besonders fantasievoll sind und das kindliche Gemüt des Zeichners widerspiegeln.

Wie war die Zusammenarbeit mit Zeichner Peter Heinzer?
Wir haben uns sehr gut verstanden. Ich mochte seine Zeichnungen sehr. Besonders seine versteckte Ironie in einzelnen Zeichnungen brachten mich häufig zum Schmunzeln.

Haben Sie ein Beispiel?
In einer Folge ist Globi in einer Grab­kammer, wo allerhand ­Dinge herumstehen. Unter anderem befin­det sich dort eine Statue, die statt eines Krumm­stabs und Flagellums, wie es im alten Ägypten üblich war, ein Tablett mit Sektgläsern trägt. Solche ­kleine versteckte Witze hat ­Peter Heinzer öfter gezeichnet. Es lohnt sich also, die Bilder genau zu betrachten.

Hat Globi sich mit den Jahren verändert?
Ich fand Globi, so wie er im ers­ten Heft erschienen ist, ein furcht­bares Vieh. Ein riesiger Papagei mit einem viel zu grossen Kopf und einem plastischen Hinterteil. Erst später bekam er eine nor­male Grösse, und die Stummelflügel wurden durch Arme ersetzt.

Und inhaltlich?
Das natürlich auch. Das erste aus dem Jahr 1935 stammende Buch, «Globi auf Weltreise», könnte im gleichen Stil heute nicht mehr erscheinen. In den Neuauflagen fehlen daher alle in Schwarz­afrika spielenden Geschichten. Als ­Peter Heinzer 1980 anfing, die neu­en Globi-Geschichten zu zeich­nen, änderte sich der Aufbau der Geschichten. Statt einzelner Episoden erlebte Globi fortan in den Büchern ein zusammen­hängendes Abenteuer. Heute werden die Bücher von einem ganzen Team verfasst. Meiner Meinung nach haben die Bücher an Schmiss und Witz verloren. Ich fände es sinnvoller, neue Auflagen der besten alten Bände zu produzieren.

Die Kinder lieben die Geschichten über Globi damals wie ­heute. Haben Sie auch Reaktionen von Kindern erhalten?
Besonders meine Kinder und ­Enkel waren sehr stolz darauf, dass ich die Verse für die Bücher verfasst habe. An ein Ereignis erinnere ich mich aber besonders. Damals wollte der Gemeindepräsident, dass ich in Richterswil eine Ausstellung über Globi im Ortsmuseum organisiere. Die Aus­stellung mit einem grossen Bestand von Globi-Objekten fand statt. In den Ferien war die Ausstellung geschlossen. Doch ein Schüler aus Samstagern rief mich an, ob ich dennoch Zeit hätte, um seine Klasse durch die Ausstellung zu führen. Diesen Wunsch konnte ich selbstverständlich nicht ausschlagen und gab der Klasse eine Privatführung. Das war eine sehr nette Begegnung.

Erhielten Sie auch Kritik von Kindern?
Nur einmal. Das war, als ich die Schulklasse durch die Ausstellung in Richterswil führte. Da wies ein Schüler mich dar­auf hin, dass ich einmal statt der üblichen acht Silben in den ersten beiden Versen und sieben Silben im dritten und vierten Vers jeweils eine Silbe mehr verwendet habe. Die Kritik nahm ich selbstverständlich hin, freute mich aber dar­über. Denn mir ist bewusst, dass die meisten Erwachsenen und Kinder nur die Bilder über Globi anschauen und nur die wenigsten den Text lesen.

Vor 20 Jahren haben Sie den Verlag verlassen.
Das stimmt. Ich hätte zwar noch einige Bücher schreiben können. Doch Peter Heinzer hat sich mit dem Verlagsleiter gestritten und ist gegangen. Da habe ich auch aufgehört. Weil Peter Heinzer und ich ein eingespieltes Team waren und wir uns so gut verstanden haben, wäre ich mir sonst wie ein Verräter vorgekommen.

Lesen Sie heute noch Globi-Bücher?
Ich bekomme noch immer vom Verlag die neuesten Auflagen ­geschickt und blicke hin und wieder hin­ein. Ich mag Globi, aber ein Fan war ich noch nie. Papa Moll, für den ich ebenfalls einige Verse geschrieben habe, finde ich familiengerechter.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.01.2017, 14:51 Uhr

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