Kirche

Die Reformierten aus dem Sihltal und den Seegemeinden fremdeln

Die reformierten Kirchgemeinden von Kilchberg, Langnau, Adliswil und Rüschlikon haben drei Jahre versucht, sich anzunähern.Das Projekt hatte auch schon einen Namen: Klar. Dennoch hat es sich vorderhand zerschlagen.

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Vier Kirchgemeinden, ein Name: Klar. Einprägsam und nahe­liegend scheint das Akronym aus den Anfangsbuchstaben der vier reformierten Kirchgemeinden Kilchberg, Langnau, Adliswil und Rüschlikon. Doch nomen est omen gilt in diesem Fall offenbar nicht.Im Rahmen des Prozesses Kirchgemeinde plus hatten die vier Kirchgemeinden seit etwas mehr als drei Jahren unter dem genannten Projektnamen eine verstärkte Zusammenarbeit geprüft.

Unter anderem haben die vier Gemeinden seit Sommer 2015 den sogenannten Kanzeltausch geprobt. Dies mit dem Ziel, die Pfarrer zu entlasten und die Kirchgemeinden einander näherzubringen. Während es noch 2016 hiess, die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut, ist das Projekt Klar am 5. November, dem Reformationssonntag, mit dem vorerst letzten gemein­samen Gottesdienst ausgelaufen.

Knapp 6000 Mitglieder

Konkret heisst das: Die Klar-Gruppe wurde aufgelöst. Anstatt dass die vier Gemeinden eine engere Zusammenarbeit anstreben, peilen sie nun jeweils zu zweit eine gemeinsame Zukunft an, nämlich Adliswil und Langnau sowie Kilchberg und Rüschlikon. Dabei ist es vor allem den Sihltalgemeinden ernst. Die beiden jeweiligen Kirchenpflegen wollen sich an den Budgetgemeindeversammlungen vom 27. November respektive 3. Dezember ein Mandat zur Vorbereitung eines Zusammenschlusses mit der jeweils anderen Kirchgemeinde geben lassen. Kilchberg und Rüschlikon dagegen wollen lediglich die Zusammenarbeit vertiefen.

Erwin Oertli, Kirchenpflegepräsident von Langnau, betont, an den bevorstehenden Versammlungen gehe es erst um ein Mandat für die Erarbeitung einer Entscheidungsgrundlage für einen allfälligen Zusammenschluss: «Diese soll Klarheit bringen, ob ein Zusammenschluss mehr Vor- oder mehr Nachteile bringen würde.»

Die beiden Kirchgemeinden zusammen würden eine Grösse von knapp 6000 Mitgliedern erreichen. Oertli ist überzeugt, dass die Gemeinde so mittelfristig über die Runden kommen würde. Mit einer Abstimmung über einen allfälligen Zusammenschlussvertrag rechnen die beiden Kirchgemeinden für November 2019. Ziel wäre der Zusammenschluss per 2020.

«Milieus zu unterschiedlich»

Doch warum streckt Langnaudie Fühler nur Richtung Adliswil aus? Und nicht Richtung See? Schliesslich hat sich die Kirch­gemeinde Langnau vor rund 300 Jahren von Thalwil abgespalten.

Oertli sagt, die beiden Gemeinden verbinde allein schon die Geografie des Sihltals, Verkehrswege und Einkaufsgewohn­heiten. Auch die Politischen Gemeinden arbeiteten in manchen Bereichen zusammen. Der Langnauer Kirchenpflegepräsident sagt aber auch, mit Verweis auf die Milieustudie der Landes­kirche aus dem Jahr 2011, die ­Milieus der Sihltal- und der Seegemeinden seien zu unterschiedlich. Das Durchschnittsalter der Mitglieder sei in Kilchberg beispielsweise höher.

Peter Maier, Kirchenpflege­präsident von Kilchberg, verweist seinerseits auf die sehr ungleiche Finanzkraft: «Kilchberg ist zwar bevölkerungsmässig nicht einmal halb so gross wie Adliswil, nominell haben wir aber das gleiche Budget.» Zwar liefert die Gemeinde einen Drittel davon in einen Ausgleichstopf, dennoch ist ihr ­finanzieller Spielraum momentan gross genug, um weiter allein zurechtzukommen. Mit Rüsch­likon, das milieumässig besser passe, wird eine Vertiefung der Zusammenarbeit geprüft.

Als geradezu gescheitert bezeichnet Maier den Kanzeltausch. Das heisst, der dienst­habende Pfarrer predigt an einem Ort am Samstagabend und am Sonntagmorgen den gleichen Gottesdienst an einem anderen Ort. Alle sechs bis acht Wochen findet damit in einer Gemeinde am Sonntag kein Gottesdienst statt. «Der Gottesdienst am frühen Samstagabend ist auf sehr wenig Gegenliebe gestossen», sagt Maier, «und unsere Mitglieder sind auch nicht gern in eine andere Kirche zum Gottesdienst gefahren.» Aus dem Kanzeltausch wäre Kilchberg auch ohne das Ende von Klar ausgestiegen.

«Freundschaftlicher Prozess»

Sowohl Oertli als auch Maier ­betonen jedoch, der Prozess des Auseinandergehens sei freundschaftlich gewesen. Oertli formuliert es so: «Adliswil und Langnau strebten schon früh einen möglichen Zusammenschluss an, während Rüschlikon und Kilchberg lieber auf der Basis der Zusammenarbeit weitergehen wollten.» Behörden, Pfarrschaft und Mitarbeitende von Langnau und Adliswil seien der Ansicht, dass das Ziel, die Vielfalt des gemeindlichen Lebens bei schwindenden Ressourcen zu erhalten, mit einem Zusammenschluss eher erreicht werden könne als mit Zusammenarbeit. «Eine spätere Aufnahme der Zusammenarbeit mit weiteren Gemeinden schliessen wir aber nicht aus», sagt der Langnauer Kirchenpflegepräsident.

Kirchgemeindeversammlung ­Adliswil, Montag, 27. November, 19.30 Uhr, reformiertes Kirch­gemeindehaus, Webereistrasse 31, Adliswil. Kirchgemeindeversammlung Kilchberg, Montag, 27. November, 20 Uhr, reformiertes Kirchgemeindehaus, Stockenstrasse 150, Kilchberg. Kirchgemeindeversammlung Langnau, Sonntag, 3. Dezember, 11.15 Uhr, reformierte Kirche, Kirchweg, Langnau. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.11.2017, 15:41 Uhr

Vorzeige-Reformprojekt von vier Kirchgemeinden zerfällt

Anstatt zwölf sollte es Ende 2023 im Bezirk Horgen nur noch drei reformierte Kirchgemeinden geben. So schwebt es dem Kirchenrat – derExekutive der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich – vor. Wegen anhaltenden Mitgliederschwunds hat der Kirchenrat 2012 den Reformprozess Kirchgemeinde plus angestossen, mit dem Ziel, die Zahl der Kirchgemeinden von ursprünglich 174 auf 39 im Kanton zu verringern.

Für den Bezirk Horgen hat der Kirchenrat vor anderthalb Jahren drei Gemeinden vorgeschlagen: Ho1 – bestehen aus Kilchberg, Langnau, Adliswil, Rüschlikon und Thalwil –, Ho2 – bestehend aus Horgen, Hütten und Oberrieden – und Ho3 – bestehend aus Wädenswil, Richterswil, Hütten und Schönenberg. Ziemlich genau in der Halbzeit des Reformprozesses ist der Wille für Zusammenschlüsse in der Zimmerbergregion noch verhalten.

Es braucht sicher zwei Schübe

Relativ weit schien bis vor Kurzem die Grossgemeinde von Kilchberg, Langnau, Adliswil und Rüschlikon. Unter dem Projektnamen Klar – dem Akronym der vier Kirchgemeinden – haben sich die Gemeinden etwas mehr als drei Jahre lang intensiv beschnuppert. Dabei hat sich herausgestellt, dass nur Adliswil und Langnau an einem Zusammenschluss interessiert sind. Thalwil will sich seeaufwärts orientieren, nicht seeabwärts.

Auch im Gebiet der anderen beiden skizzierten Grossgemeinden passiert erst ein erster Schritt. So bilden Horgen und Hirzel ab dem 1. Januar 2018 eine Kirchgemeinde, ebenso Hütten und Schönenberg.

Max Walter, Präsident der Bezirkskirchenpflege sagt denn auch, «die einst angedachten drei Kirchgemeinden werden nicht so rasch entstehen». Aber in zwei Schüben werde man vielleicht nahe darankommen. «Etwas Sorgen machen uns in der Bezirkskirchenpflege die Kirchgemeinden Wädenswil und Richterswil», sagt Walter. Wädenswil als grösste reformierte Kirchgemeinde im Bezirk fühle sich für den Alleingang stark genug. Richterswil fühle sich etwas abgehängt. (Sibylle Saxer)

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