Thalwil

Die Nachtigall im Herbststurm

Das Kammerorchester Thalwil konzertierte am Sonntag zusammen mit Bläsern und mit einer hochkarätigen Violinsolistin in der reformierten Kirche.

Midori Komachi an der Violine

Midori Komachi an der Violine Bild: David Baer

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Dramatisch war der Einstieg. Die Mischung aus pompös und verspielt ist typisch für Mozart, und bei der Ouvertüre zur Oper «La Clemenza di Tito» zeigte das Kammerorchester Thal­wil, wie es unter der Leitung von ­Maya Wenger mit der Dynamik zu spielen vermag – wie es von sanften Klängen immer kraft­voller wird. Das Streichensemble wurde an diesem Konzert von zwölf Bläsern und einer Pauke unterstützt. Die reformierte Kirche war gut besucht.

Für ein Stück von Mendelssohn trat die Geigerin Mi­dori Koma­chi auf die Bühne. Die Interpretation des bekannten Violin­konzerts in e-Moll durch die junge­ Solistin war sehr leben­dig und energisch. Beim Allegro ­molto appassionato brachte das Orchester die Leidenschaft zum Ausdruck, brauste wie ein Sturm. Die Solo-Violine erinnerte an eine traurige Nachtigall, die sich dann in die Lüfte schwang, unterstützt von der Querflöte – Murat Cevic­, der auch schon als Solist mit dem Kammerorchester gespielt­ hat. Sehr dramatisch das Violinsolo, spannungsgeladen der Übergang ins Andante, schwermütig. Flehend sang die Vio­line ganz hohe Töne und klang dabei zerbrechlich, als würde sie schluchzen.

Der Jahreszeit angepasst

Das Konzert war der Jahreszeit angepasst, beschrieb das wechselhafte Wetter: Man ­glaubte, die Herbstfarben leuchten zu sehen und den Regen prasseln zu hören, während die Nachtigall schluchzte, als trauere sie dem Sommer nach, in einer sinkenden Tonleiter. Im Allegro non troppo wurde es tänzerisch, jedoch ohne zier­liche Klänge, dafür mit viel Energie. Beinahe gewannen die Hörner die Oberhand im Dialog mit der Vio­line, aber die Solistin setzte sich souverän durch.

Midori Koma­chi ern­tete viel Applaus, bedankte sich beim Publi­kum und verriet, dass sie vor 20 Jahren bereits in dieser Kirche aufgetreten war. Sie ist jetzt Anfang 30. In Kilchberg war sie Schülerin von Dirigentin ­Maya Wenger, bevor sie an der Royal Academy in London studierte, wo sie heute lebt. «Mi­dori war die Schulfreundin meiner Tochter», verrät eine Zuschauerin. Direkt nach einem Konzert in ­Japan war die gefragte Solistin nach Thal­wil gereist für das Herbstkonzert mit dem Kammerorchester. Als Zugabe spielte sie ein Bach-Solo in E-Dur – virtuos.

In der «Symphonie Nr. 3» in ­D-Dur von Schubert konnte das Orches­ter seinen Klang voll entfalten. Sehr ­ruhig fing es an; die Klarinette trat in einen Dialog mit den Streichern. Dann spielte das Horn; die Bläser wechselten sich ab, setzten Kontra­punkte zu den Streichern. Es wurde temperamentvoll, schwoll an zu grosser Klang­fülle. Das Allegretto klang wiederum leicht und beschwingt; die Querflöte trug massgeblich zur Leichtigkeit bei. Die verschie­denen Timbres der Blasinstrumente kamen zur Geltung, als die Klarinette begann und immer mehr Bläser einsetzten. Wie ein reissender Fluss legten die Streicher los, steigerten sich voller Energie zu einem Herbststurm, in welchem die Herbstblätter sich im Tanze drehten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.11.2017, 14:51 Uhr

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