Sechseläuten

Die Musik vom See bläst der Stadt den Marsch

Jede Zunft marschiert am Sechseläuten im Takt eines Musikkorps. Am stärksten vertreten sind die Blasmusikvereine aus der Region Zürichsee. Für eine ist am Montag der 42. Auftritt der letzte am Sechseläuten.

Die Harmonie Kilchberg gehört seit vielen Jahren zum Zürcher Sechseläuten und begleitet die Zunft Hottingen.

Die Harmonie Kilchberg gehört seit vielen Jahren zum Zürcher Sechseläuten und begleitet die Zunft Hottingen. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Zürich würde am Sechseläuten ohne die Landschaft musikalisch verhungern. 13 der 26 Zünfte haben Musikkorps vom Land engagiert. Die grösste Vertretung am ältesten Stadtfest stellen die Seebezirke Horgen und Meilen mit sechs Formationen. «In der Stadt gibt es zu wenige Musikkorps, die sich für eine solche Veranstaltung eignen», erklärt Christian Bohli, Musikchef im Zentralkomitee der Zünfte Zürichs (ZZZ), dem OK fürs Sechseläuten. Vor allem die historischen Zünfte seien auf Hilfe von auswärts angewiesen, weil die Quartierzünfte das Feld schon abgegrast hätten.

So kam es dass die Harmonie Wädenswil mit der Zunft zu den drei Königen marschiert, die Harmonie Kilchberg mit der Zunft Hottingen und der Musikverein Oberrieden mit der Zunft Wollishofen. Die Harmonie Helvetia Horgen begleitete schon von 1897 bis 1912 die Zunft zu den drei Königen, berichtet Präsident Alex Schwerzmann. Dann war ein Dreivierteljahrhundert Pause bis die HHH 1987 ihr Comeback am Sechseläuten gab und seither Musikspiel der Saffran-Zunft ist. «Es ist ein cooler Anlass und eine gute Plattform, uns zu präsentieren», sagt Schwerzmann. «Das Fest besitzt Symbolkraft, da kann nicht jeder mitmachen.»

Marschieren muss geübt werden

Seit rund 50 Jahren ist die Harmonie Adliswil Partner der Zunft zur Schmiden. Die Teilnahme am Sechseläuten bezeichnet Präsident Markus Meyer als «enorm wichtig». Vor so vielen Menschen spielen zu dürfen sei eine spezielle Ehre. Das müsse auch geübt werden. Neben dem Repertoire mit dem «Schmidenmarsch» und dem «Schmidenlied» werde insbesondere das Spiel beim Marschieren geprobt.

«Das Fest besitzt Symbolkraft, da kann nicht jeder mitmachen.»Alex Schwerzmann, Präsident Harmonie Helvetia Horgen

Da komme es auf Tempo, Ausrichtung, Wechsel zwischen Bläsern und Tambouren, Rhythmuseinlagen sowie synchrones Anhalten an. Die 50-köpfige Formation besteht auch aus einigen Verstärkungen, vor allem aus Ehemaligen sowie den Über-18-Jährigen aus der Jugendmusik. «So können wir die Jungen mit einem tollen Erlebnis einbinden», sagt Meyer. Das Sechseläuten biete auch einen exklusiven Einblick ins Zunftleben, hebt der Präsident ein weiteres Erlebnis hervor.

«Sehr anstrengender Tag»

Bei der Verenamusik Stäfa endet am Montag ein Stück Vereinsgeschichte. «Das 42. Mal ist unser letztes Mal» am Sechseläuten, sagt Co-Präsidentin Silvia Diethelm. Aus Altersgründen tun sich nur noch 15 Musikerinnen und Musiker die Strapazen eines Sechseläutens an. 32 Aushilfen füllen mittlerweile die Lücken im Register aus. Vier Gastmusiker stellt diesmal der Musikverein Harmonie Wollishofen, der die Verenamusik als Zunftspiel der Schiffleuten ablösen wird.

«Das ist ein sehr anstrengender Tag»Silvia Diethelm, Co-Präsidentin Verenamusik Stäfa

«Das ist ein sehr anstrengender Tag», erzählt Diethelm. Um 9 Uhr morgens verlässt die Verenamusik Stäfa, schon unterwegs gibt es in Erlenbach ein erstes Konzert für Altzünftler in einem Seniorenheim. Der nächste Auftritt folgt um 11 Uhr vor dem Hotel Storchen in Zürich, dem Zunftlokal der Schiffleuten. Nach einem weiteren Platzkonzert in Zürich beginnt der Umzug um 15 Uhr. Er endet nach 18 Uhr beim brennenden Böögg. Abends geht es weiter, wenn die Verenamusik die Zünfter bei ihren drei Besuchen – meist zu Fuss – zu anderen Zunftlokalen begleitet. «Um Mitternacht sind wir nudelfertig», sagt die Co-Präsidentin, die Querflöte spielt.

Wenige aber strikte Vorschriften

Beim Repertoire gibt das ZZZ keine Vorgaben. «Das überlassen wir den Zünften,», sagt Musikchef Bohli. Vom Zentralkomitee gibt es nur zwei Weisungen. Beim Kontermarsch auf der Bahnhofstrasse dürfen die Tambouren die Trommeln nicht schlagen, wenn ihnen Pferde entgegenkommen. «Und das Schweizer Fernsehen lässt nur zwei Formationen zu, die vor den Kameras am Limmatquai den Sechseläuten-Marsch spielen dürfen.» So werde verhindert, dass die Zuschauer daheim immer dieselbe Melodie hören.

Wie erlebt ein Musikkorps das Sechseläuten? Ein Mitglied der Harmonie Urdorf hat seine Teilnahme 2015 gefilmt – mit einer Kamera im Hut. Video: Musikverein Harmonie Urdorf / Youtube

Den Musikkorps ist das nur recht. «Wir spielen an diesem Tag sicher 35 mal den Sechseläuten-Marsch», sagt Silvia Diethelm, «Irgendwann will man ihn nicht mehr hören.» Markus Meyer erzählt, dass seine Harmonie Adliswil den Sechseläuten-Marsch während des Umzugs höchstens zweimal zum Besten gibt. Dafür geht es an den abendlichen Auszügen in andere Zunftlokale repetitiv zu: «Dann müssen wir den Sechseläuten-Marsch wahrscheinlich 50 mal spielen – bei jedem Einzug bis der Letzte die Stube betreten hat.»

Erstellt: 05.04.2019, 14:48 Uhr

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