Langnau

Die Menschen waren das Zentrum seiner politischen Philosophie

Mit Peter Herzog verlässt ein Mann die lokale Politbühne, der 28 Jahre im Dienst der Gemeinde stand. Nachhaltig prägen wird er das Dorf mit seinem Engagement für Alterswohnungen. Die grösste politische Enttäuschung fügte ihm ein Gemeinderatskollege zu.

Peter Herzog sitzt auf dem Dorfplatz in Langnau. Dieser wurde während seiner Amtszeit fertiggestellt und eingeweiht.

Peter Herzog sitzt auf dem Dorfplatz in Langnau. Dieser wurde während seiner Amtszeit fertiggestellt und eingeweiht. Bild: Sabine Rock

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Während Peter Herzog auf dem Dorfplatz sitzt für sein letztes Pressefoto als abtretender Gemeindepräsident von Langnau, kommt es immer wieder vor, dass sein Blick zu den vorbeifahrenden Autos schweift. Hier ein Winken, da ein kurzes Kopfnicken in Richtung der Frontscheibe.

Herzog kennt die Menschen hinter den Steuerrädern, die Menschen im Dorf, in dem er nun 28 Jahre lang politisch aktiv war. Zuerst 20 Jahre als Tiefbauvorstand und seit 2010 als Gemeindepräsident. «Die Nähe zur Bevölkerung war mir immer wichtig», sagt er. Dar­um sei er immer an Vereinsanlässen, Jubiläumsanlässen oder auch an der Langnauer Chilbi ­anzutreffen. Daran soll sich auch künftig nichts ändern. Auch wenn sich Peter Herzog dafür entschieden hat, das Amt des Gemeindepräsidenten abzu­geben. «Ich bin einfach gerne unter ­Leuten.»

In den letzten Wochen übergab der CVP-Mann das Amt schrittweise an Reto Grau (FDP), der vom Stimmvolk zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Dennoch will sich Herzog auch in Zukunft für Langnau einsetzen. Beispielsweise als OK-Präsident der ­Gewerbeausstellung Gala 19 im kommenden Jahr.

Gegen den eigenen Verein

Dass er mit dem Ende seiner politischen Karriere nicht einfach von der Bildfläche verschwindet, war klar. Es sind die Menschen, die für Peter Herzog Langnau ausmachen. Und es ist die Gemeinde Langnau, die geformt werden muss und dadurch wieder auf die Menschen positiv einwirken kann. Daraus zog er seine Motivation für seine Milizämter in der Exekutive. Mit dem OK-Präsidium für die Gewerbeschau lebt er diese Philosophie weiter.

Auch das grösste Ziel, das Peter Herzog aus seiner Sicht als Gemeindepräsident erreicht hat, betrifft die Menschen in Langnau: der Bau von Alterswohnungen entlang der Wolfgrabenstrasse und ab 2021 ebenfalls auf den Parzellen direkt neben dem Alters- und Pflegeheim Sonnegg.

«Die Nähe zur Bevölkerung war mir immer wichtig.»Peter Herzog

Insbesondere die Planung der neuen Alterseinrichtung direkt neben dem Altersheim war kein einfaches Unterfangen für Peter Herzog. Er musste seinen und den Willen des Gesamtgemeinderats gegen heftigen Widerstand aus den Reihen des Tennisclubs verteidigen, in dem er selber Ehrenmitglied und ehemaliger Präsident ist. Seine Sportlerkollegen, die momentan die betroffenen Parzellen gepachtet haben und für die Alterswohnungen weichen müssen, wollten nicht verstehen, warum er sich nicht für eine alternative Lösung einsetzte. Und sie wollten nicht auf ihn hören, als er ihnen sagte, sie sollen sich doch mit einem Nachbars­club vereinen, damit ein Weiterbestand gewährleistet ist. «Nun steht der Club vor dem Aus», sagt Herzog, und man sieht ihm an, dass damit auch ein Stück seiner Vergangenheit verschwinden wird. Nach einem Wimpernschlag hat er sich aber wieder gefangen und fügt an: «Die Parzellen mit den Tennisplätzen sind ein sinnvoller Ort für die Alterswohnungen, so können die Synergien mit dem Altersheim perfekt genutzt werden.»

Den Tiefpunkt seiner politischen Karriere erlebte Peter Herzog vor vier Jahren. Der Gegenwind kam damals aus den eigenen Reihen. Die Kulturkommission ist in den Gemeinden jeweils der Präsidialabteilung angegliedert. Bei der konstituierenden Sitzung für die Amtsperiode 2014 bis 2018 hat sein Gemeinderatskollege Rolf Schatz (GLP) die anderen Ratskollegen jedoch davon überzeugt, dass er der bessere Mann sei, um die kulturellen Bemühungen der Exekutive zu lenken, als Peter Herzog. Die Kulturkommission ist seither unter der Leitung von Schatz. «Das hat mich sehr enttäuscht», sagt Peter Herzog auch heute noch. «Die Aufgaben in der Kulturkommission hatte ich sehr gerne wahrgenommen.» Und trotz allem sei er derjenige gewesen, «der an fast allen Vereins­anlässen teilgenommen hat, im Gegensatz zu meinen Kollegen».

Reisen mit seiner Frau

Nun will sich der ehemalige Gemeindepräsident vermehrt um sein Hobby, das Golfen, kümmern. Auch das Reisen mit seiner Frau soll einen höheren Stellenwert bekommen. «Sie ist froh, dass ich künftig weniger Verpflichtungen habe und wir dadurch flexibler sind», sagt Herzog. Nach 28 Jahren im Dienst der Gemeinde Langnau hat sich der 70-Jährige die nun gewonnene Freiheit redlich verdient. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.07.2018, 16:00 Uhr

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