Thalwil

Die Kulturtage sind eröffnet

Die Gemeinde Thalwil befindet sich wieder einmal im kulturellen Ausnahmezustand. Am Freitagabend sind die zweijährlich stattfindenden Kulturtage eröffnet worden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Dies ist keine Gemeindeversammlung», ruft Hermine Schumowska den Sängern des Sängervereins in Erinnerung. «Sondern unsere Hauptprobe.» Will heissen: Es darf nicht einfach jeder dreinrufen, wenn es ihm gerade passt. Vielmehr gilt es, auf den Einsatz zu warten.

Die Schauspielerin und Sängerin Hermine Schumowska, Mitglied des Zürcher Stadttheaters, hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich in Thalwil gelebt. Und sie hat sich für das kulturelle und gesellschaftliche Leben in der Gemeinde eingesetzt. So weit, so verbürgt. Anlässlich der diesjährigen Kulturtage aufersteht die Kulturförderin wieder, auf der Theaterbühne vor dem Gemeindehaus.

Misslungene Hauptprobe

Hermine Schumowska (samt Akzent überzeugend dargestellt von Julia Schimowa) will zur 20-Jahr-Feier des von der Industriellenfamilie Schwarzenbach ermöglichten Volksheims mit dem Sängerverein das Stück «Verwoben» einstudieren. Doch an der Hauptprobe Mitte Juni 1936 geht schief, was nur schiefgehen kann: Die Sänger, Angestellte zweier konkurrierender Industriebetriebe – die einen tragen einen Schirm, die anderen einen Gehstock –, hätten nicht übel Lust, sich zu verhauen, vergessen den Text, überhören das Klavier (Simone Baumann), verwechseln die Tonart (Lukas Heuss am Saxofon), wissen nicht, wann sie mit ihrem Solo drankommen, haben den Text für die Lobrede an die Schwarzenbachs noch nicht vorbereitet, und zu allen Übeln verletzt sich der Choreograf (Oliver Dähler) auch noch am Bein.

Zum Glück ist das Publikum zahlreich erschienen, gegen 200 Personen wohnen der Hauptprobe bei. Und Hermine Schumowska zeigt sich überzeugt, dass für all die drohenden Ausfälle in den zwei Wochen, die bleiben bis zum 29. Juni, valabler Ersatz gefunden werden kann. «Kommt, gehen wir alle zusammen einen Wodka trinken bei der Pfisterschüür», ruft sie ins Publikum, «es kommt schon gut.» Ganz nach dem Motto: Eine misslungene Hauptprobe verspricht eine gelungene Premiere.

Von der Bevölkerung für die Bevölkerung

So vergnüglich liess sich der erste Akt der Thalwiler Kulturtage am Freitagabend an. Der zweite Akt wird am Abschlussabend über dieselbe Bühne gehen. Doch inzwischen wirken in der Gemeinde an die 600 Kulturschaffende an dem, «was die Gemeinde zusammenhält», wie es Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP) in seiner Eröffnungsrede ausdrückte.

Denn die Kulturtage Thalwil seien kein Festival, wie es sie landauf, landab gebe, mit geladenen Gästen. «Nein, die Kulturtage sind ein Kulturfest von der Bevölkerung für die Bevölkerung.» In der heutigen Zeit löse sich der Kitt des Zusammenhalts da und dort etwas auf. «Mit den Kulturtagen und all den vielen Kooperationen, die daran mitwirken, können wir zeigen, dass es auch anders geht.» Er habe den Plausch, diesen Anlass zu eröffnen. «Für einmal geht es nicht darum zu diskutieren und Mehrheiten zu finden. Sondern einfach darum zu geniessen.» Es war und ist eben keine Gemeindeversammlung. Fankhauser forderte das Publikum auf, sich überraschen und umgarnen zu lassen in den kommenden zwei Wochen.

kulturtage-thalwil.ch

Erstellt: 15.06.2019, 08:46 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben