Horgen

Die Invasion der Minifrösche

Vom Bergweiher wandern jetzt Tausende von winzig kleinen Fröschen und Kröten, die aus dem Laich der «Oster-Paarung» geschlüpft sind, in den Wald.

Winzig sind die Frösche, die derzeit am Bergweiher in grosser Zahl zu beobachten sind.

Winzig sind die Frösche, die derzeit am Bergweiher in grosser Zahl zu beobachten sind. Bild: Andre Springer

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Wer nach Ostern einen Abendspaziergang am Horgner Bergweiher unternommen hat, er­innert sich an die grosse Wanderung: Hunderte von Kröten und Fröschen waren jede Nacht unter­wegs zum Weiher, um sich zu paaren. Vreni Roth­acher vom Naturschutzverein Hor­gen schätzt, dass Ende März 3000 bis 4000 Amphibien zum Weiher wanderten: «Vermutlich kam es zu rund 200 Paarungen, da es viel mehr Männchen als Weibchen gibt.»

Bei den Erdkröten beträgt das Geschlechterverhältnis 30:1 bis 50:1. Dieser «Frauenmangel» wirkt sich dramatisch aus, indem Weibchen regelrecht bestürmt wer­den von Verehrern. Wenn ein Männchen einmal «angedockt» hat, umklammert es sein Weibchen fest und lässt es nicht mehr los. Diese «Doppeldecker» paaren sich dann in den folgenden Tagen, und aus dem Laich im Teich schlüpfen Kaulquappen. «Eine Kröte legt 2000 bis 4000 Eier», weiss Roth­acher. Aus diesen schlüpfen Kaulquappen, von denen nur ein Bruchteil überlebt und sich zu Fröschen und Kröten entwickelt. Für die Wasservögel sind sie ein willkommener Snack.

«Am letzten Montagmorgen setzte ich mich um 8 Uhr früh auf die Harütistrasse am Weiher, und dann fing es um mich herum an zu hüpfen und kriechen; die Strasse war voll», erzählt Roth­acher. Zwar klein wie ein Fingernagel, sehen sie aber schon aus wie ausgewachsene Frösche. Genauer gesagt handelt es sich um Erdkröten und Grasfrösche, welche vor allem an ihrem Gang zu unterscheiden sind: Frösche hüpfen, Kröten laufen oder kriechen. Das sieht man bereits bei den niedlichen «Kindern».

Nacht für Nacht machen sich die Winzlinge auf den Weg zurück in den Wald – sobald es dunkel wird, wenn die letzten Vogel­gesänge verstummt sind. Bei ­Kälte verfallen die wechselwarmen Amphibien in eine ­Starre, aus der sie erwachen, sobald es wieder wärmer ist. Hitze vertragen sie jedoch nicht. Daher müssen sie wandern, wenn die Bedingungen ideal sind.

Harütistrasse vorübergehend gesperrt

Was machen die Frösche im Wald? «Sie suchen Futter, zum Beispiel kleine Mücken, und ­leben dann drei Jahre im Wald, im Laub oder in einem Mauseloch, bis sie herangewachsen sind und zur Paarung zum Wasser wandern», weiss die Expertin. Der Instinkt treibt sie an. Die Harütistrasse wurde wegen der Wanderung der Winz­linge vorübergehend gesperrt. Sobald es eindunkelt und am Mor­gen sollte man vorsichtig am Weiher vorbeigehen und eine ­gute Taschenlampe dabei haben.

Zu sehen sind die kleinen Tiere am Weiherende Richtung Wädens­wil auf dem Kiesweg beim Einlauf des Bergweihers. Etwa um 21.30 Uhr tauchen die ersten Exemplare auf, und ab 22 Uhr sieht man dann auf der anderen Seite des Bergweihers am Kiesweg Glühwürmchen. Roth­acher schätzt, dass die Fröschlein noch am kommenden Wochenende unterwegs sein werden, dann ist die grosse Wanderung der Kleinen vorbei.

Erstellt: 29.06.2016, 15:57 Uhr

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