Horgen

Die «IG Aabachtobel für alle» schiesst gegen Schützen

Der Schiessstand der Schützengesellschaft Horgen in Käpfnach ist einer neu gegründeten Interessensgemeinschaft ein Dorn im Auge. Die IG Aabachtobel für alle kämpft für eine Schliessung damit eine neue Erholungszone entstehen kann.

Die IG Aabachtobel für alle will erreichen, dass die Schiessanlage (links) verschwindet und das Gebiet als Erholungszone genutzt werden kann – zum Beispiel mit Sitzgelegenheiten und einem Seilpark (rechts). Foto / Visualisierung: PD

Das Aabachtobel ist nicht nur für die Horgner ein beliebtes Naherholungsgebiet. Doch zu bestimmten Zeiten ist das Tobel nur schwer zu erreichen und die Stille wird durch Schüsse gestört. Diese schallen vom Schiessstand Käpfnach herüber, der sich am Eingang des Tobels befindet.

Doch noch mehr als der Lärm, stört vor allem die Käpfner, dass viel Platz und Geld für die Bedürfnisse Weniger aufgewendet werde, wie Michèle Troller-Wick sagt. Aufgrund ihrer Initiative haben sich nun sechs Käpfnerinnen und Käpfner zusammen getan und die Interessensgemeinschaft «IG Aabachtobel für alle» gegründet. «Wir fordern die Gemeinde Horgen auf, den Schiessstand Käpfnach zu schliessen und die Schiessanlage zurückzubauen», formuliert die Initiantin, Michèle Troller-Wick das klare Ziel der IG.

IG wünscht Renaturierung

In Gesprächen mit Freunden, Nachbarn und Bekannten seien die Stimmen gegen den Schiessstand im Aarbachtobel immer lauter geworden. «Viele nutzen das Aabachtobel zum Spazieren, Joggen oder zur Erholung», sagt Troller-Wick und fügt hinzu: «Wenn da nur nicht der Schiessstand wäre.» Denn bei Schiessbetrieb ist der untere Zugang zum Aabachtobel bis auf einen kleinen Weg gesperrt. Mit einer Aufhebung des Schiessstands Käpfnach wäre der Weg frei für eine Renaturierung des Schiessgeländes und das Aabachtobel würde als Erholungszone für die Bevölkerung aufgewertet werden, was ganz im Sinne der IG wäre.

Mit der Gründung der IG möchten deren Mitglieder eine Diskussion über den Schiesstand in der Bevölkerung anregen. Es sind aber auch Aktionen seitens der IG geplant. Mittels einer Anfrage vor der nächsten Gemeindeversammlung möchte die IG erfahren, wie der Gemeinderat zu der Forderung steht.

An der Budget-Gemeindeversammlung im Dezember möchte die IG beantragen, dass die im Voranschlag 2019 geplanten Investitionen von 450'000 Franken für eine neue Pistolenschussanlage sistiert werden, bis über die Zukunft des Schiessstandes Käpfnach Klarheit herrscht. Falls der Gemeinderat nicht bereit sein sollte, den Schiessstand Käpfnach zu schliessen und die Schiessanlage zurückzubauen, wird die IG Anfang des nächsten Jahres eine entsprechende Einzelinitiative einreichen. «Am Ende soll die Bevölkerung entscheiden, ob der Schiessstand bestehen bleiben soll oder die Fläche für eine andere Nutzung freigegeben wird», sagt Troller.

Eingeschränkte Schiesszeiten

Reklamationen von den Anwohnern sind für die Schützengesellschaft Horgen nichts Neues. «Der Schiesssport ist kein leiser Sport», ist sich Peter Lieberherr, Präsident der Schützengesellschaft Horgen bewusst. Zahlreiche Einschränkungen führten zu immer weniger Schiesstagen für die Schützen. «Inzwischen bleiben uns nur noch 16 Schiesshalbtage à 2 Stunden pro Jahr», sagt Lieberherr. Sonntags darf in Horgen überhaupt nicht mehr geschossen werden. Und dennoch hat der Verein, der derzeit 80 Mitglieder zählt, wovon 40 lizenziert sind, mit Reklamationen zu kämpfen. Vor allem seitens der Anwohner.

Die Neuzuzüger sollten aber vorher wissen, dass der Schiessstand existiert und es laut werden könnte. Denn die Schützengesellschaft schiesst nicht erst seit gestern in Käpfnach. Die Feldschützengesellschaft (1851) und der Militärverein (1869) wurden bereits aus dem Dorf verbannt und schossen ab 1897 in Käpfnach. 1961 wurde die Anlage erweitert, erhielt einen Schiesstunnel und wurde schallisoliert.

«Wir versuchen der Bevölkerung mit eingeschränkten Schiesszeiten und ungenutzten Schiesstagen entgegenzukommen», sagt Lieberherr. Ein gemeinsamer Schiessstand mit anderen Gemeinden erachtet Lieberherr als nicht durchführbar: «Dann reklamiert der Naturschutz oder die betroffene Gemeinde wegen des zunehmenden Schiesslärms.»

Dorothea Uckelmann (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.07.2018, 15:36 Uhr

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