Horgen

Die handgeschriebene Bibel lebt wieder auf

Das Alte Testament wird diese Woche in Horgen von Hand abgeschrieben. Beim Projekt der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Horgen sind alle willkommen.

Annelore Barth mit einer der gebundenen Handschriften, zu der sie beigetragen hat.

Annelore Barth mit einer der gebundenen Handschriften, zu der sie beigetragen hat. Bild: Sabine Rock

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Mehr als vier Millionen Buchstaben von Hand abschreiben, das ist das Ziel des Projektes der Horgner Bibelhandschrift, an der seit Montag weitergearbeitet wird. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Horgen (ACKH) hat schon 2003 begonnen, die Bibel handschriftlich festzuhalten.Damals haben über 100 Personen zur Entstehung von drei gebundenen Bänden beigetragen. Das gesamte neue Testament und auch das Buch der Psalmen konnten abgeschrieben werden.

Seither führten das Projekt nur vereinzelte Personen weiter. Zu ihnen gehört Christa Walthert, Katechetin der evangelisch-reformierten Kirche Horgen. Sie hat in ihrer Freizeit und mit ihren Schülern am Bibeltext gearbeitet. «Mein Ziel ist, dass die Jugendlichen ihre Arbeit so bald als möglich in gebundener Form sehen können», sagt die Katechetin. Die Schreibstube wurde unter anderem auch deshalb wieder eingerichtet. Ihr eigenes Engagement erklärt sie damit, dass das Schreiben eine meditative Ruhe mit sich bringe.

Ein einfacher Tisch am Fenster in der Kapelle derEvangelisch-methodistische Kirche (EMK) im Haus Tabea dient nun als Arbeitsort.Eines der fertigen Bänder liegt auf dem steinernen Altar aufgeschlagen, während lose A3-Blätter auf dem Schreibplatz aufgelegt sind, um am alten Testament zu arbeiten. Ziel sei es diese Woche erstmal die fünf Bücher Mose zu beenden.

Keine religiöse Motivation

«Man darf auch nur zum Zuschauen vorbeikommen», sagt Christa Walthert, «wobei Personen von anderen Religionen gleichermassen willkommen sind.» Das Einzige, was man mitbringen solle, ist Freude am Projekt, damit der aufwändigen Handschrift auch die entsprechende Sorgfalt entgegengebracht wird.

«Beim Abschreiben der Bibel verwendete ich die Schnürlischrift, damit es auch lesbar ist.»Annelore Barth

Eine, die schon beim Beginn des Projektes im Organisationskomitee dabei war und viele Stunden in die Handschrift investiert hat, ist Annelore Barth. Die Dame mit dem hochgesteckten grauen Haar sagt, sie sei nicht religiös motiviert gewesen. «Ich hatte nur eine vage Idee, was in der Bibel steht, aber durch meine katholische Erziehung erinnerten mich die biblischen Geschichten an meine Kindheit. Deshalb habe ich Freude am Schreiben bekommen.» Auch die poetische Sprache, in der die Verse verfasst sind, und die Gemeinschaft, die beim Projekt entstanden ist, hatten sie damals motiviert.

In der jetzigen Schreibwoche wolle Annelore Barth eigentlich nicht mitwirken, denn dieteilweisen brutalen Abschnitte der älteren Bibeltexte und auch der blosse Umfang des Alten Testamentes schreckten sie ab. Doch nun da sie in der Schreibstube steht und auf die Handschriften anderer Schreiblinge blickt, packe sie wieder die Lust mitzumachen.

Schöne Schrift nicht nötig

Annelore Barth hat eine schöne, geschwungene Handschrift. Sie beherrscht die Sütterlinschrift und die Stenographie. «Beim Abschreiben der Bibel verwendete ich aber die Schnürlischrift, damit es auch lesbar ist. Denn in der reformierten Kirche Horgen wird bis heute oft aus den handgeschriebenen Texten vorgelesen.»

Annelore Barth und Christa Walthert sind sich aber einig, um mitzuschreiben braucht man keine schöne Handschrift. Die Katechetin meint nämlich: «Das, was die Bibel speziell macht, sind gerade diese unterschiedlichen Schriften.»

Die Schreibstube ist noch bis am Freitag, 17. Januar, offen, jeweils von 9 bis 16.30 Uhr und 18 bis 19.30 Uhr. EMK-Kapelle beim Haus Tabea, Schärbächlistrasse 2, Horgen.

Erstellt: 15.01.2020, 17:07 Uhr

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