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Die Frösche sind los

Kaum naht der Frühling, brechen Frösche, Kröten und Molche zur Hochzeitsreise auf. Noch immer verenden dabei Hunderte auf der Strasse. Freiwillige Helfer retten bis zu 1000 der Amphibien pro Tag — allein in Horgen.

Andrea Schmider
Doppeldecker: Das Grasfroschmännchen hängt sich am Weibchen fest. Im Doppelpack nähern sie sich dem Laichgewässer.
Doppeldecker: Das Grasfroschmännchen hängt sich am Weibchen fest. Im Doppelpack nähern sie sich dem Laichgewässer.
Manuela Matt

Jetzt, wenn die Temperaturen langsam wärmer werden, erwacht die Tierwelt aus ihrem Winterschlaf und Tausende von Amphibien brechen in der Dämmerung zu ihren Laichgewässern auf. Bis Ende April werden Strassen zu rege genutzten Wanderpassagen für Frösche, Kröten und Molche.

Laut Pro Natura werden jährlich an rund 200 Standorten in der Schweiz über 160 000 Amphiben von ehrenamtlichen Helfern über Strassen ans Laichgewässer getragen. In den Bezirken Horgen und Meilen werden dank Schutzmassnahmen jährlich Zehntausende Frösche, Kröten und Molche vor dem Tod gerettet, schätzt der Biologe Mario Lippuner vom Amphibienschutz.

Tunnel, Leitzäune und Auffangbecken

Damit die amphibische Hochzeitsreise vom Wald zum Laichgewässer kein vorzeitiges Ende unter einem Autopneu nimmt, werden mittlerweile diverse Schutzmassnahmen vorgenommen: Leitzäune mit Auffangbecken, temporäre Strassensperren, Tunnelportale und freiwillige Helfer.

Im Bezirk Horgen verweist der Amphibien- und Reptilienschutz (Karch) auf fünf sogenannte Zugstellen: der Horgner Bergweiher, der Hargenweiher am Albispass und die Au in Wädenswil sowie die Masschür und Mühlestalden in Schönenberg. Im Horgenberg werden vor allem die Strassen rund um den Bergweiher bis um Forsthaus von viel Amphibien überquert. Auch auf der Meilibachstrasse und weiteren Quartierstrassen sind Amphibienwandungen zu beobachten; wenn es zum Beispiel in einem Privatgarten einen Tümpel hat, worin Grasfrösche mit Vorliebe laichen.

5000 Amphibien wandern pro Saison am Horgenberg

In Horgen sind unter Leitung der Naturschützerin Vreni Rothacher jedes Jahr freiwillige Helfer des Nachts mit Kübel und Taschenlampen bewehrt im Einsatz. Die Vizepräsidentin des Naturschutzvereins Horgen rettet an einem intensiven Abend über 1000 Lurche — mehrheitlich Grasfrösche und Erdkröten. «Ich denke, um den Horgenberg werden dieses Jahr bis zu 5000 Amphibien unterwegs ein», schätzt Rothacher, die sich seit mehr als 20 Jahren für die Amphibien einsetzt.

«Wir sind am Abend auf der Pirsch und beobachten die Wanderung, zählen die Individuen und ermahnen allfällige Automobilisten, die sich nicht um das Verbot kümmern», schildert die Horgnerin die Nachteinsätze. Für diese seien sie dankbar für Helfer.

«Es stirbt nur noch ein Bruchteil der Amphibien, seit die Laichzüge geschützt werden», sagt Biologe Lippuner vom Amphibienschutz. Über die Jahre gesehen habe sich die Populationen von Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch im Bezirk Horgen in den letzten zwei Jahrzehnten mehr oder weniger gehalten.

In Hombrechtikon geht das Sterben weiter

Gefährlich wird die Wanderung aber auf der anderen Seeseite. An der Badstrasse in Hombrechtikon schlagen Tierschützer Alarm: Hier sterben jedes Jahr zur Laichzeit zahlreiche Tiere, warnt der Ornithologische Verein der Gemeinde. Der Verein verlangt vom Gemeinderat, die Strasse über Nacht in der heissen Phase zu Frühlingsbeginn für einen Monat zu sperren. Diese Forderung wird damit begründet, dass andere Schutzmassnahmen hier schwierig umzusetzen seien.

Der Naturschutzverein Horgen lädt am Mittwoch 15. und 22. März zu einer Exkursion ein. Treffpunkt: Chlausplätzli, an der Strassenverzweigung, Eggweg- Wührenbachstrasse und Harütistrasse. 15.15 Uhr bis 20.30 Uhr

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