Rüschlikon

«Die digitale Welt beschäftigt uns von der Geburt bis zum Tod»

Mit dem Lehrplan 21 gibt es künftig ein verbindliches Zeitgefäss an Schulen für die Medienbildung. Sind die Lehrenden darauf vorbereitet? An der 8. Bildungskonferenz Zürich Park Side im Gottlieb Duttweiler Institut wurde darüber diskutiert und philosophiert.

Thomas Merz (hinten rechts) spricht vor Teilnehmern der 8. Bildungskonferenz Zürich Park Side.

Thomas Merz (hinten rechts) spricht vor Teilnehmern der 8. Bildungskonferenz Zürich Park Side. Bild: André Springer

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«Wir stehen an einer ganz entscheidenden Schwelle der menschlichen Geschichte», sagte Thomas Merz von der pädagogischen Hochschule Thurgau am Dienstag in seinem Referat im Gottlieb Duttweiler Institut. Der Grund für seine These: «Wir gehen dem Ende einer Erfahrungswelt auf der Basis von Biologie und Physik entgegen und stehen vor dem Eintritt in eine hypride digitaliserte Welt.»

Das Thema der 8. Bildungskonforenz Zürich Park Side, an dem rund 200 Personen teilnahmen, war: «Welche Skills braucht die digitalisierte Berufswelt von morgen?» Zentrale Frage dabei sind, ob das Lehrpersonal auf diese massive Herausforderung vorbereitet ist und wie man die rein technischen Aspekte der digitalen Welt auch mit ethischen und gesellschaftlichen Fragen verknüpfen muss, damit eine ganzheitliche Ausbildung zielführend ist.

Informatik verstehen, um die Welt zu verstehen

Genauso wie die Lernenden stehen auch die Lehrenden am Anfang einer grossen Herausforderung. Mit dem Lehrplan 21 bekommt die Medienbildung ein verbindliches Zeitgefäss im Schulplan. Aber wie sollen die Inhalte der Lernstunden optimal aufgefüllt werden? Auch Medienpädagoge Merz musste dieser Frage in seinem Referat eher Allgemeinplätze entgegensetzen. Nicht deshalb, weil er die Antworten darauf nicht kannte, sondern weil es in vielen Bereichen noch gar keine allgemeingültige gibt. Die enorme Aufgabe rückt gerade erst in den Fokus der Schulen.

Die Integration der digitalisierten Welt in die Ausbildung ist überfällig, wie Thomas Merz weiter ausführte. Sie bestimmt unser Leben bereits «vom Aufwachen bis zum Einschlafen, von der Geburt bis zum Tod, vom persönlichen Austausch in der Familie bis zum Konflikt zwischen Nationen.»

Damit ist für die Ausbildenden klar, dass die Lernenden einerseits die technischen Instrumente erlernen müssen, damit sie die neue Welt überhaupt nutzen können. Denn. «wer die Informatik nicht versteht, versteht heute ein grosser Teil unserer Welt nicht», sagte Merz. Genauso wichtig sei aber auch die Vermittlung von Hintergrundwissen im Bereich der Medienbildung. Dabei geht es auch um die Beurteilung von Informationen. «Was sind Fake News und wie gross ist die Bedeutung einer Meldung für die Gesellschaft?» - das müssten die Lernenden richtig einordnen können, befand Merz.

Es besteht eine gewisse Unsicherheit bei Lehrenden

Am Ende des Referats konnten die Teilnehmer der Veranstaltung mit ihren mobilen Telefonen darüber abstimmen, wie sicher sie sich heute bereits fühlen im Bezug auf Lehre und Lernen im digitalen Bereich. Eine spannende Frage, wenn man bedenkt, dass ein Grossteil der Teilnehmenden einer didaktischen Tätigkeit nachgeht. Während Thomas Merz voraus sagte, dass sich die Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien auf einer Skala von 1 bis 10 bei den Teilnehmenden bei rund 8 oder 9 einpendeln würde, zeigte der effektive Balken, dass die Teilnehmer ihr Wissen bei 5 einstuften.

Es besteht also auch im Bereich der Lehrenden weiterhin eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit der neuen Technologie. Damit kristalisierte sich ein Fazit heraus, welches Thomas Merz bereits in seinem Vortrag beschrieb: «Medien und Informatik ist ein Entwicklungsfach mit notwendiger Aufbauphase.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.03.2018, 16:12 Uhr

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